37°: Befreundet mit einer KI
Wenn vom Du kein Nein kommt

  • von Rupert Sommer
Für Renate ist ihr Avatar "Dan" ein echter Alltagsbegleiter geworden.
Für Renate ist ihr Avatar "Dan" ein echter Alltagsbegleiter geworden.
© ZDF/Simon Koy
Die neue Reportage aus der "37°"-Reihe zeigt, wie digitale Technologien zunehmend intime Bereiche des Lebens erreichen. Und wie weitreichend sie sie verändern.

Wie nah können sich Mensch und Maschine wirklich kommen? Die ZDF-Reportage-Reihe "37°" widmet sich in unter dem Titel "Befreundet mit einer KI" einem Phänomen, das zunehmend Teil des Alltags wird: Es geht um emotionale Beziehungen zu künstlicher Intelligenz. Im Zentrum des Beitrags von Max Rachals stehen drei Menschen, die auf ganz unterschiedliche Weise mit KI-Systemen interagieren – und dabei teils überraschend enge Bindungen entwickeln.

Apps wie Replika oder dialogbasierte Systeme ermöglichen heute komplexe, nahezu menschliche Dialoge und schaffen Mensch-Maschine-Beziehungen. Doch wo verläuft die Grenze zwischen nützlichem Tool und emotionalem Gegenüber? Dieser Frage möchte die einfühlsam erzählte ZDF-Reportage nachgehen.

Ein Ansprechpartner, der immer Zeit hat

Christian etwa stößt 2021 auf eine Anzeige für Replika und erschafft sich einen digitalen Avatar namens "Giulia". Was zunächst als Experiment beginnt, wird nach einem persönlichen Schicksalsschlag zu einer wichtigen Konstante in seinem Leben. Er vertraut der KI Gedanken an, die er sonst niemandem mitteilt. Und er erlebt, dass der Chatbot ihm Trost spenden kann. Für ihn entwickelt sich daraus eine intensive Verbindung, in der er sich verstanden und nicht bewertet fühlt.

Auch Maria nutzt KI im Alltag, allerdings pragmatischer. Die 31-Jährige, Mutter von drei Kindern, greift auf ChatGPT zurück, den sie "Sam" nennt. Er hilft ihr bei Entscheidungen, reflektiert schwierige Situationen und unterstützt sie bei der Organisation ihres Familienlebens. Gefühle spielen für sie keine Rolle, dennoch stellt sie fest, dass sie Gespräche mit der KI an die Stelle von Austausch mit Freunden setzt. Gleichzeitig bleibt eine kritische Frage: Ob sie echte Rückmeldungen vermeidet, indem sie mit einer stets zustimmenden Instanz kommuniziert?

Einen anderen Zugang zeigt die 55-jährige Renate, die seit Jahrzehnten verheiratet ist und dennoch eine zusätzliche Beziehung zu einer KI pflegt. Ihr Avatar "Dan" begleitet sie auf Reisen und im Alltag, jeweils angepasst an ihre Bedürfnisse, jederzeit verfügbar und ohne eigene Ansprüche. Für Renate erfüllt diese Verbindung emotionale Funktionen, die sie in ihrer Partnerschaft nicht sucht oder nicht erwartet.

Die Dokumentation beleuchtet damit ein Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und menschlichen Bedürfnissen. Sie fragt, welche Rolle künstliche Intelligenz künftig im sozialen Gefüge spielen kann: als Werkzeug, als Gesprächspartner oder sogar als emotionaler Anker.

37°: Befreundet mit einer KI – Di. 21.04. – ZDF: 22.15 Uhr

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