Tschernobyl – Die Katastrophe
Warum es geschah: 40 Jahre nach dem GAU

  • von Hans Czerny
In der Sowjetunion wurde die Nutzung der Kernkraft für zivile Zwecke massiv vorangetrieben. Das sogenannte "Friedliche Atom" sollte zum Rückgrat der sowjetischen Wirtschaft werden.
In der Sowjetunion wurde die Nutzung der Kernkraft für zivile Zwecke massiv vorangetrieben. Das sogenannte "Friedliche Atom" sollte zum Rückgrat der sowjetischen Wirtschaft werden.
© ZDF / LOOKSfilm / Evgeniy Vorontsov
Die Katastrophe von Tschernobyl jährt sich zum 40. Mal. Am 26. April 1986, um 01.23 Uhr, explodierte der Reaktor 4 des sowjetischen Kernkraftwerks, als der Versuch einer vorübergehenden Abschaltung vorgenommen wurde. Es sollte die größte atomare Katastrophe der Geschichte sein.

Am 26. April 1986, um 01.23 Uhr Ortszeit (23.23 Uhr MEZ), ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl im Reaktor 4 eine Kernschmelze, als der Reaktor daraufhin getestet werden sollte, ob auch bei einem Stromausfall genügend Energie für eine Notkühlung des Reaktors verfügbar ist. Der Unfall wurde zur bislang größten Katastrophe der friedlichen atomaren Nutzung. Lange Zeit blieb unklar, ob der GAU auf menschliche Fehler des Personals oder auf eine mangelhafte Konstruktion des 1977 erstmals eingesetzten Reaktormodells zurückzuführen war. Die neue ZDF-Dokumentation "Tschernobyl – Die Katastrophe" will wissen, wie es zu der Katastrophe kommen konnte und greift dabei auf früheres Archivmaterial zurück.

In der Sowjetunion wurde die Katastrophe lange verschwiegen, viele Länder Europas, darunter auch Deutschland, wurden mit radioaktiven Niederschlägen durch die Isotope Cäsium 137 und Jod 131 kontaminiert. Die radioaktive Wolke war zunächst in Richtung Schweden gezogen und erreichte Deutschland am 30. April. In Tschernobyl selbst, nahe der eigens errichteten Atomstadt Prypjat baute man einen Schutzmantel aus Stahlbeton um den zerstörten Reaktor, den sogenannten "Sarkophag", während Hilfskräfte mit einer Dekontamination im Radius von 30 Kilometern begannen. Die zu verzeichnenden Toten werden heute auf rund 4.000 beziffert. Als Langzeitgeschädigte könnten es aber auch – schwer nachweisbar – bis zum 40.000 Menschen gewesen sein, die Strahlenschäden und Krebserkrankungen erlitten.

Im Film des ZDF-Teams (Ariane Riecker, Dirk Schneider, Martin Jabs und Andreas Fauser) berichten Überlebende von der Katastrophe, aber auch von der Vertuschung durch die Behörden bis zum Ende der Sowjetunion. Inzwischen sind die meisten Modelle des Reaktortyps von Tschernobyl abgeschaltet und abgebaut, einige waren aber noch lange nach dem Unglück in Betrieb.

Der Film, in dem auch Zeugen aus dem Kontrollraum, wie etwa der Atomingenieur Nicolai Steinberg oder der leitende Maschinenbauingenieur Boris Stolyarchuk zu Wort kommen, die beide die Katastrophe überlebten, bringt Erinnerungen der damals Betroffenen aus nächster Nähe. Er fragt auch nach dem Ausmaß der Vertuschung danach und nach der Rolle von Tschernobyl im heutigen Krieg in der Ukraine.

Grundlage des Films ist die vierteilige Filmreihe "Tschernobyl – Die Katatstrophe" von 2023. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geben bereits hier Einblicke in den Aufstieg und Niedergang des Atomkraftwerks von Tschernobyl – einen Ort, an dem laut ZDF "der Glaube an die Atomkraft zur folgenschweren Katastrophe wurde". Die ZDFinfo-Reihe wird am Mittwoch, 22. April, spät in der Nacht im ZDF wiederholt, und sie ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Tschernobyl – Die Katastrophe – Di. 07.04. – ZDF: 20.15 Uhr

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