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TV-Tipps des Tages für den 11.4.: Öffnet die Augen - und schaut das Original!

Hat Ihnen "Vanilla Sky" gefallen? Dabei ist der Scifi-Thriller mit Tom Cruise nur ein müder Abklatsch. Das spanische Original "Öffne die Augen" stammt vom Alejandro Amenábar - unser TV-Tipp des Tages.

Am Rande des Wahnsinns: Sind Sofía (Penélope Cruz, l.) und Césars bester Freund Pelayo (Fele Martínez, r.) real oder lediglich Figuren in einem von ihm durchlebten Traum?

Am Rande des Wahnsinns: Sind Sofía (Penélope Cruz, l.) und Césars bester Freund Pelayo (Fele Martínez, r.) real oder lediglich Figuren in einem von ihm durchlebten Traum?

"Öffne die Augen"
22:35 Uhr, 3Sat
SCIFI-THRILLER. Almodóvar, Almodóvar, immer nur Almodóvar! Meine Unifreunde aus Tarragona waren außer sich, als ich ihnen die wenigen spanischen Filme auflistete, die ich in meinem Leben bisher gesehen hatte. Und beschlossen eine Rosskur: Jede Woche sollte ich von nun an eine DVD aus der unieigenen Filmbibliothek erhalten, um meine Wissenslücke langsam mit spanischem (und katalanischem!) Filmgut zu füllen.

Einer der ersten Filme, die sie mir in die Hand drückten, war "Abre los ojos" (Öffne die Augen) von Alejandro Amenábar. Amenábar - der Name sagte mir etwas. Stammte "Das Meer in mir" nicht von ihm, dieser Film über einen querschnittsgelähmten Mann, der sterben möchte, aber nicht darf. Ich hatte den Film damals im Kino sehen wollen, aber nie den richtigen Zeitpunkt gefunden (übrigens bis heute nicht).

Nun also "Abre los Ojos" von 1997, der mir als "das richtige 'Vanilla Sky'" angepriesen wurde. ("Vanilla Sky" hatte ich damals ebenfalls noch nicht gesehen - Tom Cruise, Sie wissen schon...) Als jemand, der gerade dabei war, Spanisch zu lernen, war es nicht leicht, der Handlung zu folgen. Wir erleben, wie sich ein klassisches Liebesdreick zwischen dem Playboy César (Eduardo Noriega) und den beiden Frauen Sofía (Penélope Cruz) und Nuria (Najwa Nimri) entspinnt. Wir erleben einen Unfall, bei dem Nuria offenbar stirbt und Césars Gesicht verunstaltet wird. Und wir erleben, wie sich plötzlich alles zum Guten wendet? Oder doch nicht? Genauso wie der Zuschauer kann César bald schon nicht mehr unterscheiden, was real ist und was Fiktion ist.

Dieses Versteckspiel mit gleich mehreren, ineinander verwobenen Realitätsebenen macht den großen Reiz dieses Scifi-Thrillers aus. Dass Penélope Cruz, die Grande Dame des spanischen Kinos, in einer Hauptrolle mitspielt, ist da nur noch ein Sahnehäubchen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Unter Verdacht: Mutterseelenallein"
20.15 Uhr, Arte
KRIMI Weiß ein 9-Jähriger, was es heißt, sich einen Strick um den Hals zu legen? David hat sich erhängt. Suizid in diesem Alter erscheint unwahrscheinlich, der erste Verdacht fällt auf die alleinerziehende Mutter (Ursula Strauss). Tatsächlich belastet sie ihr älterer Sohn (Rafael Gareisen, Foto). Prohacek (Senta Berger) und Langner (Rudolf Krause) ermitteln mögliche Versäumnisse des Jugendamts. Tatsächlich stoßen sie auf Ungereimtheiten, fehlende Protokolle und ignorierte Hilferufe. – Ein Fall zum Frösteln: Stück für Stück enthüllen die Nachforschungen eine Tragödie allseitigen Versagens. (bis 21.45)

"Im Bazar der Geschlechter"
22.35 Uhr, Arte

DOKU Im Iran, wo bei Ehebruch die Todesstrafe droht, können Männer und Frauen eine "Zeitehe" schließen. Sie ist die Waffe der Mullahs gegen "Unzucht" und die einzige Chance junger Paare, sich vor der Ehe kennenzulernen. - Ein verblüffendes, differenziertes Sittenbild. (bis 23.30)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo