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Reflexzonentherapie: Druck auf die Sohle geben

Die Fußreflexzonen-Therapie ist eine Erfindung der Indianer. Dass bestimmte Stellen der Füße andere Körperteile widerspiegeln, konnte bislang allerdings niemand nachweisen.

Das gefällt dem Kind - ob's hilft, ist fraglich

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Fußreflexzonen-Massage funktioniert ähnlich wie Akupressur. Die Therapeutin stimuliert durch Fingerdruck bestimmte Punkte oder Bereiche der Fußsohle. Dabei geht sie davon aus, dass diese Punkte mit entsprechenden Körperregionen, Muskeln oder Organen verbunden sind. Das soll Verspannungen lösen und zum Beispiel bei Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen helfen. Mehrere Untersuchungen brachten jedoch keinen Nachweis, dass sich mit der Methode Krankheiten kurieren lassen.

Wenn Sie dieses Verfahren trotzdem ausprobieren möchten, sollten Sie daran denken: Kleine Füße sind viel empfindlicher und zarter als die von Erwachsenen. Und je jünger das Kind ist, desto sanfter muss der Druck auf die Sohle sein. Klagt Ihr Sprössling nach der Behandlung über stärkere Schmerzen als zuvor, bleibt nur eins: die Therapie sofort abbrechen. Und entzündete, verletzte oder geschwollene Stellen sollten Sie niemals massieren.

Das steckt dahinter:

Schon die alten Ägypter setzten auf die wohltuende Wirkung der Fußmassage. Auch die Ärzte der Antike übten Druck auf die Sohle aus. Die heute praktizierte Fußreflexzonenmassage geht auf den amerikanischen Arzt William Fitzgerald (1872-1942) zurück. Er hatte die Methode aber eher gefunden als erfunden - er entwickelte entsprechende Techniken nordamerikanischer Indianer weiter. Laut Fitzgerald lässt die Untersuchung der Füße Rückschlüsse auf den allgemeinen Gesundheitszustand zu. Schmerzhafte und körnige Stellen, die bestimmten Bereichen im Körper zugeordnet werden, zeigen angeblich, wo der Energiefluss gestört ist. Werden diese Stellen dann durch Druck oder Massage stimuliert, soll das die Körperfunktionen harmonisieren.

So wirkt's:

Die Annahme, dass bestimmte Fußzonen mit bestimmten Organen verbunden sind, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Inzwischen existieren auch unterschiedliche Reflexzonenkarten, die einander teilweise widersprechen. Wissenschaftler haben diese Massagetechnik wiederholt untersucht. Einige Studien bescheinigen der Fußreflexzonenmassage auch einen positiven Effekt - zum Beispiel bei Kopfschmerzen oder bei multipler Sklerose. Aber es konnte nicht bewiesen werden, dass das Verfahren Krankheiten kuriert oder vorbeugt. Dennoch scheint die Reflexzonentherapie Beschwerden zu lindern, die keine organischen Ursachen haben.

Das sagt der Experte:

Edzard Ernst leitet die Abteilung für Komplementärmedizin an der britischen Universität Exeter. Er beschäftigt sich seit langem mit der Wirksamkeit alternativer Heilmethoden und hat viele Verfahren getestet.
Sein Urteil: Eine Massage der Füße ist sicher angenehm. Die Annahme, dass darüber hinaus therapeutische Effekte zu erwarten sind, wird nicht durch klinische Studien gestützt.

Rüdiger Braun
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