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Flut im Ahrtal Als das Wasser kam, alles zerstörte und wieder abzog – eine Bestandsaufnahme

Die Altstadt von Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde von den Wassermassen besonders schwer getroffen
Die Altstadt von Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde von den Wassermassen besonders schwer getroffen
© Gordon Welters/laif
Vor drei Monaten machte das Hochwasser aus ganzen Regionen Krisengebiete. Wie sieht es heute dort aus? Wir haben die Orte noch einmal besucht.

Wo sie einst lebten, ist nun ein leerer Fleck

18. Juli 2021 und 7. Oktober 2021, Dernau, Ahrtal  Schaden: Mindestens 300.000 Euro. Vermutlich weitaus mehr.  Verloren: Ihr Elternhaus, das Haus ihrer Großeltern und alles, was sich in den Gebäuden befand.  Gerettet: Zwei Kommunionskreuze von Robrecht und ihrer Schwester.  Und nun? Wiederaufbau.
18. Juli 2021 und 7. Oktober 2021, Dernau, Ahrtal
Schaden: Mindestens 300.000 Euro. Vermutlich weitaus mehr.
Verloren: Ihr Elternhaus, das Haus ihrer Großeltern und alles, was sich in den Gebäuden befand.
Gerettet: zwei Kommunionskreuze von Robrecht und ihrer Schwester.
Und nun? Wiederaufbau.
© Theodor Barth

Ein Freitagnachmittag im Oktober 2021. Jessica Robrecht, 38, steht in der Ruine ihres Elternhauses, der Herbstwind pfeift durch die Räume, aus den Wänden hängen Stromkabel wie Tentakel. Robrecht schaut durch ein fensterloses Loch, zeigt auf den leeren Fleck zwischen alten Fachwerkbauten und sagt: "Hier stand das Haus meiner Großeltern." Wenn sie die Augen schließe, sagt sie, sitze sie mit ihrer Schwester an Großmutters Küchentisch. Esse die Dinge, die es immer nur bei Oma gab.

Vergangenheit. Im Juli kam das Wasser, nahm das Heim ihrer Großmutter. Von Robrechts Elternhaus, direkt daneben, blieben nur die Mauern. "Hier war mein Zuhause", sagt sie. War.

Erinnerungen an die Flutnacht. Ihre Mutter war in Kur, ihr Vater daheim. Nachmittags kauften er und die Tochter Sandsäcke, sicherten den Keller. Abends, gegen halb acht, verabschiedete sie sich. "Jessica, da kommt etwas auf uns zu", sagte ihr Mann Andreas noch, der auf sie gewartet hatte. Dann musste er los, zum Einsatz. Blieb lange weg in dieser Nacht. Andreas ist bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Das Hochwasser im Westen Deutschlands hat zahlreiche Existenzen bedroht. Wir leiten Ihre Spende an ausgewählte Organisationen weiter, die den Betroffenen helfen.  Stiftung stern e.V. – IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01 – Stichwort "Hochwasser 2021", www.stiftungstern.de
Das Hochwasser im Westen Deutschlands hat zahlreiche Existenzen bedroht. Wir leiten Ihre Spende an ausgewählte Organisationen weiter, die den Betroffenen helfen.
Stiftung stern e.V. – IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01 – Stichwort "Hochwasser 2021", www.stiftungstern.de
© stern

Das Wasser stieg immer schneller. Jessica Robrecht telefonierte alle paar Minuten mit ihrem Vater. Der kletterte aufs Dach und klammerte sich an den Schornstein. Sah von oben den Lkw des Nachbarn vorbeischwimmen, Reste eines Dachs hinterher. Um acht Uhr morgens rettete ihn die Feuerwehr. Das Haus unter ihm war nur noch ein einziger Schuttberg.

Drei Monate später sind Schlamm und Müll verschwunden. Die Zerstörung ist es nicht. Keine Ahnung, wie sie den Aufbau stemmen sollen, sagt Robrecht. Die Versicherung trägt den Schaden. Ob sie staatliche Hilfe bekommen, sei noch nicht geklärt. Hauptproblem seien aber die fehlenden Handwerker – beispielsweise Elektriker, Klempner, Dachdecker und Fußbodenleger. "Was soll ich jetzt auch mit Geld? Ich bekomme ja keine Handwerker dafür", sagt Jessica Robrecht. Trotzdem, sie wollen nicht aufgeben. Sie wollen das Haus, ihre Vergangenheit, wieder aufbauen.

Straße ins Nichts

 17. Juli 2021 und 6. Oktober 2021 bei Erftstadt  Schaden: 1,4 Millionen Euro, geschätzt.  Verloren: Ein Straßenabschnitt (ca. 2,6 km), der zerstört wurde, und ein Entwässerungsbecken.  Gerettet: Entwässerungsleitungen, die wieder funktionieren.  Und nun? Am 26. Oktober soll der Streckenabschnitt wieder freigegeben werden.
 17. Juli 2021 und 6. Oktober 2021 bei Erftstadt
Schaden: 1,4 Millionen Euro, geschätzt.
Verloren: Ein Straßenabschnitt (ca. 2,6 km), der zerstört wurde, und ein Entwässerungsbecken.
Gerettet: Entwässerungsleitungen, die wieder funktionieren.
Und nun? Am 26. Oktober soll der Streckenabschnitt wieder freigegeben werden.
© Christoph Hardt / David Klammer

Bis zu siebeneinhalb Meter stieg das Hochwasser auf der Bundesstraße 265 bei Erftstadt. Als die braune Brühe abgeflossen war, gab es keine Straße mehr. Die Flut hatte sie unterspült, ganze Stücke herausgerissen, Straßenschilder, Ampeln, Leitplanken und Lärmschutzwände dazu. Auch Teile der Böschung wurden fortgerissen.

Erste gute Nachricht: "Wir wissen, dass es keine Todesfälle durch die Flut auf der B 265 gab", sagt Torsten Gaber, Pressesprecher des Landesbetriebs Straßenbau in Nordrhein-Westfalen. Alle Menschen konnten sich in Sicherheit bringen, bevor Autos untergingen wie Spielzeugwagen in der Badewanne. Schon seit Ende August sind die weniger stark betroffenen Streckenabschnitte wieder freigegeben. Der Abschnitt im Foto, bei Erftstadt, musste neu aufgebaut werden, Schicht für Schicht. Wenn alle Kipplaster im Einsatz waren, erzählt Gaber, karrten die Baufirmen das Material auch mal mithilfe von Traktoren an, die Landwirte zur Verfügung gestellt hatten.

Zweite gute Nachricht: Die Entwässerungsleitungen sind weniger stark beschädigt als gedacht. Ende Oktober wird wieder Verkehr bei Erftstadt möglich sein. Einen Monat früher als geplant.

Zerstörung, Hektoliterweise

18. Juli 2021 und 30. September 2021, Dernau  Schaden: Immer noch unklar.  Verloren: Ein Drittel der Weinanbaufläche, 24.000 Liter Wein.  Gerettet: Zwei Hektar Weinberge.  Und nun? Verpachtete Flächen zurücknehmen und wieder selbst Wein anbauen. Irgendwann.
18. Juli 2021 und 30. September 2021, Dernau
Schaden: Immer noch unklar.
Verloren: Ein Drittel der Weinanbaufläche, 24.000 Liter Wein.
Gerettet: Zwei Hektar Weinberge.
Und nun? Verpachtete Flächen zurücknehmen und wieder selbst Wein anbauen. Irgendwann.
© David Klammer / Theodor Barth

Das Weingut "Schlosshof" wäre bald 300 Jahre alt geworden. Bis das Hochwasser kam, wohnten die Eltern von Gisbert Ley auf dem Hof. Im Juli saß der Winzer vor der völlig zerstörten Abfüllanlage. Damals dachte er darüber nach, alles aufzugeben.

Ein Laster verließ im September 2021 das Weingut "Schlosshof". In seinem Tank: 8000 Liter Spätburgunder. Das Ziel: eine Biogasanlage. Dort wurde der Wein vernichtet. Das Risiko der Verunreinigung durch Schlamm war zu groß. An einem Nachmittag im Oktober schaut Gisbert Ley, 58, Winzermeister, in sein leeres Lager und sagt: "Darin hat so viel Arbeit gesteckt." Der Hof ist das älteste Weingut in Dernau im Ahrtal. Jetzt muss sich Gisbert Ley um den Wiederaufbau kümmern. Für Ernte bleibt keine Zeit. Die wenigen Reben, die das Wasser verschont hat, verpachtet er. Ley sagt, weil alles kaputt ist, Restaurants, Hotels, Bahnhöfe, kämen keine Touristen mehr. Ihr Geld fehlt. Er wirkt niedergeschlagen, fragt: "Wovon sollen wir leben?" Immerhin 25.000 Flaschen früherer Jahrgänge auf dem Speicher konnte er retten. Später erzählt Ley von Kunden, die sagen: "Wir wollen weiter deinen Wein." Dann muss er lächeln.

Friedhof der Campingwagen

19. Juli 2021 und 6. Oktober 2021, Kreuzberg  Schaden: Noch nicht beziffert.  Verloren: Eine Brücke, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts, und Zuggleise.  Gerettet: Alle Gäste und 55 Wohnwagen des benachbarten Campingplatzes "Viktoria Station".  Und nun? Die Bahn verspricht eine "Rundumerneuerung" der Strecke.
19. Juli 2021 und 6. Oktober 2021, Kreuzberg
Schaden: Noch nicht beziffert.
Verloren: Eine Brücke, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts, und Zuggleise.
Gerettet: Alle Gäste und 55 Wohnwagen des benachbarten Campingplatzes "Viktoria Station".
Und nun? Die Bahn verspricht eine "Rundumerneuerung" der Strecke.
© Boris Roessler dpa via AP / Theodor Barth

Fast acht Meter war sie hoch, die Flutwelle, die sich durch das 600-Einwohner-Dorf Kreuzberg wälzte und 200 Gebäude teilweise schwer beschädigte. Auch die mehr als 100 Jahre alte Bahnbrücke nahm so großen Schaden, dass sie nicht mehr befahren werden kann. Zwei Menschen aus Kreuzberg kamen durch das Hochwasser ums Leben.

Campingwagen trieben mit Blinklicht durch die Fluten. Sitzt da noch jemand drin? Nein.

Bereits am Dienstag vor der Flut hatte Christoph Zerwas alle Urlauber nach Hause geschickt. Er schaffte es noch, 55 Wohnwagen von Campern, die gerade nicht da waren, wegzufahren. Zerwas’ Campingplatz "Viktoria Station" grenzt unmittelbar an die Kreuzberger Bahnbrücke. Am 14. Juli geht er um 17 Uhr noch einmal über die Wiese. Zur Kontrolle. Dass auch ja alle abgereist sind. Als es Nacht wird, das Wasser kommt, werden mehr als 70 Campingwagen fortgespült, stranden vor der Bahnbrücke. Nachdem Wracks, Schutt und Trümmer beseitigt wurden, muss die nun komplett erneuert werden. Und Zerwas? Will seinen Campingplatz im April 2022 wieder öffnen. Wenn die Auflagen das zulassen.

Bis auf Weiteres: Unbewohnbar

18. Juli 2021 und 30. September 2021, Bad Neuenahr-Ahrweiler  Schaden: Mehrere Hunderttausend Euro.  Verloren: Elektronikgeschäft, zwei Betriebs-fahrzeuge, ein Privatauto.  Gerettet: Ein Fernseher.  Und nun? Wiedereröffnung im Dezember (gemeinsam mit einem ehemaligen Konkurrenten).
18. Juli 2021 und 30. September 2021, Bad Neuenahr-Ahrweiler
Schaden: Mehrere Hunderttausend Euro.
Verloren: Elektronikgeschäft, zwei Betriebs-fahrzeuge, ein Privatauto.
Gerettet: Ein Fernseher.
Und nun? Wiedereröffnung im Dezember (gemeinsam mit einem ehemaligen Konkurrenten).
© David Klammer

Am Sonntag nach der Flut liefen Manfred Fuhs und seine Frau Sandra durch die zerstörte Stadt, auf der Suche nach Essen. Als sie ihr Haus erreichten, in dem der Vater von Manfred in den 50er Jahren den Familienbetrieb, ein Elektronikgeschäft, eröffnet hatte, hörten sie das Gerücht: Ahrweiler sei für unbewohnbar erklärt worden.

Es gibt eine Ahrhutstraße vor und nach dem Abend des 14. Juli 2021. Davor: Kopfsteinpflaster, Fachwerk, ein Ort, als hätte man ihn für Postkartenmotive gebaut. Danach: Schlamm, eine Gasse aus Müllbergen. Krisengebiet. Mittendrin die Nummer 10. Der Elektronikhandel von Manfred Fuhs. Als das Wasser weg war, wollte er hinschmeißen. Davon erfuhr Thorsten Rüber. Auch Rüber hat ein Elektronikgeschäft. Auch in der Ahrhutstraße. Rüber fragte Fuhs: Wollen wir uns nicht zusammentun? Fuhs will. Anfang Oktober versuchen in Fuhs’ Laden sieben Trockner, die Feuchtigkeit zu vertreiben. Im Lager glänzen schon, noch in Folie verpackt, fabrikneue Geräte. In einem ruhigen Moment sagt Manfred Fuhs: "Ich wünsche mir, dass Ahrweiler wenigstens ein bisschen wird wie früher."

Überall Verwüstung

18. Juli 2021 und 30. September 2021, Bad Neuenahr-Ahrweiler  Schaden: Noch ohne Schätzung.  Verloren: Das Leben von 73 Menschen allein in Bad Neuenahr-Ahrweiler.  Gerettet: Die historische Stadtmauer.  Und nun? Eröffnen bald "Pop-up-Malls" in Zelten für Einzelhändler.
18. Juli 2021 und 30. September 2021, Bad Neuenahr-Ahrweiler
Schaden: Noch ohne Schätzung.
Verloren: Das Leben von 73 Menschen allein in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Gerettet: Die historische Stadtmauer.
Und nun? Eröffnen bald "Pop-up-Malls" in Zelten für Einzelhändler.
© David Klammer / Gordon Welters/laif

Die Altstadt von Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde von den Wassermassen besonders schwer getroffen, kein Geschäft, kein Lokal blieb ganz. Die meisten Betreiber möchten wieder öffnen, aber Handwerker fehlen.

Notbrücke

15. Juli 2021 und 5. Oktober 2021 bei Speicher  Schaden: 2,4 Millionen Euro.  Verloren: Eine Abkürzung und Lebensretterin.  Gerettet: Das Fundament.  Und nun? Anfang 2022 soll die zerstörte Brücke neu gebaut werden.
15. Juli 2021 und 5. Oktober 2021 bei Speicher
Schaden: 2,4 Millionen Euro.
Verloren: Eine Abkürzung und Lebensretterin.
Gerettet: Das Fundament.
Und nun? Anfang 2022 soll die zerstörte Brücke neu gebaut werden.
© Sebastian Schmitt/dpa/ Theodor Barth

Der Fluss Kyll riss eine Brücke bei Speicher in der Südeifel mit. Bedeutete: 15 Minuten Umweg, was für Rettungsfahrzeuge eine halbe Ewigkeit sein kann. Das Technische Hilfswerk installierte daher eine Behelfsbrücke, die seit 1. Oktober in Betrieb ist.

Und plötzlich kam die Kyll

22. Juli 2021 und 5. Oktober 2021, Trier  Schaden: 30 Millionen Euro, mindestens.  Verloren: Komplettes Untergeschoss der Klinik mit MRT, Heizzentrale, Praxis, Küche.  Gerettet: 88 Patienten.  Und nun? Bleibt die Klinik erst mal zu. Ob sie je wieder öffnet, ist unklar.
22. Juli 2021 und 5. Oktober 2021, Trier
Schaden: 30 Millionen Euro, mindestens.
Verloren: Komplettes Untergeschoss der Klinik mit MRT, Heizzentrale, Praxis, Küche.
Gerettet: 88 Patienten.
Und nun? Bleibt die Klinik erst mal zu. Ob sie je wieder öffnet, ist unklar.
© Theodor Barth

Am 15. Juli, um 10.55 Uhr, macht Christian Sprenger eine Durchsage: "Ich möchte Sie informieren, dass wir in den nächsten acht bis neun Minuten keinen Strom mehr haben, das Krankenhaus wird dunkel. Bitte bewahren Sie Ruhe." Sprenger, 54, ist medizinischer Geschäftsführer und Chefarzt des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier. Eigentlich hatte er geglaubt, die Flut würde sie verschonen. Und dann kam an diesem Morgen, ganz plötzlich, die Kyll.

Draußen waren die Straßen schon so überflutet, dass Sprenger mit dem Auto über höher gelegene Radwege fahren musste. Da drängte sich der Fluss ins Untergeschoss des Krankenhauses, wo auch ein Magnetwellen-Gerät (MRT) der Radiologie untergebracht war. Die Stadtwerke hatten den Strom abgestellt. Auch das Notstromaggregat versagte. 88 Patienten mussten in Sicherheit gebracht werden. Zuerst verließen die das Haus, die gehen können, dann trugen Klinikmitarbeiter weitere Menschen hinaus. Zwei Patienten lagen noch im Operationssaal, die Eingriffe – an der Schilddrüse und der Halswirbelsäule – waren gerade abgeschlossen. Sie wurden mit dem Hubschrauber ausgeflogen. Um 13.26 Uhr war das Krankenhaus evakuiert.

Drei Monate später ist der Keller ausgeräumt. Verglichen mit dem Ahrtal, wo Kliniken noch massiver beschädigt wurden, "sind wir hier noch mal davongekommen", sagt Sprenger. "Glück im Unglück, dass wir mehrere Standorte haben. Wir konnten die meisten Patienten in andere Kliniken von uns übernehmen." Der Schaden beläuft sich ersten Schätzungen zufolge auf etwa 30 Millionen Euro. Wie viel die Sanierung der von 1957 bis 1960 erbauten Klinik kostet, ist noch unklar. Was klar ist: Im kommenden Jahr bleibt das Krankenhaus zu. Wann und ob es je wieder öffnet, dazu müssen nun, sagt Sprenger, "viele Gremien gefragt werden". Einen Beschluss gibt es noch nicht. Die ersten Gespräche mit den Ministerien sollen im November stattfinden. Sprenger hofft auf Entscheidungen Anfang 2022. Über Geld. Und ob sie für diesen Standort überhaupt noch eine Baugenehmigung bekommen.

Als Sprenger das Foto sieht, auf dem er in der völlig zerstörten Radiologie steht, sagt er: "An diesem Tag habe ich erst so richtig realisiert, was für ein Glück wir hatten." Hätten sie da unten jemanden übersehen, die Person hätte es nicht überlebt.

Aufbauarbeit

20. Juli 2021 und 6. Oktober 2021, Bad Münstereifel  Schaden: 750.000 Euro.  Verloren: Die komplette Inneneinrichtung samt Technik.  Gerettet: Nur ein verschlammtes Bild eines polnischen Künstlers.  Und nun? Zum Advent soll das Café wieder teileröffnet werden.
20. Juli 2021 und 6. Oktober 2021, Bad Münstereifel
Schaden: 750.000 Euro.
Verloren: Die komplette Inneneinrichtung samt Technik.
Gerettet: Nur ein verschlammtes Bild eines polnischen Künstlers.
Und nun? Zum Advent soll das Café wieder teileröffnet werden.
© David Klammer/ Max Arens

Container und Autos schossen im Juli wie Flipperkugeln durch die Gassen, zerstörten das Lebenswerk von Günter Portz innerhalb von wenigen Minuten. Portz, 69, ist Printenbäcker, besitzt ein beliebtes Café. Jetzt, nach der Flutkatastrophe, entsteht es neu. Wie der Rest des Stadtzentrums auch.

Nachdem die Flut gewütet hatte, versprachen wir, die Betroffenen nicht zu vergessen, sondern regelmäßig an Ahr, Kyll und die anderen Flüsse zurückzukehren, nachzufragen und nachzuschauen, was sich getan hat. Für einige Gesprächspartner, die Frank Brunner, Ingrid Eißele und Rolf-Herbert Peters nun, drei Monate später, um ein Treffen gebeten haben, war es noch zu früh, um über das Leben danach zu sprechen. Zu sehr belasteten sie die Erinnerungen an die Nacht, als das Wasser kam. Jelca Kollatsch recherchierte, was aus den Orten der Verwüstung wurde. Theo Barth und David Klammer fotografierten. Das Versprechen des stern bleibt bestehen: Wir werden die Betroffenen nicht vergessen und auch in Zukunft Kontakt zu ihnen halten.

Dank zahlreicher Spenden konnten wir bereits rund 670.000 Euro für die Opfer der Flut sammeln. Wir prüfen sorgfältig, welche Organisationen wir unterstützen, damit jeder Euro hilft.
Stiftung stern e.V. IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01, Stichwort "Flut"; mehr Infos zur Stiftung finden Sie hier.

Erschienen in stern 43/2021

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