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Newcomer-Band: Nothing But Thieves – die kleinen, lieben, netten Rockstars'chen

Sie sind jung, talentiert und eine der erfolgreichsten britischen Newcomer-Bands der letzten Jahre – Nothing But Thieves. NEON hat sie getroffen und festgestellt, dass die fünf Jungs aus Essex zwar Rock machen, aber alles andere als richtige Rockstars im klassischen Sinne sind.

Die englische Rockband Nothing But Thieves spielt auf einer Bühne in Polen

Die britische Newcomer-Band Nothing But Thieves beim Lowlands Festival in den Niederlanden

Picture Alliance

Mit "Hello" stellt sich ein Anfang 20-Jähriger mit kurzen blonden Haaren vor. Smile steht in gelber Schrift auf seinem schwarzen Hoodie. Auf dem Kopf trägt er eine Mütze. Dazu hat er eine schwarze Dreivierteljeans mit zwei unterschiedlichen farbigen Socken an. Neben ihm stehen zwei Gleichaltrige. Einer von ihnen hat Ähnlichkeiten mit dem Hollywood-Schauspieler Jay Baruchel und der andere sieht aus wie ein Kurt-Cubain-Verschnitt – lange zottelig blonde Haare. Ihre Namen: Conor Mason, Sänger, Joe Langridge-Brown, Gitarrist, und Dom Craik, Gitarrist und Keyboarder. Besser bekannt als Nothing But Thieves. Eigentlich sind sie zu fünft, aber ihr Bassist und ihr Drummer sind nicht mit dabei. Aber auch ohne sie wirken sie im ersten Moment nicht wie eine typische Rockband.

Dabei hätten sie allen Grund dazu. Sie sind eine der erfolgreichsten britischen Newcomer-Rockbands der letzten Jahre. Ihr Debütalbum verkaufte sich mehr als 250.000 Mal. Die Songs daraus wurden über 174 Millionen Mal gestreamt. In sind sie dagegen noch nicht ganz so bekannt. Doch das ändert sich gerade. Ihre Tour hierzulande war komplett ausverkauft. "Die Fanbase wird auch hier immer größer", sagt ihr Manager.

Leicht verkatert und müde

Die drei Jungs aus Southend, England, wirken etwas müde. Einen Tag zuvor haben sie noch in der ausverkauften Großen Freiheit 36 in Hamburg vor 1000 Leuten gespielt. "Wir sind auch noch, ehrlich gesagt, etwas verkatert", gesteht Craik. "Wir waren nämlich noch mit unserer Vorband (Anm. d. Red. The Xcerts & AIRWAYS) in einer Bar und haben ein paar Bier getrunken."

Der Keyboarder und Gitarrist scheint sowieso der Gesprächigste der Band zu sein. Mal erzählt er eine Anekdote, dass er Dave Grohl von den Foo Fighters bei den Brit Awards im Fahrstuhl getroffen habe. Dazu hat er immer einen lustigen Spruch auf den Lippen. Conor Mason und Joe Langridge-Brown sind dagegen zurückhaltender. Sie sitzen auf dem Sofa und schauen auf ihr Handy. Dennoch sind sie zu jedem Zeitpunkt freundlich, bedanken sich für ein gebrachtes Wasser, lächeln nett, wenn man sich mit ihnen unterhält. Sie wirken wie Jungs aus der Nachbarschaft, die eine Rockband gegründet haben.

Am Erfolg wäre Nothing But Thieves fast zerbrochen

Das waren sie vor 2012 auch noch. "Wir haben das erste Jahr eigentlich nur mit dem Aufnehmen von Demos verbracht", sagt Mason. "Wir hingen in Doms Garage rum und verewigten so ziemlich alles, was uns in den Sinn kam." Nach einigen kleinen Live-Auftritten kommen dann Philip Blake und James Price dazu. 

Nach und nach geht es bergauf. Sie nehmen ihre erste EP, ein Mini-Album, auf. Mit Sony Music wird eines der Major Labels auf sie aufmerksam und nimmt sie unter Vertrag. 2015 veröffentlichen sie ihr erstes Album und gehen mit Bands wie Arcade Fire und Muse auf Tour. Alles scheint perfekt zu laufen. Doch dann lösen sie sich fast auf: "Wir sind viel getourt", sagt Craik. "Wir waren fast ein Jahr nicht Zuhause. Wir nahmen jeden Gig, den man uns anbot, an. Das war irgendwann zu viel."

Aber die Engländer berappeln sich. "Für mich war alles nur eine Qual, aber die Jungs haben mir wirklich mehr als alles andere durch diese Zeit geholfen – denn ich dachte, wenn ich ihre Unterstützung nicht hätte, würde ich nicht weitermachen wollen", verrät Mason. Vor allem diese schwere Zeit haben sie auf ihren neuen Album "Broken Machine" verarbeitet. So hätten sie aus etwas Düsterem etwas Schönes gemacht, sagt Mason.

"Wir wollen Rockmusik wieder relevant machen"

Seit September vergangenen Jahres ist die zweite Platte nun draußen. Auf Platz zwei sind damit sogar in den britischen Album-Charts gelandet, und auch in Deutschland hielt es sich eine Woche lang in den Top-100. "Wir wollen Rockmusik wieder relevant machen", sagt Joe.

Sie sind auf jeden Fall auf einem guten Weg. Die kleinen lieben, netten Rockstars'chen aus Southend.

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