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Deutsches Kino: 100.000 pilgern nach Balkonien

Ein kleiner Film mit großer Wirkung: "Sommer vorm Balkon", am Donnerstag angelaufen, ist die Geschichte über zwei Freundinnen in Berlin und hat bereits am ersten Wochenende über 100.000 Besucher ins Kino gelockt.

Von Kathrin Buchner

"Über 1000 Zuschauer pro Filmtheater ist im internen Ranking ein sehr hoher Schnitt", sagt Johannes Klingsporn vom Verband der deutschen Filmverleiher e.V. (VdF). Da der Film offensichtlich mit bescheidenen Mitteln produziert wurde, freut man sich in der Branche besonders über diesen Erfolg. "Ein Geheimtipp, der so einschlägt, das ist doppelt schön", so Klingsporn. Anatol Nitschke, Vorstand der X Verleih AG, die den Film vertreibt, ist überwältigt vom Publikumsinteresse: "Das wir einen schönen Film haben, wussten wir immer. Aber dass es Schlangen vor den Kinos geben würde, hätten wir nicht zu träumen gewagt."

Nur 93 Kopien von "Sommer vorm Balkon" wurden verteilt - eine Entscheidung, die ganz bewusst so gefällt wurde, sagt Nitschke: "Wir starten tatsächlich unsere Filme immer nur in ausgewählten guten Kinos. So kann man auch den Zuschauerdruck auf diese Kinos konzentrieren. Bei 'Sommer vorm Balkon' haben wir so den Hausrekord in der Berliner Kulturbrauerei gebrochen". Regisseur Andreas Dresen dagegen hat kaum Zeit, sich über den Erfolg zu freuen. Er befindet sich gerade in Basel mitten in den Proben zu Mozarts "Don Giovanni", seine erste Opernregie, deren Premiere im Februar stattfindet.

Ein zweiter Streifen made in Germany hat allerdings "Sommer vorm Balkon" noch getoppt: "Herr der Diebe", die Verfilmung des Kinderbuchs von Cornelia Funke, sahen 200.000 Zuschauer. Allerdings startet der Film mit erheblich mehr Kopien, nämlich 210. Auch wenn die Kritiken für den Film sehr durchwachsen sind, "die Kids fahren voll drauf ab", so Klingsporn.

Ingesamt war dieses Wochenende ein sehr gutes Kinowochenende, so Klingsporn. "Wir hatten neun Filme mit über 100.000 Zuschauern - 2,4 Millionen Kinobesucher, das ist weit über dem Durchschnitt der letzten Wochen, der teilweise erheblich unter zwei Millionen lag", sagt der Sprecher des VdFs.

Nachdem das Jahr 2005 nicht nur für den deutschen Film, sondern auch für internationale Produktionen nicht gerade gut lief, hofft man 2006 auf mehr Kinobesucher. Vor allem der deutsche Film wartet mit großen, interessanten Projekten auf. Auf der Berlinale feiert "Elementarteilchen" Premiere. Der gleichnamige Roman des französischen Bestsellerautors Michel Houllebecq wird mit der Crème de la Crème der deutschen Schauspieler umgesetzt, Franka Potente, Moritz Bleibtreu etc. Im Spätsommer kommt dann "Das Parfüm" in die Kinos. Unter der Regie von Tom Tykwer (Lola rennt) wird dieses schon zu den Klassiker zählendes Buch verfilmt. Um die Filmrechte zu bekommen, hat Produzent Bernd Eichinger etliche Jahre mit dem als öffentlichkeitsscheu geltenden Autor Patrick Süßkind verhandelt.

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