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Stiftung Stern

Die Aktion "Mutmacher": "Ich habe so viel geschafft"

Ohne die „Mutmacher“ wäre Nina heute vielleicht tot. Das sagt ihre Ärztin. Das sagt ihr Therapeut. Das sagt Nina selbst.

Nina hat ihr Leben wieder im Griff - dank der Hilfe durch das Projekt "Mutmacher".

Nina hat ihr Leben wieder im Griff - dank der Hilfe durch das Projekt "Mutmacher".

Nina hatte mit dem Leben abgeschlossen, mit 15 Jahren schon. Sie aß kaum, ging nicht mehr zur Schule, lag nur noch apathisch im Bett. Wog unter 40 Kilo und schwänzte über zwei Jahre den Unterricht. Ihre Mutter hatte es aufgegeben, sie morgens zu wecken. Ninas Tage begannen nachmittags um vier, über die Nächte mit Alkohol und Drogen und irgendwelchen Typen mag sie nicht reden.

Sie sitzt in einem Café in Hamburg und erzählt von diesem früheren Leben, als gehöre es zu einem anderen Menschen. „Nie wieder werde ich mich so hängen lassen wie damals“ , sagt sie, „ich habe so viel geschafft.“ Stolz auf sich zu sein, das ist für Nina ein neues Gefühl.

Der Moment, der ihr Leben veränderte, war das Wiedersehen mit dem Schauspieler und Produzenten Til Schweiger und Mitarbeitern des Hamburger Kinderhilfswerks „Arche“. Nina war im Alter von zwölf Jahren im stern porträtiert worden, als Kinder finanzschwacher Eltern über ihre Wünsche und Sorgen sprachen. Damals schaute sie hoffnungsvoll nach vorn, wollte Sprachen lernen und Krankenpflegerin werden. Til Schweiger hatte Ninas Geschichte gelesen und sie damals spontan besucht.

Doch die Armut der Eltern blieb nicht das einzige Problem für Nina. Sie rutschte ab; niemand war da, dem sie sich anvertrauen konnte. Ihr Leben spielte sich in Hauseingängen und fremden Betten ab. Sie trank und kiffte.

Als dann ein Kamerateam in der „Arche“ ein paar Szenen für ein neues Projekt der Stiftung stern und des RTL-Spendenmarathons drehte, war Nina wieder dabei. „Ich war erschüttert, sie zu sehen, so abgemagert“, erzählt Til Schweiger. „Und mir wurde klar, dass man Jugendlichen wie Nina dauerhaft helfen muss.“ Das aber können nur Menschen leisten, die wirklich Zeit haben. Und dafür bezahlt werden. So entstand die Idee, „Mutmacher“ zu engagieren: Sozialarbeiter, die Kinder und Jugendliche durchs Leben begleiten. Sie schenken Interesse und Zuwendung, wenn Eltern, Lehrer oder Jugendamtsmitarbeiter nicht genug davon aufbringen.

Es sind Leute wie Shabnam Jalali, 39. Die gelernte Betriebswirtin setzt gemeinsam mit der Stiftung stern das „Mutmacher“-Programm um. „Viele Kinder und Jugendliche haben niemanden, dem sie voll vertrauen können“ , sagt sie. Genau das wollen die „Mutmacher“ sein: Vertraute. Gemeinsam mit zwei Kollegen betreut Jalali nun 20 Jugendliche im Alter von zwölf bis 21 Jahren, darunter auch Nina. Beim RTL-Spendenmarathon wurden für diese Idee über 400 000 Euro gesammelt. Geld, das für die nächsten zweieinhalb Jahre reicht, für die Arbeit mit Jugendlichen, die bisher mit ihren Problemen allein waren. Die misstrauisch und mutlos sind und enttäuscht. „Ich habe vier Jahre meines Lebens komplett verpasst“ , sagt Nina. „Aber Til und die anderen haben mir richtig ins Gewissen geredet. Und irgendwie habe ich gedacht, wenn ich denen nicht egal bin, dann muss ich mich auch ändern.“

Es folgten viele Gespräche mit Shabnam Jalali, die auch Diskussionen mit den Eltern und Ninas Lehrern moderierte. Jalali regte an, dass Nina von zu Hause auszog. Sie fand einen Therapieplatz in einer betreuten Wohngemeinschaft, einen Psychologen, auch eine neue Schule. Jalali und die „Mutmacher“ spannen für Nina ein enges Netz aus Helfern, die sonst nicht oder nicht genug miteinander reden.

Nina hat 20 Kilogramm zugenommen, und sie hat diesen Blick, der sagt: Ich habe dies geschafft, ich schaffe noch viel mehr. Sie hat begonnen, in der Therapie über sich und ihre Familie zu sprechen, hat mittlerweile auch ihre Mutter überzeugt, sich einem Therapeuten anzuvertrauen.

Nina hat ein Lieblingslied von Nena. Es heißt: „Wunder gescheh’n“. 

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