Europa: Aufrüsten für den Frieden?
Auf den Weg in eine neue Weltordnung

  • von Rupert Sommer
In vielen Ländern Westeuropas werden wieder händeringend Rekruten für die Verteidigung gesucht.
In vielen Ländern Westeuropas werden wieder händeringend Rekruten für die Verteidigung gesucht.
© Arte/Flach Film Production

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Mit analytischem Blick verbindet die neue ARTE-Produktion, ein Dokumentarfilm in deutscher Erstausstrahlung, militärhistorische Rückschau mit aktueller Einordnung und richtet sich an ein Publikum, das die sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas verstehen möchte.

Ein Kontinent im sicherheitspolitischen Blindflug: Der Dokumentarfilm "Europa: Aufrüsten für den Frieden" von Olivier Toscer, den ARTE in deutscher Erstausstrahlung zeigt, analysiert Europas lange gepflegte Illusion von Stabilität – und die Folgen eines jahrzehntelangen Verlassens auf externe Schutzmächte. Im Zentrum steht die Frage, warum sich der kleine Kontinent über viele Jahre hinweg in trügerischer Sicherheit wähnte – durch den Schutz der Nato und der USA.

Über Jahrzehnte habe der Kontinent seine Verteidigung vernachlässigt, heißt es im Film, der unbequeme Wahrheiten anspricht. Das geschah im Glauben, militärische Konflikte gehörten der Vergangenheit an. Erst die jüngsten geopolitischen Entwicklungen hätten zu einem "brutalen Erwachen" geführt, so der Filmemacher Toscer.

Ein ARTE-Themenabend, der aufrütteln soll

Seine Analyse zeichnet nach, wie sich dieses Sicherheitsverständnis historisch entwickelt hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die NATO als Bündnis zur Eindämmung der sowjetischen Bedrohung die Rolle des zentralen Schutzgaranten. Europa delegierte große Teile seiner Verteidigung an die USA und setzte stattdessen auf wirtschaftliche Kooperation, Rechtsstaatlichkeit und internationale Zusammenarbeit. Dieses Modell schien lange erfolgreich – nicht zuletzt nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991, der das Gefühl eines dauerhaften Friedens verstärkte.

Doch diese Phase führte auch zu weitreichenden Konsequenzen: Verteidigungsausgaben wurden reduziert, strategische Eigenständigkeit rückte in den Hintergrund. Gleichzeitig wuchs die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten als militärischem Partner. Heute jedoch zeigt sich, wie fragil dieses Gleichgewicht ist. Die Bedrohungen sind zurück. Und auch das vertraute NATO-Bündnis erscheint längst nicht mehr so unantastbar wie einst.

Der Dokumentarfilm zum Start in einen ARTE-Themenabend ordnet diese Entwicklung ein und beleuchtet die zentralen Fragen der Gegenwart: Welche Risiken ergeben sich aus der veränderten geopolitischen Lage? Weiter geht es direkt im Anschluss um 21.35 Uhr mit der ebenfalls neuen Dokumentation "Atommacht Europa? Auf der Suche nach neuer Sicherheit". Danach folgt um 22.30 Uhr die zweiteilige Iran-Dokumentation "1979 – Aufstieg des Islamismus".

Europa: Aufrüsten für den Frieden? – Di. 02.06. – ARTE: 20.15 Uhr

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