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Maria Schell: Das "Seelchen" findet endlich Ruhe

Die österreichische Schauspielerin Maria Schell ist tot. Sie starb im Alter von 79 Jahren auf ihrer Alm in Kärnten an den Folgen einer Lungenentzündung.

Maria Schell hat oft geweint auf den Leinwänden. Nun darf um sie geweint werden, denn die international bekannte Filmschauspielerin mit glanzvoller Vergangenheit ist am Dienstagabend im Alter von 79 Jahren in ihrem Bauernhaus in Kärnten an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Kein anderer weiblicher Star des deutschen Nachkriegsfilms konnte so glaubwürdig ganze Ströme von Kinotränen vergießen wie die Tochter eines Schweizer Schriftstellers und einer österreichischen Schauspielerin.

Das hat der in Wien geborenen Schweizerin halb spöttisch, halb liebevoll den Ruf des "Seelchens des deutschen Films" eingebracht. Maria Schell hat davon profitiert - aber auch darunter gelitten. Ganz anderes Leiden war dem privat nicht immer allzu glücklichen Publikumsliebling von einst in den letzten Jahren beschieden: Da lag die von Altersschwäche und Depressionen gezeichnete Frau auf dem Familiensitz in den Alpen und wartete auf den Tod, der sie nun erlöst hat. Umgeben war sie von Fernsehgeräten, die ihr Videos jener Maria Schell zeigten, die Millionen begeistert und angerührt hatte.

"Sie hat Seele"

Ihr nicht minder berühmter Bruder Maximilian hat die Tragödie der Schauspielerin 2002 in seinem Film "Meine Schwester Maria" einfühlsam dokumentiert. Zu sehen sind da auch die Höhepunkte einer Karriere, die 1950 begann: Damals machte Maria Schell in der englischen Version des 1948 gedrehten österreichischen Erfolgsfilms "Der Engel mit der Posaune" auf sich aufmerksam. Schon 1942, also gerade 16-jährig, hatte sie erstmals in der Schweiz vor der Kamera gestanden, an der Seite der Mutter. Es war der nach England emigrierte Regisseur Alexander Korda, der erkannte: "Sie hat Seele..."

Diese Entdeckung führte zu einer der wenigen Stargeburten im deutschsprachigen Nachkriegsfilm mit internationaler Wirksamkeit. Am populärsten war Maria Schell, als sie mit dem im letzten Jahr verstorbenen O.W. Fischer das Traumpaar des deutschen Kinopublikums bildete. Der Preis für die beste Darstellerin beim Filmfestival in Cannes 1956 brachte der damals 30-Jährigen die Fahrkarte nach Hollywood. Dort drehte sie in den nächsten Jahren Filme wie "Die Gebrüder Karamasow" und hatte so prominente Partner wie Yul Brynner, Gary Cooper und Glenn Ford. Endlich konnte sie auch beweisen, dass sie nicht nur zu tränenfeuchten Augenaufschlägen fähig war.

Späte Jahre unter keinem günstigen Stern

Zwei Ehen, zwei Scheidungen und zwei Kinder haben das Privatleben des Stars bestimmt. Maria Schell hat die Balance zwischen dem Glamour fiktiver Filmwelt und realer, oft unglücklicher Liebe im richtigen Leben zu halten versucht. Nach der ersten Ehe mit dem Regisseur Horst Hächler, aus der ihr Sohn Oliver stammt, heiratete sie 1966 den Schauspieler und Regisseur Veit Relin. Diese Verbindung hielt bis 1988 und war reich an boulevardeskem Zündstoff. Der Ehe entspross die 1966 geborene Tochter Marie-Theres, die ebenfalls Schauspielerin wurde und den Dramatiker Franz Xaver Kroetz heiratete.

Die späten Jahre Maria Schells standen unter keinem günstigen Stern. Der TV-Sechsteiler "Der Clan der Anna Voss" mit ihr in der Titelrolle wurde 1995 zum künstlerischen Desaster. Finanziell geriet die Frau, die einst Höchstgagen kassiert hatte, mehrfach in Turbulenzen, Krankheiten kamen hinzu. Der Ruhm war verblasst, aber die vielfach mit Preisen und Orden ausgezeichnete Schauspielerin wurde nie vergessen. In alten Filmen wie "So lange Du da bist", "Die letzte Brücke" oder "Rose Bernd" wird Maria Schell jung, frisch und so herzlich lachend wie herzzerreißend weinend in Erinnerung bleiben. Deutschland trauert um einen Star aus großen Kinozeiten.

Wolfgang Hübner/AP / AP