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Wunschzettel-Aktion Kein Kind soll Weihnachten leer ausgehen

Wunschzettel der sechsjährigen Shirin
Übernachtungsbesuch – das klingt wie ein bescheidener Wunsch. Doch wenn der Platz nicht ausreicht, lässt er sich nicht erfüllen. Die sechsjährige Shirin wünscht sich zu Weihnachten, dass sich das ändert.
© Arche / Hersteller
Auch arme Kinder haben Wünsche zu Weihnachten. Doch viele Eltern wissen nicht, woher sie in diesem Jahr das Geld für Geschenke nehmen sollen. Die Stiftung stern sammelt Spenden, um möglichst viele Herzensangelegenheiten zu erfüllen.

Shayenne, 4, aus Berlin wünscht sich einen Kaufmannsladen, Mareon, 8, Bluetooth-Lautsprecher, Sajeda hätte gern ein neues Handy, am liebsten ein iPhone, "Bitte!!!", schreibt sie. Aurora möchte Reitstunden, Tyler ein Fahrrad. Der stern hat Kinder, die in Hamburg oder Berlin das Jugendhilfswerk "Die Arche" besuchen, gebeten, ihren Wunschzettel zu schreiben oder zu malen. Viele würden sich über Dinge freuen, die auch ihre Altersgenossen aus wohlhabenderen Familien gern zu Weihnachten bekämen. Über Markenkleidung, über Elektronikartikel oder Spielzeug. Für andere geht es um einen vollen Kühlschrank, eine größere Wohnung mit einem eigenen Zimmer, und Mariam braucht einen Schreibtisch zum Lernen.

Nicht alle Wünsche lassen sich mit Geld erfüllen, die zehnjährige Maria zum Beispiel schreibt: "Ich wünsche mir einen Papa." Aber was in ein Paket passt und nicht zu teuer ist, könnte in diesem Jahr auch für die "Arche"-Kinder unter dem Baum liegen – wenn genügend Menschen dafür spenden.

Sorgen wegen Weihnachten

"Weihnachten ist ein wichtiges Fest, ich muss doch meinen Kindern etwas schenken. Aber ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll!" Sätze wie diese von einer Mutter aus Berlin höre er immer häufiger, sagt der "Arche"-Gründer Bernd Siggelkow.

Eine größere Wohnung und ein eigenes Zimmer für sich – der Weihnachtswunsch von der elfjährigen Sharon
Eine größere Wohnung und ein eigenes Zimmer für sich – der Weihnachtswunsch von der elfjährigen Sharon
© Privat

Weil das Geld durch die steigenden Preise für Lebensmittel, Heizung und Strom immer knapper wird, bleibt bei armen Familien kaum noch etwas übrig, nicht für etwas Süßes im Adventskalender, nicht für eine Nikolaus-Überraschung im Schuh und erst recht nicht für einen Kaufmannsladen oder ein Fahrrad vom Christkind. Bereits vor dem drastischen Anstieg der Inflation wuchs mindestens jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut auf, 2,8 Millionen Mädchen und Jungen – wobei längst nicht alle Familien, die es könnten, Unterstützung beantragen.

"Mama hat die Telefonnummer vom Weihnachtsmann"

Die siebenjährige Larissa aus Hamburg-Harburg trägt ein Minnie-Maus-Kleid mit roten Pailletten und ist fest überzeugt, dass es den Weihnachtsmann gibt. "Mama hat seine Telefonnummer. Und die vom Osterhasen!", sagt sie. Ihre Mutter Manuela Voß versucht das ganze Jahr über, etwas für Larissa und deren 13-jährigen Bruder Leon beiseitezulegen, wenn möglich 15 bis 20 Euro pro Monat. "Die Kinder sollen Weihnachten bekommen, was sie sich wünschen."

