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Alternativ-Potter: Charlie und der Rote König

Charlie Bone heißt er und ist ein ganz normaler Schuljunge. Und doch ist er dazu in der Lage, Harry Potter Konkurrenz zu machen. Autorin Jenny Nimmo hat einen neuen Zaubermythos geschaffen.

Charlie Bone ist elf Jahre alt und lebt zusammen mit seiner Mutter, den beiden Großmüttern und einem wunderlichen Onkel unter einem gemeinsamen Dach in einer nordenglischen Kleinstadt. Den eigenen Vater glaubt er tot. Er wächst als Halbwaise auf.

Charlies bester Freund heißt Benjamin und bringt - eher indirekt - die ganze Geschichte ins Rollen. Denn Charlie plant, seinem Freund zum Geburtstag eine selbst gebastelte Glückwunschkarte mit einem Foto von dessen Hund zu schenken. Doch im Fotogeschäft werden die Fotos aus Versehen vertauscht. Als sich Charlie das fremde Foto anschaut, kann er auf einmal hören, was die Personen auf dem Foto gesprochen haben - damals, als die Aufnahme angefertigt wurde.

Ist Charlie durchgeknallt, bescheuert oder vielleicht sogar todkrank? Mitnichten. Die stets unterkühlte Großmutter Grizelda ist jedenfalls begeistert, zeigt sich bei Charlie doch endlich das so lang verschüttete Darkwood-Erbe. Jetzt erst kommt heraus, dass es im Ort anscheinend Familien mit ganz besonderen Gaben gibt, die sich bei jedem Nachkommen auf eine andere Weise äußern. Charlie kann in Bilder hineinhören, sein Onkel hingegen bringt eher versehentlich Glühbirnen zum Platzen, weswegen er auch so zurückgezogen im kerzenbeschienenen Lesezimmer lebt. Der Horror: Die alles bestimmende, weil den zum Leben nötigen Zaster beisteuernde Oma trommelt ihre nicht minder gruseligen Schwestern zusammen, um über Charlies Zukunft zu bestimmen. Sie beschließen, Charlie in das gestrenge Internat der Bloor-Akademie zu schicken, das er fortan nur noch am Wochenende verlassen kann.

Der zurückgelassene Benjamin ist zwar enttäuscht, aber für Charlie beginnt eine richtig aufregende Zeit - und das nicht immer im positiven Sinne. Zwar lernt er viele neue Freunde kennen, bekommt aber auch den Zipfel eines großen Geheimnisses mit den Fingern zu fassen. Zusammen mit seinen Freunden kommt er einer mächtigen Verschwörung auf die Spur: Ein vor Jahren als Baby entführtes Mädchen, das fliegen kann, soll hypnotisiert und auf diese Weise stillgelegt auf der Bloor-Akademie dahinvegetieren. Charlie allein hat den Schlüssel in der Hand, um das Mädchen wieder aufzuwecken und fliegen zu lassen.

Der scharlachrote König

Das Buch "Charlie und das Geheimnis der sprechenden Bilder" hat auf den ersten Blick viel Ähnlichkeit mit dem Harry-Potter-Kosmos. Hier wie dort gibt es einen Jungen, der sich mit den ungeliebten Verwandten herumärgern muss, plötzlich eine magische Gabe an sich entdeckt und dann prompt auf eine besondere Schule geschickt wird.

Die sehr erfahrene Kinderbuchautorin Jenny Nimmo übt sich allerdings nicht im Klonen, sondern hat durchaus eine eigene Geschichte zu erzählen. Zunächst: Die Bloor-Akademie ist ein ganz normales Internat, das auch Schüler ohne magische Begabungen aufnimmt. So ist es mehr in der Wirklichkeit verhaftet.

Die "Zauberer" im Charlie-Bone-Kosmos können auch nicht richtig zaubern. Sie haben jeweils nur eine einzige Gabe. Der eine kann etwa mit Tieren sprechen, der andere Leute hypnotisieren. Ein Schüler fühlt vielleicht beim Anlegen von Kleidungsstücken, was der letzte Träger gedacht hat. Wieder ein anderer kann Sachen fliegen lassen. Erst durch die Kombination verschiedener Fähigkeiten gewinnen die Gaben auf einmal eine strategische Bedeutung.

Einen echten Bösewicht gibt es nicht, obgleich viele Kinder und Erwachsene im Buch fiese Charaktere sind und Böses im Schilde führen. Die Geschichte, die über das aktuelle Buch hinaus greift, ist die vom Roten König, der einmal vor vielen Jahren gelebt haben soll. Er hatte zehn Kinder, die wie er über die Zauberkraft herrschten. Nach dem Tod der Mutter wandten sich allerdings fünf Kinder den guten Kräften zu und fünf den bösen. Der König verließ alsbald vor Gram sein Schloss und verzog sich mit seinen drei Leopardenkatzen frustriert in die Wälder. Es scheint so, als würden die entfernten Nachkommen dieser zehn Kinder genau die Figuren im Buch sein, die eine besondere Gabe besitzen.

Jenny Nimmo ergeht sich in vielen Andeutungen, die auch das mögliche Überleben von Charlies Vater mit einschließen. Das erhöht die Spannung, die geplanten Folgebände zu lesen. Zugleich schafft sie es aber auch wie die Rowling bei Harry Potter, die aktuelle Geschichte - eben die um das fliegende Mädchen - spannungsreich und atemraubend vorzutragen, wobei sie am Ende ein schlüssiges Ende findet.

Vom Schreibstil her ist Jenny Nimmo noch ein kleines Stück weit von der Rowling entfernt. Sie erzählt ihren Plot aber gradlinig und mit dem Selbstvertrauen einer Autorin, die vor Einfällen nur so platzt und die genau weiß, dass der Leser bereits nach den ersten zehn Seiten eingefangen ist und das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Für alle Leseratten - egal ob groß oder klein - ist "Charlie Bone" die perfekte Lektüre, wenn sie nach Harry Potter Band 5 nicht wieder ein, zwei Jahre auf Band 6 warten möchten. Kinder ab zehn Jahre kommen mit dem Lesestoff jedenfalls bestens zurecht.

Fortsetzung folgt

Der Ravensburger-Verlag hat "Charlie Bone und das Geheimnis der Bilder" gerade erst im Juli 2003 auf den Markt gebracht. Da wird es noch eine ganze Weile dauern, bis der Nachfolger erscheint.

In England ist er unter dem Titel "Charlie Bone and the Time Twister" bereits im April erschienen. Hier bekommt Charlie Besuch aus der Vergangenheit - nämlich von einem lange verschollenen Großgroßonkel namens Henry Yewbeam. Der wurde bereits im Jahre 1916 von Ezekiel Bloor in die Zukunft gezaubert. Da Ezekiel in der Gegenwart noch immer lebt und die Bloor-Akademie unsicher macht, muss Charlie alles versuchen, um den Onkel (der kurioserweise das gleiche Alter hat wie er selbst) vor Ezekiel zu schützen und zurück in die Vergangenheit zu bringen.

Weiter geht es mit dem Buch "Charlie Bone and the Invisible Boy", das Amazon.com in der englischen Originalfassung für den Juli 2004 ankündigt. In diesem Buch entdeckt Charlie in den Ruinen des Schlosses vom Roten König einen Baum, in dem ein verzaubertes Mädchen haust. Das flüstert Charlie aufregende Geheimnisse ins Ohr und bittet ihn im Austausch darum, sie wieder in ein "echtes" Mädchen zu verwandeln. Als Charlie den Baum erneut besuchen möchte, stellt er schockiert fest, dass er mittlerweile zerstört wurde. Die fliegende Emma aus Band 1 stellt außerdem fest, dass es sich bei dem unsichtbaren Jungen, der im Dachboden der Akademie lebt, um ihren Bruder handelt. Es bleibt also spannend.

Wie die Rowling, so kämpft auch Jenny Nimmo mit einem echten Problem: Ihre Romane werden immer länger. Kam Band 1 noch mit 359 Seiten aus, so sind es bei Band 2 bereits 416. Und es steht zu befürchten, dass Band 3 noch um eine ganze Ecke dicker wird - bei dem spannenden Plot. Insgesamt soll der Zyklus "Die Kinder des Roten König" übrigens fünf Bücher umfassen.

Wer ist Jenny Nimmo?

Die 1942 geborene Jenny Nimmo hing selbst schon früh an dem Stoff, den sie heute in Eigenregie produziert. Bereits als Neunjährige hatte sie bereits alle Bücher ihrer Schulbücherei ausgelesen. Heute lebt sie mit ihrem Mann David Wynn Millward, drei Kindern und vielen Tieren in einer alten Wassermühle in Wales. Ihr Weg dorthin war nicht immer unbeschwerlich. Als sie gerade einmal fünf Jahre alt war, starb ihr Vater. Sie zog anschließend als Einzelkind zusammen mit der Mutter auf die Hühnerfarm des Onkels.

Auf der weiterführenden Schule wandte sie sich der Schauspielerei und dem Ballett zu. Sie begann aber auch schön sehr früh damit, eigene Geschichten zu schreiben, die sie dann den Klassenkameradinnen im Schlafsaal vorlas. Dabei handelte es sich Erzählungen der Zuhörer zufolge oft um Gruselgeschichten, in denen es gerne etwas blutiger zugehen durfte. Einen Toten musste es ebenfalls immer geben.

Nach dem Studium der Schauspielkunst spielte Jenny Nimmo Kindertheater und arbeitete beim Rundfunk. 1975 erschien ihr erstes Kinderbuch. Ihre Werke wurden gleich mehrfach mit dem britischen Smartie-Award für Kinderliteratur ausgezeichnet und fürs Fernsehen verfilmt.

Carsten Scheibe

Der Text stammt aus dem Heft "Magic & Fantasy 1: Harry Potter", das ab dem 14.11 für 4,99 Euro am Kiosk zu haben ist. Das Magazin beschäftigt sich auf 68 Hochglanzseiten nur mit dem Thema Harry Potter. Mehr Informationen bei www.publishverlag.de/potter

Interview mit Jenny Nimmo

Jenny Nimmo hat mit "Charlie Bone" einen Bestseller geschrieben, der "Harry Potter" von der Ausrichtung und dem Lesespaß recht nahe kommt und der sich gleichfalls von Kindern wie von Erwachsenen verschlingen lässt. Die britische Autorin stellte sich exklusiv unseren Fragen.

M&F: Ihr zweites "Charlie-Bone"-Buch ist 50 Seiten dicker als das erste. Gerüchte besagen, dass das dritte Werk noch einmal deutlich länger wird. Planen Sie, den 1.000-Seiten-Rekord von Harry Potter Band 5 zu brechen?

Nimmo: Wenn ich damit beginne, ein Buch zu schreiben, weiß ich nie so recht, wie dick es am Ende sein wird. Das hängt ganz davon ab, wo mich meine Charaktere hinführen. Aber ich plane ganz bestimmt nicht, ein Buch zu schreiben, das tausend Seiten lang ist.

Einige Leser sehen Parallelen in "Charlie Bone" und "Harry Potter". Beide haben etwa magische Kräfte und besuchen eine Zauberschule. Haben Sie sich von Frau Rowling inspirieren lassen?

Um ehrlich zu sein: Als ich zum ersten Mal gehört habe, dass ein Buch über einen Jungen mit magischen Kräften geschrieben wurde, da dachte ich, dass die Autorin diese Idee wohl von einem Buch von mir haben müsse, das ich bereits 1986 geschrieben hatte. Es hieß "The Snow Spider" und der Held war ein Junge namens Gwyn, der an seinem 9. Geburtstag entdeckt, dass er ein Zauberer ist. Ich begann bereits schon lange vor den Harry-Potter-Büchern damit, mir Notizen für die Roter-König-Romane zu machen. Und Sie werden auch sehen, dass die Bloor Academy nicht wirklich eine magische Schule ist. Nur zwölf der Kinder, die sie besuchen, besitzen eigenartige Fähigkeiten. Das Bloors erinnert eher an ein Internat, das ich mit sechs Jahren selbst besuchen musste. So fühle ich sehr mit dem armen Billy Raven mit. Aber wenn ich damals Emmas Kräfte gehabt hätte, wäre ich einfach weggeflogen.

Warum planen Sie nur fünf "Charlie Bone"-Romane? Haben die Leser die Chance, dass Sie es sich doch noch einmal anders überlegen und Charlies Geschichte fortführen?

Ich plante fünf Bücher für Charlie Bone, weil fünf Kinder des Roten Königs böse und fünf gut sind. Ich wollte das Leben der fünf guten Kinder verfolgen, die in diesem Jahrhundert leben. Aber das klappte nicht so ganz, wie ich mir das gedacht hatte (wie immer!) und nun muss ich bestimmt noch fünf weitere Romane schreiben, wenn die erste Serie abgeschlossen ist.

Ist "Charlie Bone" ein großer Erfolg in England oder Amerika? Wird es Teetassen, Poster und Tragetaschen mit dem Bone-Namenszug geben? Und wie sieht es mit einem eigenen Film aus?

"Charlie Bone" hat sich sehr gut in England und den USA verkauft. Es wird aber keine Charlie Teetassen oder Taschen und somit auch keinen Hollywood-Film geben.

Eine Frage direkt an die Expertin: Brauchen Kinder Monster, Zauberer und Magie für ihre Entwicklung?

Ich fürchte, ich kann die Frage nicht in der gebührenden Kürze beantworten. Ich bin sicher, dass nicht alle Kinder Monster, Zauberer und Magie in Büchern brauchen. Ich schreibe eben die Art von Büchern, die ich als Kind selbst geliebt habe, und das waren eben immer Mythen, Legenden und Märchen: Hans Christian Anderson, Grimms Märchen, die Arabischen Nächte, Perraults Märchen etc. Wenn sie ein Buch lesen, dass nur einen Schritt von der Realität entfernt ist, ist das für manche Leute bereits genug. Aber ich wollte immer noch einen Schritt weiter gehen, in eine Welt hinein, wo ein Held oder eine Heldin gewinnen kann, egal, wie geringe Chancen sie haben, und in der es immer noch die Hoffnung gibt.

Das Interview stammt aus dem Heft "Magic & Fantasy 1: Harry Potter", das ab dem 14.11 für 4,99 am Kiosk zu haben ist. Das Magazin beschäftigt sich auf 68 Hochglanzseiten nur mit dem Thema Harry Potter. Mehr Informationen bei www.publishverlag.de/potter

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.