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"Solange du da bist": Totgesagte leben länger

In "Solange du lebst" verkörpert Reese Witherspoon einen Geist. Die übersinnliche Liebesgeschichte basiert auf einer so ungesund morbiden Fantasie, dass Mark Waters' geschickte Regie Lob verdient.

Ordnung ist das halbe Leben, beweist die Komödie "Solange du da bist". Als der depressive David seine frisch gemietete, schmuck möblierte Wohnung verschlampen lässt, provoziert er die Auferstehung der Vorbesitzerin. Liz ist eigentlich tot, doch ihr Überlebenstrieb wird durch das Chaos in ihrer alten Wohnung neu stimuliert. Die aus dem Nichts auftauchende wütende Blondine trampelt ausgiebig auf Davids Nerven herum, bevor sie begreift, dass sie ein Geist ist. Aber wo ist ihr Körper?

Dem Erfolgsregisseur Mark Waters gelang es bereits, Genre-Hausmannskost wie "Freaky Friday" und "Girls Club" zu spritzigen Komödien zu veredeln. Diesmal umfährt er mit viel Dialogwitz und einem Gespür für die Stärken seiner Darsteller die Abgründe einer nekrophilen Romanze zwischen einer Koma-Patientin und ihrem Erwecker. Das Ergebnis ist eine oft holprige und klischeehafte, oft aber auch charmante Schnulze über eine renitente Totgesagte.

Sie klebt wie ein Kaugummi an dem Witwer

Nur für David wahrnehmbar, folgt ihm die quasselnde Heimsuchung sogar bis aufs stille Örtchen. Und der trauernde Witwer, der für den Rest seiner Tage auf Liz’ Couch in Frieden ruhen wollte, kann gar nicht anders, als dem erinnerungslosen Phantom, das an ihm klebt wie ein Kaugummi unter der Sohle, bei der Identitätssuche zu helfen. Mit umständlicher filmischer Verzögerungstaktik kommt Liz’ Schicksal - sie war eine engagierte Ärztin, die nach einem Autounfall ins Koma fiel - ans Licht. Erst als das Paar die reale, komatöse Liz findet, wird es turbulent: Ein Arzt, Liz’ einstiger Konkurrent, drängt auf Abschaltung der lebenserhaltenden Apparate.

Modernisiertes Schneewittchen-Märchen

Gekonnt wird Reese "das Kinn" Witherspoon als Doris-Day-Enkelin aufgebaut, die selbst als Fast-Tote die Klappe nicht halten kann. Und das drahtige Energiebündel mit den großen blauen Augen schafft es, selbst als plappernde Ektoplasma-Heimsuchung liebenswert statt unerträglich zu wirken. Als Schneewittchen, das seine eigene Erlösung organisiert, ist die kleine Wuchtbrumme sogar zum Küssen niedlich.

Nebenrollen-Softie Mark Ruffalo als Gartenarchitekt

Und der bärige Nebenrollen-Softie Mark Ruffalo, von US-Magazinen zum "Sexsymbol der denkenden Frau" gekürt, bildet als Gartenarchitekt David erneut den duldsam-stoischen Ruhepol für eine anstrengende Frau. Nicht nur fürs weibliche Gemüt hält das modernisierte Schneewittchen-Märchen noch mehr Leckerli bereit: eine bildschöne Wohnung mit Blick über die Bucht von San Francisco, hintergründige Nebenfiguren wie einen Esoterik-Buchhändler, Paradiesgärten-Träume zwischen Himmel und Erde, und einen beziehungsreichen Oldie-Soundtrack.

Letztlich will der amüsante Film aber ein Plädoyer gegen die medizinische Beendigung des Lebens von Koma-Patienten sein. Und zumindest in der Erinnerung an die Tragödie von Terry Schiavo, deren öffentliches Sterben im März dieses Jahres von Politikern ausgeschlachtet wurde, wirkt die oberflächliche New-Age-Attitüde, mit der in dieser Komödie Leben und Tod verhandelt werden, etwas unappetitlich.

Birgit Roschy/AP / AP