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Lebensgefühl der 80er: Geschichten aus dem Pott

Aufnahmen aus dem Ruhrgebiet der 70er und 80er Jahre. Eine längst vergangene Zeit? Nicht ganz, dem Fotojournalisten Reinhard Krause geht es um Mentalitäten, nicht um Momentaufnahmen.

Wasserrutsche am Gildehofbad, Essen-Innenstadt, 1988  Das war so ein super Spaßbad, aber am Ende ein toller Flop der Essener Stadt- und Bäderplanung! Kaum eröffnet, schon undicht, es tropfte in das "Toys'R'us" darunter, und wurde bald geschlossen. Heute befinden sich dort die Räumlichkeiten der Stadtbücherei.

Wasserrutsche am Gildehofbad, Essen-Innenstadt, 1988

Das war so ein super Spaßbad, aber am Ende ein toller Flop der Essener Stadt- und Bäderplanung! Kaum eröffnet, schon undicht, es tropfte in das "Toys'R'us" darunter, und wurde bald geschlossen. Heute befinden sich dort die Räumlichkeiten der Stadtbücherei.

Erstaunlich, was die Kuratorin Ulrike Kaßler da auf die Beine gestellt hat in der Ping Pong Gallery - wie der Name schon sagt eingebettet in den Tischtennisraum der ebenso wunderbaren "Trinkhalle" von Tom Gawlig. Trinken und Kunst und Tischtennis spielen, darum geht's, alles dabei was Mensch braucht, im Pott und auch sonstwo. Das Ruhrgebiet ist auch das Thema der neuen Ausstellung: Der international ausgezeichnete Fotojournalist Reinhard Krause hat sein Fotoarchiv geöffnet - und zu Tage treten wahrhaft atemberaubende Bilder aus westdeutschen Landen. Der Ruhrpott hatte bis in die 80er einen "Pulsschlag aus Stahl", seitdem kommt man - ökonomisch - nicht mehr recht auf die Beine. Von Kirchturmdenken ist immer wieder die Rede, von Versagen in der Strukturpolitik.

Wahre Typen auf der Cranger Kirmes

Das alles ist in den Bildern Reinhard Krauses aber noch kein Thema. Krauses fotografischer Trip durch den Pott nahm bei Krupp seinen Anfang, in der Härterei - malochen am Ofen also. Krause knipste da mal seine ersten Bilder mit einer kleinen Kamera und kam auf den Geschmack - es folgte ein Fotografiestudium in Dortmund. Mit der Zeit enstand so ein faszinierendes Portrait einer nach Anerkennung kämpfenden Region. Die Bilder strahlen eher eine Wir-im-Pott-sind-wieder-wer Attitüde aus, die allerdings die Minderwertigkeitsgefühle durch den nicht ganz gelungenen Strukturwandel schon vorweg nimmt. Stolze Menschen sind das. Es ist ein Blick in eine fast theaterhafte Welt voller Typen vor grauer Kulisse. Aber der Dreck aus den Öfen hat nicht weiter gestört, man hat es sich trotzdem schön gemacht. Man war ja wer - man arbeitete ja auch schwer, da konnte man auf der Cranger Kirmes schon mal Fünfe gerade sein lassen.

Ein Blick zurück nach vorne

Freilich wirft die Ausstellung einen Blick zurück in die vermeintlich guten, alten 80er - aber die Menschen im Pott, die haben sich nicht groß verändert, sind immer noch stolz und geradeaus. Sie machen eben ihr Ding, trotz allem.

Vom 23. Juli 2016 bis zum 4. September 2016 zeigt die Ping Pong Gallery c/o Trinkhalle in Bochum die Ausstellung "Die 80er im Ruhrgebiet" mit Fotografien von Reinhard Krause. Kuratiert von Ulrike Kassler und Hendrik Lietmann.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?