Neustarts Wenn ein Mann "keine andere Wahl" hat: Das sind die Kino-Highlights der Woche

  • von Jonas Decker
Um sich im Kampf um einen neuen Job gegen die Konkurrenz durchzusetzen, greift Man-soo (Lee Byung-hun) in "No Other Choice" zu drastischen Mitteln.
Um sich im Kampf um einen neuen Job gegen die Konkurrenz durchzusetzen, greift Man-soo (Lee Byung-hun) in "No Other Choice" zu drastischen Mitteln.
© Plaion Pictures
"Return to Silent Hill", "Ungeduld des Herzens" und "No Other Choice", eine neue abgründige Komödie des gefeierten südkoreanischen Filmemachers Park Chan-wook ("Oldboy"): Das sind die Kino-Neustarts am 5. Februar.

"No Other Choice", keine andere Wahl. Das klingt weniger drastisch als der Titel der englischen Romanvorlage, "The Axe" ("Die Axt"), wirkt aber auch nicht so schwammig wie die übersetzte deutsche Version "Der Freisteller". Die Idee dieser Geschichte wird derweil schon ganz gut getroffen: Basierend auf einem 1997 veröffentlichten Roman von US-Autor Donald E. Westlake erzählt der vielfach ausgezeichnete südkoreanische Fimemacher Park Chan-wook ("Oldboy") von einem Mann, der verzweifelt ist und keine Auswege mehr sieht. Ein Mann, der irgendwann durchdreht.

Außerdem neu im Kino: die Gruselspiel-Verfilmung "Return to Silent Hill" und "Ungeduld des Herzens", der Debütfilm von Lauro Cress, der bereits mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde.

No Other Choice

Wie weit soll, kann und darf man gehen, um die eigene Familie zu versorgen? Man-soo (Lee Byung-hun), Protagonist der abgründigen Satire "No Other Choice", wird extrem weit gehen. Der Spezialist für Papierproduktion wird nach 25 Jahren von seinem Arbeitgeber entlassen und gerät danach schnell unter Druck. Die Tennisstunden, das Auto für sene Frau (Son Yejin), das Haus, in dem seine Familie wohnt – das kostet alles viel Geld.

Man-soo gibt sich alle Mühe, schnell wieder Arbeit zu finden. Er besucht Aufbau-Seminare, versucht sich von seiner besten Seite zu zeigen. Aber irgendwie reicht es nicht. Nach einem besonders demütigenden Zwischenfall ändert er dann seine Strategie: alle Konkurrenten, die ihm bei der nächsten Jobvergabe im Weg stehen könnten, systematisch ausschalten ...

Park Chan-wook gehört seit über 20 Jahren zu den größten Aushängeschildern des südkoreanischen Films, und auch für seine Romanadaption "No Other Choice" erntet der Regisseur, Autor und Produzent dieser Tage wieder eine Menge Beifall. Acht Minuten stehender Applaus nach der Premiere in Venedig, zuletzt drei Golden-Globe-Nominierungen und Auszeichnungen auf diversen Festivals. Die "Washington Post" feiert den Film unter anderem für seinen "teuflischen Sinn für Humor", die BBC spricht sogar von einem neuen "Meisterwerk".

Return to Silent Hill

"James, es ist so viel Zeit vergangen. Es ist etwas passiert. Bitte, James, ich brauche Dich ..." – Mit dieser Nachricht an James Sunderland (Jeremy Irvine) wird die Geschichte angestoßen. Es ist eine dramatische und obendrein sehr mysteriöse Nachricht, denn: Die Verfasserin, James' frühere Freundin Mary Crane (Hannah Emily Anderson), ist eigentlich längst tot. Lebt sie vielleicht doch noch? Um das herauszufinden, macht James sich alsbald auf nach Silent Hill.

Silent Hill – viele Menschen, vor allem die mit einem Faible für Horror-Mystery-Stoffe, kennen den Ort. Ende der 90er-Jahre wurde eine mehrteilige Videospielreihe unter diesem Namen ins Leben gerufen, 2006 brachte der Franzose Christopher Gans eine erste "Silent Hill"-Verfilmung ins Kino. Sean Bean, kurz zuvor noch in den "Herr der Ringe"-Filmen zu sehen, spielte damals eine Hauptrolle. 2012 folgte ein Sequel von Regisseur und Autor M. J. Bassett ("Silent Hill: Revelation 3D"). 20 Jahre nach dem ersten Film sitzt nun abermals Christopher Gans auf dem Regiestuhl.

"Return to Silent Hill", der dritte Film der Reihe und gleichzeitig eine Art Reboot, basiert inhaltlich vor allem auf der Geschichte des Videospiels "Silent Hill 2". Von der Nachricht seiner totgeglaubten Freundin Hannah aus einer schweren, vernebelten Lethargie gerissen, sucht der alkoholkranke und depressive Maler James in Silent Hill nach Antworten. Der Trip, der viele Rätsel und noch mehr Grauen für ihn bereithält (inklusive Aufeinandertreffen mit dem ikonischen "Pyramid Head"), könnte ihn endgültig den Verstand verlieren lassen ...

Ungeduld des Herzens

Der erste große Film und dann gleich die ersten Preise eingeheimst: Die letzten Monate müssen ziemlich berauschend gewesen sein für Lauro Cress – ein bis vor Kurzem noch relativ unbekannter Regisseur, allerdings einer mit bekanntem Namen. Lauro Cress' Vater Curt Cress ist als Produzent und Schlagzeuger schon lange eine große Nummer im deutschen Kulturbetrieb. Der Junior spielte früher selbst in Bands, befasste sich auch schon intensiv mit Architektur und Fotografie, ehe er sich vor gut zehn Jahren auf das Filmemachen spezialisierte. Nach mehreren Kurzfilmen und Arbeiten in der Werbebranche debütierte er vor wenigen Monaten mit der Stefan-Zweig-Adaption "Ungeduld des Herzens", die jetzt mit einigen Vorschusslorbeeren in den Kinos startet.

"Ungeduld des Herzens" wurde zuletzt beim Max-Ophüls-Festival und dem Neiße Filmfestival als bester Spielfilm ausgezeichnet. Beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern gewann das Drama den Hauptpreis "Fliegender Ochse": "Das ist ein sehr außergewöhnlicher Film", lobte Andreas Dresen, Jury-Mitglied und selbst einer der angesehensten Filmemacher Deutschlands. Was Dresen besonders imponierte, war Cress' Umgang mit der knapp 90 Jahre alten literarischen Vorlage von Stefan Zweig. "Lauro Cress ist es wirklich gelungen, den Stoff mit Brachialgewalt in die Gegenwart zu katapultieren."

Stefan Zweigs "Ungeduld des Herzens" (1939), der einzige vollendete Roman des österreichischen Autors, erzählte seinerzeit von dem jungen Leutnant Anton Hofmiller. Bei Lauro Cress, der mit Florian Plumeyer das Drehbuch schrieb, heißt die Hauptfigur Isaac Nasic (verkörpert von Giulio Brizzi). Nasic absolviert in der Nähe von Berlin seine Ausbildung als Bundeswehrsoldat, als er bei einem Bowlingabend die junge Edith (Ladina von Frisching) kennenlernt. Erst auf den zweiten Blick sieht er, dass Edith, Tochter eines reichen Bauunternehmers, querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt. So beginnt eine außergewöhnliche Beziehung zwischen Zuneigung, Abhängigkeit, Schuld und Mitleid. Lauro Cress' "Ungeduld des Herzens" ist bereits die sechste Verfilmung des Zweig-Romans, in einer Nebenrolle wirkte unter anderem auch Thomas Loibl mit.

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