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EM-Stadt Salzburg: Seid umschlungen, Millionen!

Mozartkugeln, der jedes Jahr auf dem Domplatz aufgeführte "Jedermann" und gefärbte Stiere auf der Festung - schon lange vor der Europameisterschaft wissen die Salzburger, wie man mit Besuchern umgeht.

Von Marina Kramper

Wenn es früher Ärger gab, zogen sich die Salzburger Bischöfe zurück und verschanzten sich auf der Hohensalzburg. Die hohen Herren des Klerus kontrollierten die Haupteinnahmequelle der Stadt, das Salz. Doch keiner war mit dieser Mischung aus Frömmigkeit und Raffgier so richtig glücklich, so dass die Herren oft auf die Festung umziehen durften, während unten in der Stadt die Belagerer hausten. "Aushungern" war damals eine bewährte Belagerungstaktik.

Um dem Hungertod zu entgehen, benutzten die Burgherren eine List: Sie nahmen den letzten Stier aus der Vorratskammer und malten ihn täglich in einer anderen Farbe an. Abends wurde er gewaschen, um ihn morgens umgefärbt als ein weiteres Tier vor den Augen der Belagerer spazieren zu führen. Die dummen Horden fielen auf den Trick herein und gaben die Belagerung auf. "Stierwascher" heißen die Salzburger seitdem.

Touristische Weltbühne

Mit dieser Taktik sollten die Salzburger auch die Belagerung durch den EM-Tourismus überstehen. Fragt man einen Bürger, wie der Ansturm im Juni ausfallen wird, so antwortet dieser etwas melancholisch: "Joo, mir saan des gwohnt". Denn in Salzburg finden jedes Jahr 4.000 Veranstaltungen rund um Musik, Theater und Kunst statt. Sieben Millionen Touristen besuchen jährlich die Stadt an der Salzach - das macht knapp 20.000 Besucher pro Tag.

Der Festivalreigen beginnt mit den Mozartwochen im Januar, Ostern und Pfingsten folgen die Karajan Festspiele. Der Dirigent ist neben Mozart der zweite berühmte Sohn der Stadt. Im Sommer gibt es ein weiteres Mozart-Fest. Im August dann Hugo von Hofmannsthals Theaterfestspiele mit der Aufführung des "Jedermann" auf dem Domvorplatz. Die neue Musik hält im November als Jazzfestival Hof. Aber das sind nur die Großereignisse.

So viel Andrang hinterlässt seine Spuren in Form einer gewachsenen touristischen Infrastruktur, die jedem Geschmack und Geldbeutel standhält. 23.000 Gästebetten rund um Salzburg warten in diesem Sommer auf Fußballfreunde. Zur EM 2008 werden neben den Bildschirmen in den "Altstadtbeiseln" drei große Public Viewing Zonen geschaffen, die die Salzburger Altstadtplätze miteinander verbinden. Links und rechts des Domes und rund um die Mozart-Statue beziehen Buden, Bierzelte und VIP-Lounges Stellung.

Hoher Bussi-Bussi-Faktor

Salzburg ist auch das St. Tropez des Alpenraumes. Nicht nur Beckenbauer residiert hier, auch Rang und Namen der High Society wohnen rund um die Kulturmetropole. Selbstverständlich müssen auch die Promis mal raus aus den Villen am Hang. Dann fahren sie nach Salzburg, um einzukaufen, in Restaurants zu tafeln und Bussi-Bussi zu machen. Auf Stars trifft man vor allem zu Festspielzeiten. Man gibt sich gerne volkstümlich, trägt Dirndl und Janker. Die Trachtenmode kauft man am besten vor Ort. Abgestiegen wird im "Hirschen", einem Fünf-Sterne-Haus, dem man von außen die alpine Einrichtung gar nicht ansieht.

Wer die große Gesellschaft um sich haben will, bucht sich zu den Festspielen und zur EM im Schlosshotel Fuschl ein. Im ehemaligen Schloss am Fuschlsee wurden in den fünfziger Jahren die Sissi-Filme gedreht. Das stilvolle Bauwerk wurde im dreiteiligen Heimatfilm kurzerhand zu "Possenhofen" in Bayern erklärt. Im dazugehörigen Museum laufen Filme über die Dreharbeiten. Wer den königlichen Service mit Ursprünglichkeit kombinieren möchte, kann eines der zwei Fischerhäuser mit Bootssteg direkt am Seeufer beziehen. Neben den Hütten befindet sich die Forellenzucht. Dort kann man sich sein Abendbrot tagsüber aussuchen.

Früher war Salzburg eine Stadt der Pferde. Denkmäler und Brunnen bezeugen die Begeisterung für vierbeinige Schönheiten. An den Pferdeschwemmen wurden die edlen Rosse mitten in der Stadt gebadet. Heute noch stehen die Fiaker vor dem Dom und traben mit ihrer Kundschaft quer durch die Stadt. Kein Auto kommt den Fuhrwerken in die Quere. Und aus dem offenen Fiaker lassen sich alle Sehenswürdigkeiten fotografieren. Nach der Kutschfahrt geht es ins berühmte "Café Demel" auf einen "Einspänner", eine Kaffeevariante, die im Glas mit viel Schlagsahne serviert wird.

Vermarktung mit und ohne Mozart

Bei einem Salzburg-Besuch kommt an Amadeus keiner vorbei. Der Musiker wurde 1756 in der Getreidegasse mit der Nummer 9 geboren. Vor dem gelben Geburtshaus klicken unaufhörlich die Kameras. Dass es die Wiener waren, die das Genie erkannten und förderten, interessiert heute nicht mehr. Die ignoranten Salzburger merkten erst nach seinem Tod, wer ihnen durch die Lappen gegangen war und bauten ihm schnell ein Denkmal. Als Statue sieht Mozart aus wie ein Feldherr, der eine Schlacht gewonnen hat.

Heute beschert Mozart der Stadt Millionen. Millionen von Euros und Touristen. Souvenirläden bieten mit Mozartkugeln das volle Programm. Könnte man Mozart klonen, müsste er auch den Anpfiff im Salzburger Stadion tätigen. Aber "Red Bulls" heißt der Salzburger Ligaverein. Das Stadion trägt auch den Namen des Getränke-Sponsors. Es wurde 2003 umgebaut und bietet Platz für 30.400 Zuschauer.

Ein Salzburger Taxifahrer, zur EM befragt, bleibt misstrauisch: "Na, so wia in Deitschloand wird´s eh net werdn." Aber warum auch? Warum die EM an einem Land messen, das zur WM vor zwei Jahren die zigfache Einwohnermenge auf die Public Viewing Zonen loslassen konnte. Hoffentlich wird es in Salzburg anders werden, mit Nockerln, Schwammerln und Topfenknödeln. Ohne Schmäh!

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www.austria.info

Salzburger Land

http://blog.salzburg.info/euro2008/
http://euro2008.salzburgerland.com

Hotel Goldener Hirsch

Getreidegasse 37, A-5020 Salzburg, Tel. +43 66 2 80 840
www.goldenerhirsch.com

Schloss Fuschl

Schlossstraße 19, A-5322 Hof bei Salzburg, Tel. +43 662 29 22 53-0
www.schlossfuschlresort.de

Hotel Jedermann

Rupertgasse 25, A-5020 Salzburg, Tell. +43 662 87 32 41
www.hotel-jedermann.com

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