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Selfie-Sucht: Forscher beweisen: Die "Selfitis" ist kein Mythos

Vor Jahren schon hat die Nachricht die Runde gemacht, Selfie-Sucht sei als psychische Erkrankung anerkannt. Die Meldung war eine Ente. Doch nun haben Forscher das Phänomen Selfitis wissenschaftlich untersucht.

Eine junge Frau in grauem Sweatshirt und mit halblangen Haaren macht mit einem Smartphone in der rechten Hand ein Selfie

Wer unter "akuter Selfitis" leidet, macht mindestens drei Selfies am Tag und postet jedes davon. Es gibt aber auch noch schlimmere Ausprägungen dieses "Leidens".

Alles hat mit einem Scherz begonnen: 2014 kursierte die Nachricht, die "American Psychatric Association" habe die "Selfitis" - das zwanghafte Machen und Posten von Selfies - als psychische Erkrankung anerkannt. Das stimmte zwar nicht, aber inspirierte Forscher der englischen Nottingham Trent University und der indischen Thiagarajar School of Management zu ihrer nun veröffentlichten Untersuchung über Selfie-Gewohnheiten und was sie über junge Menschen aussagen.

Dafür gehen die Wissenschaftler von drei Abstufungen der "Selfitis" aus:

  • Borderline-Selfitis: Mindestens drei Selfies am Tag machen, sie aber nicht posten
  • Akute Selfitis: Mindestens drei Selfies am Tag machen und jedes davon posten
  • Chronische Selfitis: Unkontrollierbarer Zwang, rund um die Uhr Selfies zu machen und täglich mehr als sechs Mal welche davon posten

Aus Interviews mit 225 indischen Studenten haben die Forscher zwanzig Aussagen entwickelt, mit der sie die "Selfitis" kategorisieren: "Ich fühle mich selbstsicher, wenn ich ein Selfie mache", lautet eine der Aussagen. In der Mitte der Skala findet sich die Aussage: "Je mehr Selfies ich mache, desto besser ist meine Stimmung." Und am oberen Ende: "Ich bearbeite die Fotos, damit meine Selfies besser aussehen als die anderer."

"Selfitis" deutet auf geringes Selbstbewusstsein

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass Menschen mit "Selfitis" ein geringes Selbstbewusstsein haben und mit den Selfies vor allem ihre Stellung in ihrer sozialen Gruppe verbessern wollen. Allerdings räumen sie auch Schwächen an ihrer Studie ein. Mit insgesamt 400 Personen, die letztendlich teilgenommen haben, war die Testgruppe recht klein. Außerdem waren mehr als 90 Prozent der Teilnehmer unter 25 und somit vom Alter her nicht repräsentativ für größere Bevölkerungsschichten.

Doch die Studie ziegt auch: Was als Zeitungsente und Scherz seinen Anfang nahm, hat sich als wahr herausgestellt. Die "Selfitis" ist kein Mythos mehr. Ob sie aber tatsächlich eines Tages als psychische Erkrankung anerkannt wird?


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