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Uwe Ochsenknecht: "Mir liegt das Komödiantische"

In seinem neuen Film spielt er einen Koch, der in eine blutige Auseinandersetzung gerät. Ein Gespräch mit Uwe Ochsenknecht über Kleinigkeiten, die Konflikte auslösen, und die Prophezeiung einer Hollywood-Karriere.

Ein verdorbener Krabbencocktail löst in "Die Bluthochzeit" einen kleinen Krieg mit Schusswaffengebrauch und Handgranateneinsatz aus. Schlägt da der Comic-Hintergrund des Films durch?

Wieso? Wenn man Nachrichten schaut, merkt man doch, dass aus banaleren Gründen echte Kriege angefangen werden. Da soll bloß keiner so tun, als wäre die Geschichte an den Haaren herbeigezogen. Hier kann man sehen, aus welchen Situationen heraus Ereignisse völlig eskalieren können. Wenn die Kombination von Leuten, die aufeinander treffen, ungünstig ist, dann ist Zündstoff da und die Sache nimmt ihren Lauf. Das halte ich für äußerst realistisch.

Der von Ihnen gespielte Küchenmeister Berger ist auf der einen Seite recht beherrscht, auf der anderen Seite hat er kein Problem damit, zwei Geiseln zu nehmen, um die Bezahlung einer Rechnung zu erpressen.

Ich fand bei meiner Rolle interessant, dass ich eher den zurückhaltenden Typen spiele. In Wort und Tat ist der Berger eher ruhig. Ich finde es eine größere Herausforderung, jemanden darzustellen, der eher weniger macht, als ständig auszuflippen.

Sie scheinen ihn ganz sympathisch zu finden?

Bergers Gerechtigkeitssinn sagt ihm, ich bin doch für das alles hier nicht verantwortlich. Ich finde, den Berger zeichnet aus, dass er eine ganze Reihe von Verlusten erlitten hat und er trotzdem weiter macht. Er hat seine Frau verloren, er hat all sein Geld in das Gut investiert und der einzige Freund den er noch hat, ist sein Hund. Der hat viele Probleme und viel zu verarbeiten und dann kommt so ein Idiot wie der Walzer dazwischen. Es gibt immer für alles Gründe, keiner kommt grundsätzlich als Arschloch auf die Welt.

Als Bergers Rottweiler Riesling getötet wird, dreht er richtig durch und schießt auf alles, was sich bewegt. Ist das nicht übertrieben?

Ich bin ein großer Hunde-Fan, ich habe zu denen generell einen guten Draht. Tierliebe kann ich gut verstehen. An ein Tier gewöhnt sich der Mensch schließlich wie an einen anderen Menschen.

In der Komödie "Erleuchtung garantiert" spielen Sie einen Küchenexperten, nun einen Koch. Stehen Sie privat auch gerne vor dem Herd?

Mir wurde als Kind das Kochen leider nicht beigebracht, aber ich bin immer wieder fasziniert, wenn Könner spontan ein paar Zutaten zusammenschmeißen und dann das Essen richtig gut schmeckt. Das würde ich auch gerne können. Ich muss mich immer ans Kochbuch halten. Ich stehe aber eher selten in der Küche. Mir liegt eigentlich mehr das Komödiantische.

Der Regisseur Helmut Dietl hat Ihnen einst eine internationale Karriere prophezeit. Wann sehen wir Sie denn endlich in einer großen Hollywood-Produktion?

Da fragen Sie am besten den Dietl, denn langsam wird es Zeit. Ich werde nächstes Jahr immerhin schon 50. Aber im Ernst: So toll scheint es in Hollywood nicht zu sein. Alle deutschen Schauspieler, die es dort versucht haben, sind schnell wieder zurückgekommen.

Das Interview führte Hauke Friederichsen