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TV-Tipp 29.8.: "Raavanan": Indiens Nationalepos auf Speed

Indiens Regisseur-Star Mani Ratnam übersetzt das Nationalepos Ramayana in ein actionlastiges Drama um Liebe, Schuld und Besessenheit. Unser TV-Tipp des Tages.

Noch hat das Stockholm-Syndrom nicht zugeschlagen: Wird Ragini (Aishwarya Rai) es schaffen, sich aus den Händen des Gangsters Veeras (Vikram) zu befreien?

Noch hat das Stockholm-Syndrom nicht zugeschlagen: Wird Ragini (Aishwarya Rai) es schaffen, sich aus den Händen des Gangsters Veeras (Vikram) zu befreien?

"Raavanan"
22.35 Uhr, 3Sat
DRAMA Ich gebe zu, auf den ersten Blick hatte mir "Raavanan" nicht viel zu bieten. Indische Filme, vor allem das, was von Bollywood zu uns herüber schwappt, sind meine Sache eher nicht. Dieses übertriebene Drama, der Herzschmerz, die minutenlangen Tanz- und Gesangseinlagen - da schüttelt's mich. Wenn ich ein Kilo Schmalz kaufen will, fahre ich zum Großmarkt.

Es war also eher Pflichtbewusstsein, als ich mir "Raavanan" heute morgen doch noch angeschaut habe - in der Gewissheit, nach fünf Minuten wieder auszustellen, um Ihnen "From Dusk Till Dawn" (ZDFneo, 00.40 Uhr) zu empfehlen. Aber irgendwie hat es Regisseur Mani Ratnam geschafft, mich mit seiner Geschichte zwei Stunden lang zu fesseln - auch wenn zwischendurch getanzt wurde und der Hauptdarsteller anmutet, als sei er direkt dieser viel zu künstlichen "Spartacus"-TV-Serie entsprungen.

Gleich zu Beginn fließt Blut. Polizisten werden brutal abgeschlachtet, Raagini (Aishwarya Rai Bachchan), die Frau des Polizeichefs Dev Prakash (Prithviraj Sukumaran), bei einer Bootstour gefangen genommen. Die Action-Sequenz überzeugt. Und wir spüren: Da ist etwas Persönliches im Gange zwischen Gang-Boss Veeraiya (Vikram) und Dev, der den Gangster mit einer Besessenheit jagt, auf die Inspektor Javier stolz gewesen wäre.

Diese Frage ist es auch, die den Spannungsbogen aufrechterhält, gepaart mit der überzeugenden Art, mit der Bachchan und Vikram ihre Rollen spielen. Vor allem aber muss an dieser Stelle die deutsche Synchro gelobt werden: Die Sprecher verschmelzen von der ersten Filmminute an mit ihren Rollen und lassen vergessen, dass sie fremde Worte in die Münder anderer Menschen legen.

Fun Fact: Von diesem Film gibt es zwei Versionen, eine tamilische und eine indische, die parallel gedreht wurden und in der teilweise unterschiedliche Schauspieler auftreten. Vikram, der den Banditen Veeraiya in der tamilischen Sprachfassung gibt, spielt in der indischen ausgerechnet seinen Gegenpart, den Polizeichef Dev.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Jackie Brown"
22.15 Uhr, ZDFneo


KRIMI Weniger Gewalt, mehr ruhige Momente, weniger Action, mehr Gefühl, weniger Sprüche, mehr Realismus: "Jackie Brown" ist der andere Quentin Tarantino. Ein Regisseur, der vor seiner Hauptdarstellerin förmlich auf die Knie sinkt. Blaxploitationikone Pam Grier spielt die Stewardess Jackie, die für den Waffenhändler Ordell (Samuel L. Jackson) Geld und Kokain schmuggelt. Beide machen sich eine gute Zeit, bis Jackie vom FBI erwischt wird. Verpfeift sie ihren Auftraggeber, ist sie frei, aber so gut wie tot. Also dreht sie lieber mal ihr eigenes Rad. - Cooles Ding im Sound der 70er. Für Freunde der härteren Kost läuft im Anschluss "From Dusk Till Dawn". (bis 0.40)

"Der Glöckner von Notre-Dame"
22.15 Uhr, Servus TV


DRAMA Für Kinder der 60er war es eine Entscheidung wie die zwischen Beatles und Stones, Puch oder Kreidler: Anthony Quinn oder Charles Laughton. Wer war der bessere Quasimodo? Für Dürstende kommt hier Quinn mit der Lollobrigida aus dem Jahr 1956. Gut, aber der Verlierer… (bis 0.35)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo