HOME

Runder Geburtstag: Gabriele Wohmann wird 80

Morgens sitzt sie meist am Schreibtisch. Und Stoff hat sie noch für viele Jahre, sagt Autorin Gabriele Wohmann. Jetzt wird sie 80 Jahre alt, für sie "ein sehr unangenehmer Gedanke".

Mehr als 18 Romane hat sie veröffentlicht und weit über 300 Kurzgeschichten. Die preisgekrönte Autorin Gabriele Wohmann ist als präzise Beobachterin von Familien-, Ehe- und Generationskonflikten bekannt. Am 21. Mai wird die in Darmstadt lebende Schriftstellerin 80 Jahre alt. Gleich am Tag darauf steht eine Lesung in ihrer Heimatstadt im Terminkalender, weitere Stationen sollen folgen. "Ich bin auf Achse, wenn es keine weite Reise ist", erzählt Wohmann, die auch Hörspiele, Gedichte, Theaterstücke, Drehbücher und Fernsehspiele verfasst hat.

"Erlebtes zu schreiben, ist mir näher als das Fiktionale", sagt die schlanke Frau. Privates aus dem Elternhaus ausgeplaudert habe sie aber nicht. "Ich habe eine hohe Diskretionsschwelle. Ich habe auch eine glückliche Kindheit gehabt." Die Darmstädterin stammt aus einer protestantischen Pastorenfamilie.

Mit früher immer noch identisch

Auch heute schreibt sie noch recht regelmäßig. "Morgens sitze ich meistens am Schreibtisch", sagt Wohmann - und schiebt dann hinterher: "Muss aber nicht unbedingt sein, bin da nicht so streng mit mir." Neuerdings arbeite sie auch abends. "Ich arbeite weiter. Ich habe noch Stoff für viele Jahre. Liegt auf der Halde." Hat sich ihre Art zu schreiben verändert? "Ich bin mit mir von früher immer noch identisch", meint sie.

Im Aufbau Verlag gibt es pünktlich zum Geburtstag wieder ein Buch. "Eine souveräne Frau" ist eine Sammlung alter und neuer Erzählungen. Im Kreuz Verlag erschienen "Eine gewisse Zuversicht" (2012) - Gedanken über den Glauben" - und "Sterben ist Mist, der Tod aber ist schön" (2011).

Zu ironisch für die Deutschen

1957 erschien ihre erste Erzählung, "Ein unwiderstehlicher Mann". "Ich würde alles wieder schreiben und noch mal genauso", sagt sie ohne Zögern, während sie - umgeben von Büchern - in einem Sessel sitzt und Rückschau hält. "Das muss man so stehen lassen wie es damals war." Von sich erzählt sie in ihren Büchern "Abschied von der Schwester" (2001) und "Ausflug mit der Mutter" Roman (1976).

Den Literaturbetrieb sieht Wohmann kritisch. "Es ist der benachteiligt, für den keine Werbung gemacht wird." Besser aufgehoben würde sie sich sowieso in der angelsächsischen Literatur fühlen. "Das wäre mein Platz. In Deutschland wird meine Ironie nicht verstanden."

Vergessen fühlt sie sich jedoch nicht. "Berufspost gehört zu meinem Alltag", sagt Wohmann, die mit Internet und Handy nichts am Hut hat. In ihrem Briefkasten landen auch Bitten von Autogrammjägern. "Meine Fans sind meistens jünger als ich." Über ihren 80. bricht die Autorin nicht in Jubel aus. "Das ist ein sehr unangenehmer Gedanke. Weil es einfach alt ist, sehr alt."

DPA / dpa
Themen in diesem Artikel