HOME

Hundertwasser: Bunte Spiralen in Hamburg

Er bezeichnete gerade Linien als Teufelswerk und schockte mit nackter Haut. Jetzt sind die farbenfrohen Bilder des Künstlers Hundertwasser in Hamburg zu sehen.

Wellenlinien, Spiralen, Kreise, aber auch Regentropfen, Köpfe und architektonische Elemente, alles in leuchtenden Farben. Die Motive von Friedensreich Hundertwasser sind unverwechselbar. Die Abneigung gegen gerade Linien und die Liebe für bunte Farben sind zum Markenzeichen des Wiener Künstlers geworden. "Meine Bilder sind die Ernte meiner Träume", sagte Hundertwasser einmal. Seinen Träumen schienen keine Grenzen gesetzt: er hielt sie in Lithografien, Farbradierungen, Holzschnitten und Aquarellen fest. Hundertwasser betätigte sich aber nicht nur als Allround-Künstler, sondern auch als Architekt und Ökologe.

75 Jahre wäre der als Friedrich Stowasser geborene Wiener im Dezember geworden. Vor vier Jahren starb er an Herzversagen. Ende der 50er Jahre lehrte er für kurze Zeit als Kunstprofessor in Hamburg. Nun kehrt sein Lebenswerk in die Hansestadt zurück. Bis Ende März widmet sich "Hundertwasser... Die Ausstellung" der 50-jährigen Schaffenszeit des Künstlers. Im Mittelpunkt der Retrospektive steht seine Druckgrafik. Besonderes Highlight ist das Werk "Good Morning City", von dem zusätzlich verschiedene Vorprints in der Ausstellung hängen. "Hundertwasser hat solange mit unterschiedlichen Farben und Materialien gespielt, bis er zufrieden war", erklärt Ausstellungsleiter Carsten Kollmeier.

Vielseitiger Künstler

"Hundertwasser war der Meister der Vervielfältigung. Sein Ziel war es, Kunst populär zu machen". So kann die Ausstellung auf eine Menge Material zurückgreifen. Über 600 Exponate zeigen Leben und Werk des Künstlers. "Die Ausstellung trägt seiner Vielschichtigkeit Rechnung", ergänzt Kollmeier. Hundertwasser gestaltete Briefmarken, Kfz-Kennzeichnen, Telefonkarten, Etiketten für Wein- und Wasserflaschen sowie Nationalfahnen. Schon früh setzte er sich für ein schöneres und menschengerechteres Stadtbild ein. Er entwarf eigene Häuser und kämpfte für das "Fensterrecht" und die "Baumpflicht". Fotos und Entwürfe seiner Häuser, Baupläne und Mietverträge dokumentieren seine Tätigkeit als Architekt.

Die Natur lag Hundertwasser besonders am Herzen. Seine Naturverbundenheit zeigt sich nicht zuletzt in dem preisgekrönten Hundertwasser-Film "Regentag" von Peter Schamoni, der im Ausstellungskino läuft. Er entwickelte eine Pflanzen-Kläranlage und Humustoiletten, die er selber benutzte. Eine von Hundertwasser geschriebene Anleitung erklärt, wie die ökologisch verträgliche Toilette funktioniert. Nach seinen Angaben braucht sie weder Chemie noch Strom oder Abfluss. "Einziger Nachteil gegenüber den käuflichen Humustoiletten mit Elektroanschluss: Urin kann nur begrenzt aufgenommen werden. Dafür ist man unabhängig vom Stromnetz", erläutert Hundertwasser in der Anleitung.

Skandal um nackte Haut

Aber Hundertwasser war auch politisch, radikal und polarisierend. Er entwickelte sich zu einem ausgesprochenen EU-Gegner. Auf einem 14-seitigen Papier rechnete er mit der Europäischen Union und den Medien ab, die sich seiner Ansicht nach geweigert hatten, seine Meinung zu veröffentlichen. Hundertwasser liebte es zu schockieren. Er landete immer wieder mit Skandalen in den Schlagzeigen. Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1968 titelte: "Maler Hundertwasser trug nur nackte Haut, Frau Stadtrat floh vor nacktem Künstler". Anlass war eine Ausstellungseröffnung in Wien, bei der der Künstler wie schon vorher in München die Hüllen fallen ließ.

Maler, Grafiker, Exzentriker, Individualist, Philosoph, Umweltschützer und Architekt - Friedensreich Hundertwassers Leben war sein Werk und sein Werk sein Leben.

Die Ausstellung läuft vom 31. Januar bis 28. März in Hamburg im Kaufmannshaus, Große Bleichen. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 12 Uhr bis 22 Uhr, Samstag von 12 Uhr bis 24 Uhr und sonntags von 10 Uhr bis 20 Uhr. Mehr Informationen finden Sie unter http://hundertwasser-ausstellung.freenet.de.

Irena Güttel

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren