Fangmenge fast verdoppelt
Küstenfischer atmen auf – "Rekordjahr" beim Krabbenfang

Gemessen am Umsatz meldeten die Krabbenfischer ein "Rekordjahr". Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Gemessen am Umsatz meldeten die Krabbenfischer ein "Rekordjahr". Foto
© Hauke-Christian Dittrich/dpa
Sechs miese Jahre lagen hinter den Krabbenfischern an der Nordseeküste. Nun gibt es eine Trendwende: 2025 wurden so viele Krabben gefangen wie lange nicht. Jubeln können die Fischer dennoch nicht.

Lichtblick nach sechs miesen Wirtschaftsjahren: Niedersachsens Küstenfischer haben im vergangenen Jahr überraschend viele Krabben gefangen und damit eine lang erhoffte wirtschaftliche Trendwende geschafft. Die Menge der gefangenen Speisekrabben hat sich im Vergleich zu 2024 fast verdoppelt auf insgesamt 2.092 Tonnen, wie der Verband der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei im Landesfischereiverband Weser-Ems anlässlich seiner Jahrestagung im ostfriesischen Neuharlingersiel mitteilte. 

Gemessen an den Umsätzen sprach der Verband von einem "Rekordjahr" für die gesamte deutsche Krabbenfischerei. Demnach erreichte der Jahresumsatz mehr als 60 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr (2024: rund 25 Millionen Euro). Der Umsatz lag damit 50 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2024. Allerdings gaben die Preise wegen der gestiegenen Fangmengen nach. Ein Kilogramm Krabben brachte den Fischern im Durchschnitt 6,60 Euro – 2024 waren es noch 7,45 Euro pro Kilogramm. 

Nach Angaben der Fischer sorgten etwa weniger Wittlinge, ein Fisch aus der Familie der Dorsche und Fressfeind der Nordseekrabbe, dafür, dass der Krabbenbestand im vergangenen Jahr größer war. 

"Ein Wunder, an das Fischer nicht mehr geglaubt haben"

Anfang des Jahres seien die hohen Fangmengen noch nicht abzusehen gewesen, sagte Dirk Sander, erster Vorsitzender des Verbandes der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei. Im Frühjahr hätten einige Fischer ihren Betrieb noch aufgeben wollen. "Doch es kam anders. Die Krabben kamen zurück, der Wittling nicht. Ein Wunder, an das viele Fischer nicht mehr geglaubt haben." 

Trotz der gestiegenen Fangmenge stehen die Küstenfischer vor eine Reihe von Herausforderungen: Streit um Flächen in der Nordsee, strengere Vorgaben für den Meeresnaturschutz, höhere Betriebskosten und eine überalterte Kutterflotte trüben seit Jahren die Zukunftsaussichten der Branche. 

Auch der neue Krieg im Nahen Osten treffe die Nordseefischer, sagte Sander. Die Preise für Treibstoff seien bereits gestiegen. Zum Beginn der Fangsaison im Frühjahr seien zudem meist wenig Krabben da, sagte Sander. "Wie wir die Kutter da am Laufen halten können, das wissen wir noch nicht."

Wie die Bilanz bei Muscheln und Fisch aussieht

Der Verband der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei vertritt 62 aktive Fischereibetriebe. Dazu zählen Krabbenfischer, Muschelfischer und die Kleine Hochseefischerei. 

Rückgänge bei den Fangmengen verzeichneten die Muschelfischer, von denen es noch drei Betriebe in Niedersachsen gibt. Die Menge angelandeter Miesmuscheln lag bei nur 876 Tonnen. Das entspricht einem Minus von 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach Angaben des Fischereiverbandes sind die Aufwuchsbedingungen für Miesmuscheln im niedersächsischen Küstenmeer deutlich schlechter als in Nachbarregionen – etwa weil die Muscheln als Wasserfiltrierer unter Baggergut leiden, das infolge von Ausbaggerungen von Flüssen, Häfen und Kabeltrassen an der Küste bewegt wird.

Bei der Anlandung von Frischfisch wie Tintenfischen, Schollen und Kabeljau verzeichnete die Kleine Hochseefischerei ein leichtes Plus. Die Fangmenge stieg auf 1.474 Tonnen. Hauptgrund dafür war laut den Fischern, dass ein weiteres Schiff zur Flotte mit insgesamt neun Fahrzeugen dazu kam.

dpa