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Du kommst hier nicht rein!: Türsteher-Geschichten: Zwischen Möchtegern-Wichtigtuer und Aufpasser

Türsteher. Sie entscheiden, ob man in eine Diskothek reinkommt oder nicht. Sie können dein Freund oder Feind sein. Unser Autor weiß, dass Türsteher fürs Partyvolk Fluch und Segen zugleich sind.

"Sorry, mit deiner zerrissenen Jeans und dem Hemd bist du heute zu sportlich." Auch vier Jahre später kann ich diesen Satz eines Hamburger en-Türstehers noch immer nicht verstehen. Wie kann man denn mit einer zerrissenen Jeans und einem Hemd zu sportlich sein? Mal davon ganz abgesehen, dass fast jeder zweite junge Erwachsene so rumläuft. 

Ich war gerade 18 Jahre alt. Zusammen mit meinem besten Freund ging ich regelmäßig in Hamburg auf der Reeperbahn feiern. Einer unserer Lieblingsclubs war das "Halo", ganz am Anfang der Großen Freiheit. Es ist eine normale Diskothek, wie man sie häufiger auf findet. Doch die Türsteher vermittelten jedes Mal den Eindruck, als ob es das Berliner Berghain oder das Münchener P1 sei. Von oben bis unten wurde man beäugt – fiel ihm auch nur eine Sache auf, wurde einem der Eintritt verwehrt. Die Begründung waren dabei fast schon comedyreif.

Es ging von "zu sportlich" bis hin zu "zu Mainstream". Ein guter Kumpel trug einmal über seinem längeren T-Shirt eine Kette. Die missfiel dem Türsteher, woraufhin er ihm attestierte, dass er für den Club "zu cool" sei. Was soll man auf so eine Begründung antworten? "Danke"? Eigentlich ist es auch egal. Es bringt nämlich nichts. Der- oder diejenige hat Macht. Er entscheidet, ob du reinkommst oder nicht. Das hat wenig mit oder Fairness zu tun. Dennoch nehmen sich manchmal einige Selekteure ein Stück weit zu wichtig.

Ein Türsteher steht vor einer Diskothek

Es gibt den "du kommst hier nicht rein"-Türsteher. Genauso gut gibt es aber auch welche, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Unser Autor hat beides erlebt. 


Vermeintlich falscher Ausweis – Türsteher ruft Polizei

Eine Freundin hatte mir vor Kurzem von einem Türsteher-Erlebnis berichtet, bei dem am Ende sogar die kommen musste. Die ganze Sache ist mittlerweile sieben Jahre her. Sie war gerade erst 18 und wollte in eine Club-Bar auf der Reeperbahn. Doch als sie ihren Personalausweis dem Türsteher zeigte, wurde der stutzig. "Das bist doch nicht du?", sagte er. Etwas frech fragte sie, wer das denn sonst seien solle. "Nee, das Mädel hier auf dem Bild sieht überhaupt gar nicht so aus wie du", begründete er seinen Verdacht.

Anschließend prüfte er, ob es auch tatsächlich ihr Perso sei, indem er alle Informationen abfragte: Wohnort, Geburtsdatum, Augenfarbe, Größe und den Geburtsort. Natürlich konnte sie die Fragen beantworten. Schließlich war es ihr Ausweis. Doch das reichte dem Türsteher nicht. Er wollte auch einen Unterschriften-Vergleich. Kein Problem, dachte sie sich, und unterschrieb auf einem leeren Blatt. Daraufhin überprüfte der Türsteher wie beim FBI die Unterschrift auf ihrem Personalausweis mit der auf dem Zettel. "Ha, ich wusste es. Das beweist, dass es nicht deiner ist", posaunte er stolz heraus. Die Versuche, ihm zu erklären, dass sie ihren Ausweis im Alter von 14 bekommen hatte und mittlerweile anders unterschreibe, interessierten ihn keine Sekunde. Er stellte meine Freundin vor die Wahl: "Entweder du gehst oder ich ruf die Polizei!"

Im nüchternen Zustand hätte sie sich wohl für ersteres entschieden, da sie aber leicht angeschwipst war, sagte sie: "Ja, dann hol doch die Polizei." Einen Anruf später standen  fünf Beamte neben ihr und dem Türsteher. 

"Deshalb hast du uns nicht ernsthaft angerufen?"

Die ließen sich den Vorfall noch einmal zusammenfassen, um dann anschließend beim Einwohnermeldeamt zu prüfen, ob es tatsächlich ihr Ausweis ist. Das bestätigte dann das, was meine Freundin dem Türsteher bereits mehrfach zu verklickern versucht hatte: Es war ihr Perso. Blöd gelaufen für den Türsteher. Von Seiten der Ordnungshüter hieß es: "Deshalb hast du uns nicht ernsthaft angerufen?"

Anschließend durfte sie tatsächlich noch in den Club.  Der Türsteher entschuldigte sich  nicht bei ihr. Ganz im Gegenteil, den Eintritt von zehn Euro musste sie trotzdem bezahlen. Es sei ein Riesen-Tam-Tam um nichts gewesen, dafür, dass sie sich nur zehn Minuten drinnen aufgehalten hätte und nie wieder dort feiern gewesen wäre, meint sie.

Genauso gibt es aber auch Geschichten, nach denen man dankbar sein kann, dass es das Sicherheitspersonal eines Clubs überhaupt gibt. Ich erinnere mich noch, als mein bester Freund vor zwei Jahren einen Typen im Club nur leicht mit der Schulter touchiert hatte und der ihm sofort eine runterhauen wollte. Ein Kerl wie eine T-800 Maschine aus den "Terminator"-Filmen mit Arnold Schwarzenegger. Zwei Meter mal zwei Meter. Wenn der zugeschlagen hätte, hätte man die Überbleibsel meines Kollegen wohl auffegen müssen. Zum Glück ging in dem Moment aber ein Aufpasser dazwischen und rettete meinem besten Freund – auf gut Deutsch – den Arsch.

Vor allem wegen dieser Geschichten sind Türsteher für mich immer die Mischung aus Möchtegern-Wichtigtuer und Aufpasser zugleich.

Wenn auch ihr eine besonders "ereignisreiche" Geschichten mit Türstehern erlebt habt, schreibt uns eine E-Mail an leseraufruf@stern.de und in die Betreffzeile das Stichwort "Türsteher". Wir veröffentlichen die schönsten eurer Geschichten! 

rpw
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