New York Christo verwandelt den Central Park


In New York starten die Vorbereitungen für das nächste Kunstereignis: Die Verpackungskünstler Christo und Jeanne-Claude lassen den Central Park in safrangelb erstrahlen.

Die Begeisterung für das neue MoMA hat sich noch längst nicht gelegt, da nimmt New York bereits Kurs auf das nächste Großkunstereignis. An diesem Mittwoch beginnen in der Regie der Verpackungskünstler Christo und Jeanne-Claude die Arbeiten für die Verwandlung des Central Park in ein safrangelbes Stoffmeer.

15 Tage lang erstrahlt der Central Park in safrangelb

Unter den Augen von Schaulustigen werden Lastwagen bis Weihnachten Tag für Tag Stahlsegmente für die insgesamt 7500 Tore des Kunstprojekts "The Gates in Central Park" von einer Fabrik im Stadtbezirk Queens durch Manhattans Straßen zur "grünen Lunge New Yorks" transportieren. Jede einzelne Phase des Projektes sei genauestens geplant und werde mit der Präzision eines Uhrwerkes ablaufen, verspricht Chefingenieur Vince Davenport. Bewacht wird das Ganze rund um die Uhr von einer kleinen Armee an Sicherheitskräften.

Am 3. Januar beginnt die Aufrichtung der Tore auf einer Gesamtstrecke von 37 Kilometern. Am 7. Februar folgt die Anbringungen der meterlangen Stoffbahnen. Am 12. Februar werden sie schließlich entrollt - vorausgesetzt, es fegt kein Schneesturm durch New York. Ganze 15 Tage wird der Park in kräftigem Safrangelb erstrahlen. Dann beginnt schon wieder der Rückbau und kurz darauf wird das Gelände wieder so winterlich kahl aussehen, wie jedes Jahr Ende Februar.

"Bei unserer Arbeit geht es immer um Freiheit"

"Unsere Projekte sind stets 'einmal im Leben' und dann 'es war einmal'", erklärten Christo und Jeanne-Claude, beide heute 69 Jahre alt, zur Vergänglichkeit ihrer öffentlichen Großkunstwerke. So war es im Sommer 1995 bei der Verpackung des Reichstages in Berlin und so wird es nun bei der Einhüllung des Central Park sein. "Bei unserer Arbeit geht es immer um die Freiheit. Freiheit ist der Feind von Besitz, und Besitz bedeutet Dauerhaftigkeit."

Allerdings werden viele Menschen dauerhaft Erinnerungen an das Projekt "The Gates" besitzen: Zeichnungen und Drucke der Entwürfe von Christo, aus deren Verkauf das bulgarisch-französische Künstlerehepaar das auf nahezu 20 Millionen Dollar, rund 15 Millionen Euro, geschätzte Großprojekt finanziert. Hinzu kommen Souvenirs wie T-Shirts, Poster, Baseballmützen und Bildbände, an denen vor allem die Parkverwaltung verdient.

500.000 "Christo-Touristen" erwartet

Obwohl die Stadt New York keinen Cent dazu gibt, kann sie mit erheblichen Einnahmen rechnen. Bürgermeister Michael Bloomberg, der sich über alle Bedenken seiner Vorgänger gegen die bereits 1979 von Christo vorgeschlagene Installation hinwegsetzte, erwartet, dass sie mehr als 500.000 Besucher nach New York lockt. Allein für Übernachtungen dürften sie in einer Zeit, da New Yorks Hotels normalerweise nur schwach gebucht sind, etliche Millionen Dollar ausgeben.

Vorfreude herrscht auch in weiten Teilen des New Yorker Kulturbetriebs. Kunstbeflissene wie die "Christo-Touristen" könnte es, nachdem sie sich durch die Februarkälte des Central Park gekämpft haben, in eines der nahe gelegenen und warmen Museen ziehen. Vom Guggenheim über das Metropolitan Museum bis zum neuen MoMA. Und wer schon mal da ist, der wird vielleicht nicht auf den Broadway oder die Metropolitan Opera, die Carnegie Hall oder die New Yorker Philharmoniker verzichten wollen.

Thomas Burmeister/DPA DPA

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