In fremden Händen
Geld oder Gefühle? Désirée Nosbusch wird in spannendem Thriller zur Liebesbetrügerin

  • von Maximilian Haase
Fiese Fassade? Désirée Nosbusch verkörpert Karola, die sich vorgeblich liebevoll um einen älteren Witwer kümmert.
Fiese Fassade? Désirée Nosbusch verkörpert Karola, die sich vorgeblich liebevoll um einen älteren Witwer kümmert.
© ZDF/susanne bernhard
Echte Liebe oder doch nur Geldgier? Im ZDF-Film "In fremden Händen" spielt Désirée Nosbusch die umsorgende neue Partnerin eines Mannes, der bald ans Bett gefesselt ist. Bald schon werden seine Töchter misstrauisch. Bewegendes Thriller-Drama um Familie, Vertrauen und Abhängigkeit.

In den letzten Jahren schien Désirée Nosbusch vor allem Gefallen an kriminalistischen Frauenfiguren gefunden zu haben: Vom "Irland-Krimi" über "Ein Fall für Conti" bis "Das zweite Attentat" ermittelte sie sich regelmäßig durch allerlei vom Publikum goutierte TV-Krimis. Gänzlich anders zeigt sich die 61-Jährige nun im neuen ZDF-Film "In fremden Händen", der sich auf erschütternde Weise mit Beziehungen der eher ungesunden Art beschäftigt. Nosbusch spielt diesmal eine auf den ersten Blick umsorgende Frau, die sich in einen wohlhabenden Mann verguckt. Vorgeblich zumindest. Lieben sich die beiden wirklich – oder nutzt sie ihn des Geldes wegen aus? Als sie bei ihm einzieht, um sich zu kümmern, werden seine Töchter misstrauisch. Clever und spannend umkreist das Thriller-Drama das Thema Liebesbetrug, ohne in allzu platte Vorurteile zu verfallen.

Nosbusch verkörpert die verwitwete Karola, die in einem Hotel den Witwer Wolfgang (Robert Hunger-Bühler) kennenlernt. Der Pensionär verliebt sich, und auch seine beiden Töchter Verena (Bettina Burchard) und Jana (Picco von Groote) finden zunächst, dass die neue Frau ihrem Vater guttut. Doch das Misstrauen wächst, als sich seine Gesundheit infolge eines Sturzes zusehends verschlechtert, Karola bei ihm einzieht und ihn schließlich pflegen muss. Seine Kinder fragen sich mehr und mehr, ob sie wirklich die fürsorglich Liebende ist, die sie zu sein vorgibt.

Während die angebliche Ex-Internistin den auf Hilfe angewiesenen Wolfgang immer mehr von der Außenwelt isoliert und bald auch medizinisch nach eigenem Ermessen behandelt ("einmal Ärztin, immer Ärztin"), gerät der Film vollends zum mitreißenden Thriller. Die Töchter forschen auf eigene Faust nach und es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit – fesselnd in Szene gesetzt von Regisseur Christian Bach, der auch das Drehbuch schrieb.

"Das kann jedem passieren"

Ohne viel Trickserei gelingt es dem Film, den Spannungsbogen konsequent hochzuhalten. In kammerspielhaften Szenen wird die erschreckende Banalität der Betrügerei offenbar. Fast beiläufig übernimmt Karola die Kontrolle – über Handy, Banking, Medikation. Sie manipuliert und spielt Wolfgang gegen seine Kinder aus ("Ich hab dir ja schon längst verziehen, nur dein Vater leider nicht"). Dass man sich über ihre Motive und ihr wahres Ich dennoch lange unsicher wähnt, ist vor allem dem fantastischen Spiel der Hauptdarstellerin zu verdanken, die mühelos zwischen treuer Begleiterin und verunsicherter Betrügerin, zwischen Fassade und Verzweiflung changiert. In derlei fiesen Rollen sähe man Désirée Nosbusch gern öfter.

Auch wenn das Drehbuch bisweilen zuspitzt und die Dinge etwas zu offensichtlich ausformuliert ("Was, wenn sie sich am Ende nur bereichern will?" – "Freu dich lieber mal, dass Papa nicht so alleine ist"): Das Handeln der Charaktere bleibt fast die gesamte Zeit über nachvollziehbar realistisch. Die Töchter, die ahnen, aber nicht wahrhaben wollen. Der schwache Alte, der das Offensichtliche verdrängt. Die wohlwollenden Nachbarn, die sich nichts Böses denken. Sie alle lassen den Film aufs Publikum rückwirken: Würde man sich nicht genauso verhalten? "Das kann jedem passieren", heißt es in einem Dialog. – Aber auch: "So was passiert nur, wenn vorher schon was im Arsch ist." Wie der auch als Familiendrama funktionierende Film subtil ergründet, reicht oft schon eine Schieflage in den Beziehungen, die ein gewiefter Betrüger zu nutzen versteht.

Die Angst vor der Einsamkeit

Und dann wäre da ja noch die Konfrontation mit den Institutionen, die ihren Teil dazu beitragen, dass Liebesbetrüger durchkommen. Während sich die Schwestern, unerstützt vom zunächst rätselhaften Martin (Shenja Lacher), fast wie ein Ermittlerduo selbst auf die Suche nach der Wahrheit begeben, mutet der Besuch bei der echten Polizei ernüchternd an: "Sie dürfen nicht zu viel erwarten", verweist der Beamte darauf, das man nichts nachweisen könne.

Liebesbetrug und Heiratsschwindel funktionieren, das zeigt die Wirklichkeit. Sei es in der altmodischen Form, die "In fremden Händen" eindrücklich umreißt, oder in der modernen digitalen Variante des Love Scammings, auf das im Netz immer wieder Menschen hereinfallen. Warum lassen das selbst lebenserfahrene Männer und Frauen mit sich machen? Warum wehren sich so wenige, wenn die anfängliche naive Liebe von der betrügerischen Realität eingeholt wird? Auch darauf hat der Film eine Antwort: "Weil er Angst hatte, wieder allein zu sein." Furcht vor Einsamkeit schlägt eben jeden Zweifel.

In fremden Händen – Mo. 02.03. – ZDF: 20.15 Uhr

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