Turnschuhe – der Wunsch eines Kindes zu Weihnachten
Turnschuhe – der Wunsch eines Kindes zu Weihnachten
© Privat

Doch dieses Jahr ist noch nicht genug zusammengekommen. Weil ihr Job sich nicht mehr mit der Kinderbetreuung vereinbaren ließ, musste die 37-Jährige ihn aufgeben und erst einmal Hartz IV beantragen. Nach Abzug von Miete und Strom blieben der Alleinerziehenden etwa 900 Euro zum Leben pro Monat. Im Mai war das Geld so knapp, dass sie nicht wusste, wovon sie den Einkauf bezahlen sollte. "Milch zum Beispiel ist so teuer geworden. Und seit einem Unfall, nach dem Leon die Gallenblase entfernt werden musste, verträgt er nur noch die teure Biomilch."

Die Arche hilft mit Lebensmitteln

Manuela Voß hat Köchin gelernt, sie achtet auf gesunde Ernährung, will möglichst frisch kochen. Weinend gestand sie Angela Krull, der Leiterin der "Arche" in Hamburg-Harburg, ihre Not. Krull fuhr mit ihr zum Supermarkt und ließ sie den Einkaufswagen richtig vollpacken, auf Kosten der "Arche". "Das war toll, es war mir aber auch sehr unangenehm", sagt Manuela Voß. Eine Scham, der Angela Krull immer häufiger begegnet – weil immer mehr Menschen bei der "Arche" nach Lebensmitteln fragen. Inzwischen hat die Organisation einen eigenen Nothilfe-Fonds eingerichtet, um an ihren bundesweit 29 Standorten bedürftige Familien mit Nahrungsmitteln versorgen zu können.

Weihnachtswunscherfüller

Manuela Voß spart, wo sie kann, von den staatlichen Entlastungen ist noch nichts auf ihrem Konto angekommen, und die Abrechnungen für Strom und Heizung stehen noch aus. Sie hofft, dass sie demnächst in Teilzeit als Putzkraft beim Sportverein anfangen kann. Dass sie dann auch nicht mehr verdienen würde, als sie jetzt mit Hartz IV hat, ist ihr nicht so wichtig. Sie sagt: "Ich will meinen Kindern ein Vorbild sein."

Die Stiftung stern engagiert sich in diesem Jahr besonders für arme Kinder und Jugendliche in Deutschland, denn die steigenden Kosten treffen vor allem die Jüngsten der Gesellschaft. Mit Ihrer Hilfe möchten wir möglichst vielen Mädchen und Jungen aus den "Archen", die uns ihre Weihnachtswünsche aufgeschrieben haben, wenigstens einen davon erfüllen. Dazu werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bundesweit in allen 29 Standorten die Wünsche von bedürftigen Kindern sammeln. Diese reichen von Puppen, Feuerwehrautos und Spielen bis zu Büchern. Die Mitarbeiter der Archen organisieren auch den Einkauf und die Verteilung der Geschenke kurz vor Weihnachten in den Archen. Der Wert der Geschenke wird in der Regel bei ca. 20 Euro liegen. Sachspenden können wir leider nicht weiterleiten. Die Stiftung stern unterstützt die Arbeit des Kinder- und -Jugendhilfswerks "Die Arche" seit 2005. Hier können Sie direkt spenden.

In ihrer kleinen Wohnung im Dachgeschoss dreht Manuela Voß die Heizung nicht mehr voll auf, und wenn die Kinder in der Schule sind, ist es noch ein paar Grad kühler. Die elektrischen Geräte werden immer ganz ausgestellt und nicht auf Stand-by gelassen. Die Kühlschranktür darf nicht lange offen stehen, das schärft sie ihren Kindern ein. Und statt Deckenleuchte gibt es eine Lichterkette und Teelichter – "das macht es auch viel gemütlicher.

Der Weihnachtsmann braucht Unterstützung

Larissa ist noch unbedarft, aber ihr großer Bruder Leon merkt, dass die Familie nicht viel hat, und versucht, es seiner Mutter leichter zu machen. Er sucht sich bei Kleidung immer das Günstigste aus, und er wünscht sich fast nichts zu Weihnachten.

Larissa dagegen hat beim Weihnachtsmann eine Sofortbildkamera bestellt, Schminksachen, Spielzeug für ihre Katze – und Liebe. Die steht ganz dick auf ihrem Wunschzettel. Und die schenken ihr ihre Mutter und Leon ganz bestimmt. Für alle anderen Wünsche bekommt der Weihnachtsmann vielleicht Unterstützung.

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