Ohne Gewehr – Leben nach dem Biathlon Vom großen "Danach"

  • von Rupert Sommer
Michael Antwerpes bleibt an den Stars dran – auch nach ihrer aktiven Sportkarriere: So trifft er diesmal die norwegische Biathletin Tiril Eckhoff.
Michael Antwerpes bleibt an den Stars dran – auch nach ihrer aktiven Sportkarriere: So trifft er diesmal die norwegische Biathletin Tiril Eckhoff.
© rbb
Wie leben Biathlon-Stars nach der Karriere? Die Dokumentation mit Sportreporter Michael Antwerpes begleitet Tiril Eckhoff, Nadine Horchler und Benedikt Doll auf ihrem Weg in neue Lebenskapitel – zwischen Neustart, Selbstfindung und überraschenden Wendungen.

Viele Biathlon-Fans kennen sie von den tollen Fernsehbildern – vom Jubel beim Zieleinlauf in den winterlichen TV-Übertragungen. Doch was geschieht nach dem Ende einer Spitzenkarriere? Die ARD widmet sich dieser Frage auch in der neunten Staffel der erfolgreichen Doku-Reihe "Ohne Gewehr – Leben nach dem Biathlon", die einst 2017 startete. Diesmal trifft Moderator Michael Antwerpes drei außergewöhnliche Persönlichkeiten, die auf sehr unterschiedliche Weise ihren Platz im Leben nach dem Leistungssport finden – zwischen Aufbruch, beruflicher Neuorientierung und persönlicher Verarbeitung.

Den Auftakt bildet der Besuch bei Norwegens Superstar Tiril Eckhoff. Die mehrfache Weltmeisterin, Olympiasiegerin und Gesamtweltcup-Gewinnerin war über Jahre eine der schillerndsten Figuren des Biathlon-Weltzirkus. Publikumsliebling wurde sie nicht nur durch ihre Triumphe, sondern auch durch ihre unverwechselbare Art: "Eckhoff siegte und strahlte, Eckhoff verschoss und strahlte dennoch", heißt es bei der ARD. Das ansteckende Lachen und der selbstironische Umgang mit Erfolgen und Misserfolgen machten sie zum Fanliebling.

Doch eine Corona-Infektion kurz nach der Saison 2021/22 stellte ihr Leben auf den Kopf. Schlafprobleme und Antriebslosigkeit führten zu der Erkenntnis, dass sie mit Biathlon nicht mehr weitermachen konnte, wie man in der Nahbetrachtung von Michael Antwerpes erfährt. Der beliebte Sportkenner und Moderator begegnet einer Frau im Neuanfang: Eckhoff tanzt in der norwegischen Version von "Let's Dance", hält Vorträge, arbeitet als TV-Expertin – und spricht so offen wie nie über ihre psychischen Belastungen während des Abschieds vom Profisport.

Weiter dran am zentralen Thema: Körper und Geist in Einklang bringen

Auch Nadine Horchler erzählt eine Geschichte vom Kämpfen. Die Athletin aus Nordhessen ordnete ihrem Traum vom Weltcupteam alles unter und folgte Erfolgstrainer Bernhard Kröll bis nach Mittenwald. Doch der Weg erwies sich als steinig. "Immer wieder scheitert sie an ihren eigenen Ansprüchen und der Unberechenbarkeit der Trainer", bilanziert die Doku.

Ohne die finanzielle Unterstützung von Verbänden oder Behörden kellnerte sie, um sich den Sport überhaupt leisten zu können. Als ihre Karriere nahezu beendet schien, gelang ihr 2017 ein unerwarteter Triumph: der Sieg im Massenstart von Antholz – ein Sensationssieg vor Laura Dahlmeier. Heute kämpft Horchler auf andere Weise weiter: Mit Mitte 30 Jahren begann sie ein Psychologiestudium, machte ihren Master und arbeitet nun in einer Schmerztherapieklinik mit Kindern und Jugendlichen. Ihr Ziel: Körper und Geist heilen.

Schließlich besucht Antwerpes Benedikt Doll, der lange zu Deutschlands "Vier Musketieren" im Biathlon gehörte. Gemeinsam mit Arnd Peiffer, Erik Lesser und Simon Schempp sicherte sich Doll viele Titel und Trophäen. Der Weltmeister von 2017 und Doppel-Olympiamedaillengewinner war bekannt für seinen sportlichen Ehrgeiz – aber auch für seine vielen Interessen jenseits der Loipe. Kochen, Filmen, Musik: Dolls Hobbys waren vielfältig, doch eine Priorität stach stets hervor: seine Familie. Für sie beendete er seine Karriere sogar vor den Olympischen Spielen.

Heute fußt Dolls Alltag auf einem völlig anderen beruflichen Fundament. Nach einem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens tauschte er Sportkleidung gegen Blaumann und lässt sich nun zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik ausbilden. Beim Besuch in Kirchzarten schaut Antwerpes ihm dabei über die Schulter – er begleitet einen Athleten, der seinen Neustart mit beeindruckender Konsequenz angeht.

Mit ihren drei sehr persönlichen Porträts zeigt die neue Folge "Ohne Gewehr", wie unterschiedlich Lebenswege nach dem Spitzensport aussehen können – von Glamour und Bühnenlicht bis zur Arbeit in Klinik oder Handwerk. Doch etwas verbindet alle Protagonisten: ein starker Wille und der Mut, ein zweites Kapitel zu beginnen.

Ohne Gewehr – Leben nach dem Biathlon – Do. 22.01. – ARD: 17.20 Uhr

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