HOME

Verhütung: Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum so viele auf Kondome verzichten

Einmal nicht aufgepasst, schon ist es passiert. An HIV infizieren sich noch immer mehrere tausend Menschen pro Jahr in Deutschland. Nicht alle, aber ein Großteil, durch Sexualität. Kondome können das verhindern - wenn sie denn benutzt werden.

Von Refinery29-Autorin Maren Aline Merken

HIV, Tripper und Co.: Warum nutzen so viele kein Kondome

"HIV, Tripper, Intimherpes und Chlamydien sind immer noch gefährlich."(Symbolfoto)

Irgendwann war ich alt genug, um aufgeklärt zu werden. Ich kann mich an etliche - mehr oder minder peinliche - Versuche meiner Eltern erinnern, mir Sexualität nahe zu bringen. Diese Versuche waren dann auch ein Grund, wieso meine Eltern nicht erfahren haben, wann es wirklich soweit war bei mir. Eines blieb jedoch, trotz aller Peinlichkeit, hängen. Dass nämlich "Safer-Sex", sprich Kondomverwendung, unumgänglich ist.

Kondome waren für mich seit jeher Pflicht. Selbstverständlich nicht nur zum Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft, sondern vor allem als Schutz vor übertragbaren Geschlechtskrankheiten. Das war bei mir als Teenager so, als junge Frau und auch heute, mit über 30, ist es für mich das normalste der Welt, Kondome bei mir zu tragen, sie in meinem Schlaf- und Badezimmer zu lagern und sie auch einzusetzen.

HIV, Tripper, Intimherpes und Chlamydien sind immer noch gefährlich

Das Thema Verhütung taucht in meinem Freundeskreis nicht sonderlich häufig auf. Doch ich bin immer wieder überrascht, gar schockiert, wie Frauen, aber auch Männer, aus meinem Umfeld, die gebildet, selbstbewusst und aufgeklärt sind, Dinge äußern, wie:
"Klar haben wir mit Kondom verhütet. Am Anfang auf jeden Fall. Dann kannten wir uns irgendwann, weshalb die Pille reichte." Oder: "Der hat mal einen Aidstest gemacht und dieser war negativ. Das reichte mir" Gern würde ich ihnen antworten: "Hast Du den Test gesehen? Hat der Typ, oder die Frau, die Du kennst, eventuell vorher auch andere Männer oder Frauen gekannt und deswegen genauso 'safe' verhütet, wie jetzt?"

Wenn der Partner zum Beispiel ein Arsch ist, und ohne Verhütung betrügt, dann bist auch Du auch einem Risiko ausgesetzt, egal ob Du alle Vorkehrungen der Welt getroffen hast. Dieses Risiko gilt es doch wohl, weitestgehend, zu minimieren. Unsere Eltern haben für sexuelle Freiheit und Liberalität gekämpft. Davon profitieren wir heute, etwa, indem wir uns nicht festlegen müssen, wann wir, mit wem, Sex haben.

Gleichzeitig treten viele von uns dieses Privileg mit Füßen. Unsere Gesundheit ist das Wichtigste, was wir haben. HIV, Tripper, Intimherpes, oder auch Chlamydien, sind gefährliche Erkrankungen. Ich verstehe nicht, wie man in einer Gesellschaft, in der man kein Peeling nutzt, weil es Plastikpartikel enthalten könnte, oder nur aluminiumfreies Deo benutzt, weil das gesünder sein soll, im Bereich der Sexualität so nachlässig sein kann.

Wenn ich jemanden neu kennenlerne, verhüte ich mit Kondom. Punkt. Zeichnet sich ab, dass es ernster und exklusiver wird, spricht man drüber. Bahnt sich eine Beziehung an, mache ich nach drei Monaten exklusivem Verkehr einen Test. Ob gemeinsam, oder jeder einzeln, ist dabei erstmal völlig egal. Frühestens danach, wenn die Testergebnisse negativ ausgefallen sind, kann man die Kondome weglassen.

Trotzdem schätze ich natürlich Vertrauen in meiner Beziehung. Es ist wichtig, einem Menschen, den man liebt, zu vertrauen. Geht es aber um die eigene Gesundheit, ist Kontrolle meist besser. Vielleicht war der, oder die, Ex untreu. Vielleicht gab es, betrunken, mal einen "Ausrutscher", bei dem jemand es nicht so genau genommen hat. Niemand ist unfehlbar.

Bei Sexualität spiele ich kein Russisch-Roulette

Wer emanzipiert und verantwortungsvoll ist, räumt das kleinste Risiko aus, wie ich finde. Lieber ein Test zu viel, als einer zu wenig. Durch dieses System weiß man immer über seine sexuelle Gesundheit Bescheid.

Ich war mal in einen Mann verschossen, den ich an einem bestimmten Punkt unserer Beziehung um einen Test gebeten habe. Der hat gelacht und sagte, er sei doch keine "Aidsschleuder". Das war dann das Ende unserer körperlichen Zusammenkunft.

Geht es um ein derart intimes Thema, spiele ich sicher kein Russisch-Roulette.

Im Jahr 2015 haben sich in Deutschland 3200 Menschen mit HIV infiziert. Einen davon kenne ich. Es war eine Verkettung ungünstiger Umstände. Auch derjenige, der diese Person angesteckt hat, wusste nichts von seiner Infektion. Erkannt wurde es beim Blutspenden. Nichts würde derjenige lieber tun, als die Zeit zurück zu drehen.

Themen in diesem Artikel