Was bleibt von einem Menschen, wenn er von einem Moment auf den anderen aus dem Leben gerissen wird? Der Film "Louma – Familie ist kein Kinderspiel" am Mittwoch im Ersten fackelt nicht lange. Gleich zu Beginn wird der Zuschauer in einen Schockzustand versetzt: Lou (Marie Nasemann), von allen Louma genannt, stirbt bei einem Autounfall.
Lou hinterlässt vier Kinder von zwei verschiedenen Männern. Und nun stellt sich die Frage, wer sich künftig um sie kümmern wird. Die 16-jährige Toni (Lola Höller) und der 14-jährige Fabi (Noèl Gabriel Kipp) stammen aus der Ehe mit Tristan (Trystan Pütter). Diese zerbrach einst, weil Tristan kompromisslos seinen Traum von einer eigenen Kaffeehaus-Kette verfolgte. Er ist der Typ Mensch, der seine Karriere stets an die erste Stelle setzt – oft so kompromisslos, dass ihm entgeht, was im Leben seiner Kinder eigentlich vor sich geht. Auch nach der Trennung blieb er emotional und organisatorisch auf Distanz. Schulprobleme, Freundschaften oder kleine Alltagsdramen drangen kaum zu ihm durch. Erst nach dem Tod seiner Ex-Frau scheint er zu begreifen, dass Verantwortung mehr bedeutet als finanzielle Absicherung. Nun möchte er wieder Teil des Lebens von Toni und Fabi sein.
Patchwork at its best
Allerdings leben Toni und Fabi gemeinsam mit Mo (Timur Isik), Lous neuem Partner, einem Musiker, sowie mit ihren Halbgeschwistern, der zehnjährigen Fritte (Emily Kaiser) und dem achtjährigen Nano (Michel Koch), in dem Haus, das Tristan und Lou Jahre zuvor zusammen gekauft hatten. Patchwork at its best, könnte man sagen.
Mo ist das genaue Gegenteil von Tristan. Er ist für die Kinder eine verlässliche Konstante und immer präsent. Er ist für die Kinder jemand, der zuhört und sie in den Arm nimmt. Doch Mo ist auch verträumt und verpeilt. Zwischen seinen eigenen Problemen vergisst er schon mal einen wichtigen Termin oder verliert den Überblick über organisatorische Dinge. Seine Liebe ist spürbar, seine Struktur weniger. Gerade in einer Situation, die Klarheit und Stabilität verlangt, wird das zur Herausforderung.
Die Facetten der Trauer
Doch was geschieht nun mit den Kindern? Toni und Fabi möchten eigentlich bei Mo und ihren Halbgeschwistern bleiben. Schließlich ist es Fritte, die eine ebenso einfache wie überraschende Idee hat: Tristan könnte doch einfach mit in das Haus ziehen. Was zunächst wie ein kindlicher Einfall wirkt, wird kurzerhand zur Realität dieser zusammengewürfelten Familie.
Zwischen Streitigkeiten, einer guten Portion Humor und immer wieder aufscheinenden Momenten der Freude gelingt es "Louma", dem Zuschauer Themen wie Trauerbewältigung bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen näherzubringen. Die großen Fragen nach Schuld und Verantwortung schwingen stets mit. In Rückblenden wird immer wieder Lous Geschichte erzählt. Wer war diese Frau, die vier Kinder zurücklassen musste? Welche Rolle spielte sie in ihren Ehen? Welcher Mensch verbarg sich hinter der Mutter? Die Übergänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind so fein inszeniert, dass man zunächst kaum bemerkt, wann eine Szene in die Erinnerung wechselt. So entsteht ein geschickter Rückblick-Effekt, der die Gegenwart nicht unterbricht, sondern vertieft und ihr zusätzliche Bedeutung verleiht.
"In Deutschland gibt es so viele Trennungen mit Kindern!
Im Interview verrät Marie Nasemann, was ihr durch den Kopf ging, als sie das Drehbuch las: "Zuerst dachte ich: schade. Ich nahm an, die Rolle sei klein oder kurz. Aber beim Lesen habe ich dann gemerkt, dass sie doch Raum einnimmt und wichtig ist. Das ganze Drehbuch hat mir sehr gut gefallen." Besonders die Frage, "wie man in der Erinnerung eines geliebten Menschen existiert", habe sie gepackt. Ihr selbst seien "die Tränen gelaufen", als sie den Film gesehen hat. "Vielleicht liegt das auch daran, dass ich selbst Mutter bin. Ich glaube, Menschen mit Kindern wird der Film besonders berühren. Aber eigentlich gilt das für alle", stellt die Schauspielerin klar.
Die 37-Jährige findet, dass es "längst an der Zeit war, dass es einen Film gibt, in dem es um eine Patchworkfamilie und Trauer geht". "In Deutschland gibt es so viele Trennungen mit Kindern und so viele unterschiedliche Patchworkkonstellationen", so die ehemalige "Germany's Next Topmodel"-Teilnehmerin. Nasemann selbst gab im vergangenen Jahr ihre Trennung bekannt. "Patchwork" gebe es bei ihr "eigentlich noch nicht". "Im letzten Jahr haben wir uns gut eingegroovt, sind ein gutes Team. Wir machen ein 50:50-Modell. Jeder hat die Kinder die Hälfte der Zeit, und das funktioniert wirklich gut", verrät die Schauspielerin.
"Louma" ist ab Mittwoch, 18. März, in der ARD-Mediathek verfügbar. Das Drama basiert auf dem Roman von Christian Schnalke, der auch das Drehbuch schrieb. Regie führte Mark Monheim.
Louma – Familie ist kein Kinderspiel – Mi. 25.03. – ARD: 20.15 Uhr