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Déjà-vu eines Flop-Festivals: Fyre Festival reloaded? "Vestiville" in Belgien wird zu Party-Desaster

Es sollte ein "Tor zu einer städtischen Oase für Musik, Kunst und Wunder" sein - hieß es zumindest auf der Website des "Vestiville". In Wahrheit entpuppte sich das belgische Festival als großer Reinfall und enttäuschte tausende Hip-Hop-Fans. So auch einen Freund unserer Autorin, der vor Ort war und ihr von seinen Erlebnissen dort erzählt hat.

Samira Debbeler

Vestiville in Belgien entpuppt sich als Fyre Festival 2.0

Laute Hip-Hop-Beats, ein gut gelauntes Partyvolk und namenhafte Künstler? Wohl eher nicht. Stattdessen sah man in enttäuschte Gesichter und las wütende Posts bei Facebook, Instagram und Co. Das belgische "Vestiville" entpuppte sich als "Fyre Festival 2.0".

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Die Veranstalter lockten mit Ja Rule, Migos, Cardi B, Jason Derulo und vielen anderen bekannten Künstlern. Das Line-up überzeugte eine Menge Hip-Hop Fans und zog am letzten Juni-Wochenende tausende Besucher ins belgische Lommel. So auch meinem Freund Lap, der mit seinen Jungs rund 800 Kilometer hinter sich ließ, um eine unvergessliche Party zu feiern. Unvergesslich war dieser Wochenend-Trip allemal - aber anders als erwartet. 

Über 70 Acts waren für das "Vestiville" in Lommel angekündigt. Drei Tage lang sollten wummernde Hip-Hop Beats die Provinz Limburg beschallen. 135.000 Besucher wurden erwartet. Doch dann kam alles anders. Und was passierte, erinnert auf unangenehme Weise an den Eklat um das Fyre Festival 2017, bei dem tausende junge Menschen auf den Bahamas landeten und nichts als ein riesiges Chaos vorfanden.

Chaos breitete sich aus, die Polizei schritt ein

"Wir waren schon auf den Zeltplätzen, plötzlich wurde über soziale Netzwerke bekanntgegeben, dass das Festival nicht stattfindet", erzählt mir Lap. "Wir hielten alles für einen Scherz." Seine Schilderung klingt wüst: Einige Besucher sind bereits auf dem Gelände, um zu den Zelten zu gelangen. Knapp 1500 Gäste stehen am Eingang in der Schlange. Als sich die Nachricht vom geplatzten Festival verbreitet, bricht Chaos aus. Die Polizei muss einschreiten. Die Meute ruft "Fuck Vestiville". Aufgebrachte Besucher werfen mit Bechern. Sicherheitskräfte müssen die Besucher davon abhalten, durch den Eingang zu stürmen.

Was war los? "Das Festivalgelände konnte noch nicht betreten werden", erklärt mir Greet Poets, Pressesprecherin der Stadt Lommel. "Sanitätsposten waren aufgrund der Hitze nicht einsatzbereit, es gab nicht genügend Sicherheitskräfte, Notausgänge wurden nicht ordnungsgemäß gekennzeichnet und die Hauptbühne war noch nicht fertig." Eine Routine-Kontrolle habe das kurz vor Beginn des Festivals ergeben. Der Bürgermeister der Stadt, Bob Nijs, beschloss, die Veranstaltung abzusagen. Zigtausende Besucher, die teilweise bis zu 470 Euro für ein Ticket ausgegeben hatten, wurden enttäuscht. 

Gäste des "Vestivilles" konnten für einen Aufpreis Villen mit privaten Gärten, einem Strand und eigenem Servicepersonal buchen. Bei der Ankunft stellte sich jedoch heraus, dass es sich nicht um luxuriöse Villen handelte, sondern um kleine weiße Häuser mit ungepflegten Gärten, wie ein Twitter-Video zeigt.  

"Die Videos, die vorab zu Promo-Zwecken über soziale Netzwerke veröffentlicht wurden, machten einen sehr professionellen Eindruck auf uns", sagt Lap. Einen Tag vor Beginn des Festivals sei jedoch bereits aufgefallen, dass die Aufbauarbeiten immer noch andauerten. 

Veranstalter von "Vestiville" vorerst festgenommen

Hinter der Veranstaltung stecken zwei Niederländer und ein Engländer. Ihnen wird vorgeworfen, Rechnungen gefälscht zu haben, wie mehrere Medien berichten. Die drei Veranstalter seien auf dem Festivalgelände verhaftet worden. Ein paar Tage später wurden sie wieder freigelassen. Die Veranstalter haben sich bisher nicht zu den Anschuldigungen geäußert.

Poets teilt mir mit, die Staatsanwaltschaft von Hasselt ermittle nun wegen möglichen Betrugs - ein Betrug, der auf Kosten vieler junger Menschen ging, die einfach nur eine coole Party feiern wollten.

Lap und seine Freunde zumindest haben letztendlich das Beste aus dem Flop gemacht. Die Stimmung auf dem Festivalgelände sei mit der Zeit besser geworden, erzählt er. "Es wurde Wasser verteilt, das Essen gab es kostenlos und die Besucher fingen an, die Zeltplätze mit ihrer eigenen Musik zu beschallen." Nach einer Nacht mussten sie das Gelände wieder räumen. Ob die Gäste ihr Geld zurückbekommen, ist bisher unklar. Lap und seinen Freunden wurde mitgeteilt, es werde eine Sammelklage eingereicht.

Quellen: "VRT NWS" "BBC"