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Porno-Parodien von TV-Serien: Wenn Schlumpfine ihren Rock lupft

Dieser Artikel könnte Ihrer Kindheit die Unschuld rauben: Pornoproduzenten wie Lee Roy Myers haben sich auf Parodien von TV-Serien spezialisiert. Selbst vor Kinderserien machen sie nicht halt.

Von Jens Wiesner

Verstörendes Bild aus "This ain't the Smurfs XXX": Gargamel (Barry Scott) und Schlumpfine (Lexi Belle)

Verstörendes Bild aus "This ain't the Smurfs XXX": Gargamel (Barry Scott) und Schlumpfine (Lexi Belle)

Wer noch immer denkt, der böse Zauberer Gargamel hätte Schlumpfine aus einem Häuflein Lehm erschaffen, glaubt wohl auch an den Klapperstorch. Axel Braun weiß es besser. Allerdings fällt die Antwort des Filmproduzenten nicht ganz jugendfrei aus. Überhaupt gebärden sich seine Schlümpfe ein wenig ... offener, als wir es von den blauen Wichten normalerweise gewohnt sind. Aber genau das ist es, was Brauns Kunden von ihm erwarten. Schließlich verdient der Italiener sein Geld mit Pornos. Und seit einiger Zeit hat er ein ganz besonderes Geschäftsfeld für sich entdeckt: Pornoparodien bekannter Filme und TV-Serien.

Dass sich die Produzenten von Sexfilmen gerne in der Popkultur bedienen, wenn es darum geht, einen zugkräftigen Titel auf das Cover zu pinnen, ist bekannt (Looking at you, "Analdin"!). Mit der kurzen Anspielung endet die Ähnlichkeit zur Vorlage dann meistens aber auch. Handlung wie Dialoge bleiben simpel, sagen wir positiv: auf das Wesentliche beschränkt.

Ein Orgasmus zum Lachen

Lee Roy Myers ist das nicht genug. Der kanadische Pornoregisseur und selbsternannte Popkultur-Junkie geht noch einen Schritt weiter als Braun. Er sieht sich auf einer Mission: Seine Produktionsfirma WoodRocket solle zu einem Ort werden, an dem Mainstream-Unterhaltung und Porno miteinander verschmelzen, erklärte er im Oktober 2013 dem Online-Magazin "The Daily Dot". "Orgasmus und Lachen sind zwei der besten Gefühle, die ein Mensch empfinden kann", führte er weiter aus, "Also versuche ich Filme zu machen, die beides bieten." Hört, hört.

Tatsächlich kann man Myers ein besonderes Gespür für die parodierten Charaktere nicht absprechen. Die Anspielungen sitzen - sei es, wenn "Homer Simpson" das Ende eines Drehs herbeisehnt ("Knöpfe drücken erinnert mich an Arbeit!") oder wenn Leonard von der "Big Bang Theory" feucht von "Star Wars"-Prinzessin Leia träumt. Anders gesagt: Man erkennt die Charaktere nicht allein daran, dass die Darsteller entsprechende Kostüme tragen. Sheldon und Leonard unterhalten sich tatsächlich so, wie sie es auch in der Serie tun würden. Nur, dass es dabei schnell deutlich expliziter zugeht.

Kommt dem Original schon täuschend nahe: Thomas Ward als "Cliff" in der Pornoparodie "Not the Cosbys XXX"

Kommt dem Original schon täuschend nahe: Thomas Ward als "Cliff" in der Pornoparodie "Not the Cosbys XXX"

Die nötige Liebe zum Detail

Ähnlich detailgenau wurde bei den Kulissen und Kostümen vorgegangen: Den Hausflur aus der "Big Bang Theory" ließ Myers täuschend echt nachbauen - defekter Aufzug inklusive. Und Porno-Cliff-Huxtable trägt einen farbenfrohen Pullover, wie man ihn auch im Kleiderschrank von Bill Cosby finden würde. Gleichzeitig wirken die Kostüme der Darsteller immer noch billig genug, um diesen besonderen Trash-Reiz nicht zu verlieren.

Aber wozu all der Aufwand? Hatte es nicht jahrzehntelang ausgereicht, nackte Körper über-, auf- und ineinander zu zeigen. Vielleicht noch mit einem Häuflein Stroh daneben? Klar ist - die Pornoindustrie streckt seit dem Aufkommen des Breitbandinternets tief in der Krise. Warum noch den schamvollen (und kostspieligen) Spießrutenlauf in die Videothek auf sich nehmen, wenn das Internet mehr Sexfilmchen bereithält, als ein Mensch zu Lebzeiten jemals schauen könnte? (Und das auch noch völlig gratis!)

Parodie schützt vor Copyright-Klagen

Natürlich wissen Männer wie Myers und Braun um die besondere PR-Kraft, die ihre Parodien ausstrahlen und sie so von der Konkurrenz unterscheiden. Ein Blowjob von Marge Simpson? Das bringt nicht nur besorgte Eltern und um den Leumund ihrer Charaktere besorgte TV-Produzenten auf die Palme. Es bringt auch Klicks. Deswegen laden beide auch (jugendfreie) Trailer ihrer Filme auf Youtube hoch - als Vorspiel sozusagen.

Gleichzeitig schützt die Kunstfreiheit vor millionenschweren Klagen: Weil die Sexfilme mit Titeln wie "This ain't the Smurfs XXX" und "Not the Cosbys XXX" als Parodien gelten, haben die Studios schlechte Karten, auf dem Rechtsweg gegen die Verwendung der geschützten Figuren vorzugehen.

Selbst dann nicht, wenn Schlaubi Schlumpf zum Zapfenstreich bläst.

Hier können Sie dem Autor auf Twitter folgen: @TheMamahuhu

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