NICOLETTE KREBITZ Denim ich mir


Auch wenn Levi Strauss' Erfindung bei ihrem Regiedebüt keine Rolle spielt, nannte Nicolette Krebitz den Film »Jeans«. Für ihre Outfits wählt sie den Stoff öfter aus.

Von Oliver Link und Ingo Robin (Fotos)

Oskar Melzer hat damals wirklich ein Mädchen gesucht. Und er war auch tatsächlich in Jana verliebt. Jana Pallaske hat ihm Plätzchen auf seinen Plattenteller gelegt. Da war er verloren. Es gab auch diesen Vorfall in einer Telefonzelle. Wo er hinterher dachte: Wozu sind Mädchen fähig? Und dann gar welche, von denen man es nicht erwartet.

In »Jeans« sind es junge Türkinnen, die ihn aus der Telefonzelle holen und zusammenschlagen. In Wirklichkeit, sagt die Schauspielerin Nicolette Krebitz, die bei diesem Film um lauter wahre kleine Geschichten zum ersten Mal Regie führt, »waren das so 'Buffalo-Boots-Girls'«. Die 31-Jährige macht eine Pause und gräbt nach weiteren Gedanken, die verständlich machen können, was dieser Film eigentlich ist.

Schwer genug, das zu greifen. Sie habe die Dinge des Sommers 2000 so auf die Leinwand bringen wollen, wie sie nun mal passiert seien - Banalitäten eigentlich, nichts Weltbewegendes, aber authentisch. Die Leute in ihrem Film sollten reden, wie Leute nun mal reden. »Gib mir verdammt noch mal das verdammte Geld zurück« - solche Kinodialoge öden sie an. Man verspricht sich eben mal, na und, sagt halbgares Zeug. »Ich wollte sehen, ob es geht, ob man einen Film versteht, in dem Sätze unfertig und Situationen unklar bleiben. In echt ist es doch nur so.« Zu verstehen gebe es dabei nicht viel, mehr zu fühlen.

Und so begegnet man in »Jeans« Oskar Melzer als Oschi, im wirklichen Leben Berliner DJ und ein guter Freund von Krebitz. Man sieht ihm dabei zu, wie er das eine, das richtige Mädchen sucht. Coco, gespielt von Nicolette Krebitz - »Coco« ist ihr Kosename -, möchte ihn mit Mavie (Mavie Hörbiger) zusammenbringen, aber das geht schief. Er verliebt sich in Nina (Jana Pallaske), und dann passiert irgendwann das mit der Telefonzelle, und immer wieder sieht man schöne Mädchen, die sich mal schminken und über Kohl unterhalten, mal an- und ausziehen, wenn Jungs zu Besuch kommen, und sich ein bisschen flachlegen lassen.

Nicolette Krebitz hat sich ziemlich viel Gedanken gemacht über ihre Generation, die sich ins Private zurückgezogen hat, die unpolitisch ist und sich weigert, Abschied zu nehmen von einem unbekümmerten Leben und Farbe zu bekennen, Entscheidungen zu treffen - aber vielleicht vertraut sie zu sehr darauf, dass man diese Gefühle und Erkenntnisse beim Anschauen wiederfindet.

Die Berlinerin, hoch dekoriert mit unter anderem zwei Grimme-Preisen (für »Ausgerechnet Zoé« und »Schicksalsspiel«) und dem Bayerischen Filmpreis (für die Musik zu »Bandits«), hat keine Lust mehr, die Süße, die Tolle, die deutsche Antwort auf Winona Ryder zu sein. Ihre Filme der vergangenen drei, vier Jahre haben ihr meist selbst nicht mehr gefallen. Deshalb hat sie sich zusammen mit Oskar Melzer ihren neuen Film ausgedacht.

Und er musste einfach »Jeans« heißen, sagt sie: »Wenn man dieses Wort ausspricht, klingt es, als bekäme man einen Kuss. Die Jeans ist ein weiches, schönes, warmes, vielversprechendes, sexy Irgendwas. Und am Ende halt doch nur ein Stoff«, sagt sie. Jeans seien so überhöht wie »Jungsein«, wie »Verliebtsein«.

Und dieses Verliebtsein, sagt sie, sei dann am Ende auch nicht mehr als zwei Menschen, die sich immer ähnlicher werden und doch nicht zueinander passen. Banal eigentlich. Wirklich nicht weltbewegend. Aber wahr - eine echte »Jeans«-Erkenntnis.


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