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Sex Week in den USA: Uni bietet Sex-Workshops an – und die Empörung ist groß

Eine Woche lang lernen die Studierenden mal nicht in ihrem Fach, sondern in der "Sex Week" an der Universität von Tennessee alles zum Thema Sexualität. Was die Studierenden aufklären soll, verärgert konservative Amerikaner.

Von Linda Göttner

Liebespaar küsst sich auf Bett

Die Sex-Woche an der Universität Tennessee informiert die Studierenden rund um Sexualität

Getty Images

Transsexualität, Sexspielzeuge oder Abtreibungen – für die meisten jungen Leute sind solche Themen kein Tabu mehr. Das sieht auch die Universität Tennessee so und schreibt ihren Studierenden für eine Woche Kurse wie "Tatort: Meine Periode" oder "Queer Theorie" auf den Stundenplan. Was für viele Studierende ein selbstverständlicher und willkommener Schritt im Dialog über Sex ist, ist für einige konservativere Amerikaner eine Beleidigung. 

Unterhaltende und ernste Themen

Im April veranstaltete die Initiative "Sexual Empowerment and Awareness at Tennessee" (SEAT) an der Uni also eine Themenwoche rund um Sex. Eine Woche, in der es statt um Wirtschaft oder Ingenieurwesen um Sex, Körper und Sexualität in der Gesellschaft ging. Neben unterhaltsam klingenden Workshops wie "Masturbation Nation" oder "Tinder and Tea" wurden die Hochschüler über die MeToo-Debatte oder die "Wissenschaft der Abtreibung" aufgeklärt. Ziel der Themenwoche war, die Hörer umfassend über Sex und Sexualität zu informieren, um so die Grundlage für einen offenen Dialog zu schaffen.

Es ging inhaltlich nicht darum, mit sensationellen Themen die Aufmerksamkeit der Studierenden zu erlangen, sondern ein tolerantes Miteinander durch Aufklärung zu stärken. Auf ihrer Website benennt die Initiative unter anderem Inklusivität und Transparenz als jene Werte, in einer sicheren Umgebung Diskussionen zu ermöglichen, die alle Überzeugungen und Ideen einschließen. 

Die Woche solle dabei helfen, die Bandbreite von sexuellen und geschlechtlichen Identitäten zu verstehen und den Einfluss von Kultur, Politik, Religion, Umwelt und Wirtschaft auf sexuelle Identitäten einordnen zu können. Da es an der Universität um Bildung gehe, gehöre die Aufklärung über Sexualität unabdingbar dazu, heißt es auf der Website. Statt von den Studiengebühren – wie einige Kritiker behaupteten – würde das Projekt durch SEAT privat finanziert.

Kritiker verurteilen die Themenwoche

Für manch prüden Amerikaner war dies zu viel der Offenheit. Der konservative Journalist Todd Starnes monierte, der Begriff Sex-Woche klinge wie ein Pornofilmtitel und nannte sie auf Fox News "Sodom-und-Gomorrah-Woche". Weitere Kritiker äußerten sich in den sozialen Netzwerken: "Das ist ein Beispiel dafür, dass der Mensch der Versuchung des Teufels erliegt, sein eigener Gott zu sein", schrieb etwa ein Mann auf Twitter. Eine Frau kündigte an, die Universität von der Wunschliste ihrer Kinder zu streichen. 

Gleichzeitig erhält die Initiative viel Zustimmung und wird nicht ohne Grund seit 2013 jedes Jahr mit der Veranstaltung beauftragt. Sie ermutigt die Studierenden, offener miteinander zu reden.


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