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Stiftung Stern

Die Aktion "Mutmacher": Til Schweiger und der stern helfen mit vereinten Kräften

Der stern berichtet seit Jahren über soziale Ungerechtigkeit, besonders über Kinder und Jugendliche, denen es nicht so gut geht. Nun ist es Zeit für die Aktion "Mutmacher" - mit Til Schweiger.

Von Uli Hauser

Til Schweiger hilft Natalie Duelsen bei den Hausaufgaben

Til Schweiger hilft Natalie Duelsen bei den Hausaufgaben

Als stern-Reporter habe ich viele Kinder getroffen, denen es nicht so gut geht. Eines Tages dachte ich mir: Schreib nicht nur darüber, sondern gib ihnen die Möglichkeit, selbst zu sagen, wie sie sich fühlen. So druckten wir die Geschichten von Kindern, deren Eltern sehr wenig Geld verdienen. Die Kinder erzählten von ihren Eltern, ihrem Zuhause, von ihren Träumen und Hoffnungen. Wir nannten sie: "Kleine Kämpfer". Als der Bericht erschienen war, rief Til Schweiger an. Der Schauspieler und Vater von vier Kindern zeigte sich berührt und fragte, ob er den Kindern helfen könne. Er besuchte eines der porträtierten Mädchen zu Hause in Hamburg-Jenfeld und überraschte sie mit Weihnachtsgeschenken.

Einfach so, aus einem Bedürfnis heraus. Und wir beide, Reporter und Schauspieler, überlegten, ob wir nicht gemeinsam mehr tun könnten für die Kinder. Es gibt sehr viele Initiativen und sehr viele beeindruckende Persönlichkeiten, die sich kümmern. Und trotzdem weiterhin eine unvorstellbar hohe Zahl von Kindern, die unter der Armutsgrenze leben. Und nicht die Chancen bekommen, die sie verdienen. Eine Million sind es vielleicht, vielleicht auch mehr. Wie helfen?

"Der entscheidende Punkt ist doch, wie wir mit unserem Leben dazu beigetragen haben, dass das Leben der Anderen sich verbessert. Daran bemisst sich die Bedeutung unseres Lebens."
(Nelson Mandela)

Mutmacher müssen her

Vielen Kindern und Jugendlichen fehlt heute ein Wegbegleiter, der ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Im besten Fall sind dies Vater oder Mutter oder Lehrer. Aber sehr viele Eltern sind zu sehr mit eigenen Problemen beschäftigt, die Lehrer können sich nicht um jeden Einzelnen so kümmern, wie es nötig wäre. Die Angestellten in den Jugendämtern sind an den Grenzen ihrer Kraft und können das Elend oft nur noch verwalten.

Was Kinder und Jugendliche also brauchen, sind Mutmacher. Menschen, denen sie vertrauen können. Die ihnen Zeit und Zuwendung schenken. Persönlichkeiten, die immer für sie da sind, die ihnen zuhören und Unterstützung anbieten. Typen, die fragen, wie es ihnen geht. Die wirklich an einer Entwicklung interessiert sind. Die es zu ihrer Sache machen, dass Nena und Tibor, Sandra und Ibrahim mit ihren Problemen nicht allein sind. Und eine stabile Beziehungen über einen langen Zeitraum aufbauen können, damit Vertrauen und Bindung wachsen kann.

Deshalb haben wir uns entschlossen, die Aktion "Mutmacher" zu gründen. Gemeinsam mit der Stiftung stern und dem Kinderhilfswerk Arche. Die Arche, mittlerweile in zehn deutschen Städten vertreten, ist für Tausende Kinder und Jugendliche zu einem Zufluchtsort geworden. Hier erhalten sie nach der Schule ein warmes Mittagessen, hier können sie ihre Hausaufgaben machen und Freizeit verbringen. Und hier sollen jetzt noch mehr "Mutmacher" arbeiten, die mit Kindern und Jugendlichen individuell einen Plan entwickeln, wie ihr Leben gelingen kann. Ein Mutmacher ist nicht nur Sozialarbeiter und Coach: Er ist ein wirklicher Vertrauter. Ein Mensch, mit dem sich Kinder und Jugendliche verbinden und verbünden können.

Konkrete Hilfestellung

Nehmen wir zum Beispiel Meik. Er ist 14 Jahre alt, trägt eine Brille und ist ein wenig pummelig. Aber er hat einen Traum: Er möchte gerne zur Feuerwehr gehen, wenn er mit der Schule fertig ist. Kaum einer, der ihm das zutraut: Du bist zu dick, sagen die einen. Du kannst nicht rennen, sagen die anderen. Er macht nur schlechte Erfahrungen. Aber er weiß, was er will. Viele in seinem Alter wissen dies nicht. Ein Mutmacher wird mit ihm darüber reden, was seinem Traum im Weg steht. Wie es ihm in der Schule geht. Was ihn freut, was ihn stört. Ein Mutmacher wird mit Meik besprechen, ob er nicht vielleicht mit Sport beginnen möchte. Einen Kontakt herstellen, zum Beispiel zu einem Boxtrainer. Ein Mutmacher wird gemeinsam mit Meik herauszufinden versuchen, warum er so viele Süßigkeiten isst. Ob er grundsätzlich seine Nahrung umstellen sollte. Schritt für Schritt wird es gehen, damit Meik dem Plan, den er für sein Leben hat, näherkommt.

Nehmen wie Natalie. Sie ist acht Jahre alt und wohnt derzeit bei ihrer Oma in Hamburg-Jenfeld. Sie teilen sich eine Matratze in einem kleinen Zimmer. Natalie kann sich sehr gut artikulieren, umso schmerzlicher ist, wenn sie über ihren größten Wunsch spricht. "Ich möchte", sagt sie,"dass meine Mutter mich mal in den Arm nimmt." Diesen Wunsch kann ein Mutmacher ihr nicht erfüllen; aber hier ist klar, dass die Familienverhältnisse einer Klärung bedürfen. Auch die Mutter Rat und Unterstützung braucht. Mutmacher sehen nie nur den einzelnen Menschen, sondern setzen sich eben auch mit den Verhältnissen auseinander und suchen nach Lösungen.

Oder nehmen wir Nina, 16. Vor sechs Jahren noch war sie ein selbstbewusstes Mädchen, das Schach lernen wollte und Plattdeutsch. Seitdem hat sie in ihrem Leben kaum noch gute Erfahrungen gemacht. Und was sie erlebte, hat sie entmutigt. Heute wiegt Nina unter 50 Kilo und geht seit einem Jahr nicht mehr in die Schule. Die Schulbehörde hat sie dafür mit Sozialstunden in einem Jugendheim bestraft. Dort arbeitete Nina in der Küche und fand Gefallen an ihrem Job. Ein Mutmacher würde sie in diesem Gefühl bestärken; und gemeinsam mit ihr nachdenken, ob Serviceleistungen für andere eine Perspektive sein könnte. Nina kümmert sich auch um eine behinderte Freundin; vielleicht könnte sie später auch in einem Haus für Behinderte arbeiten?

Aber erst einmal ist wichtig, dass Nina mit Ärzten spricht, wichtig ist auch, innerhalb der Familie zu klären, wie sie Nina besser unterstützen kann.

"Mutmacher": Til Schweiger und der stern helfen mit vereinten Kräften

Es werden Spenden gebraucht

Das Mutmacher-Projekt von Stiftung stern und der Arche wird massgeblich gefördert durch Til Schweiger und Spenden aus dem RTL Spendenmarathon 2013. "Es ist ein Skandal", sagt Til Schweiger, "dass in Deutschland über zwei Millionen Kinder in Armut leben. Das ist nicht hinnehmbar. Aber es scheint keinen so richtig zu kümmern. Ich finde: Das darf so nicht sein. Mit dem Spendenmarathon kann ich zumindest für ein paar arme Kinder etwas tun. Vielleicht haben diese Kinder dann weniger Angst vor dem, was kommen wird".

Vor wenigen Tagen besuchte Til Schweiger die Hamburger Arche. Er schnappte sich spontan eine Schürze und gab das Mittagessen aus. Ließ sich von den Kindern durch die Räume führen und spielte mit ihnen Tischtennis. Er erkundigte sich bei ihnen, wie es ihnen in der Schule und zu Hause geht. Und versprach, wiederzukommen. Und vielleicht sogar zu kochen. "Ich kann besonders gut Nudeln."

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