Wir Menschen halten im Alltag unzählige Dinge für selbstverständlich. Dazu gehört auch die Fähigkeit, zu hören und zu sehen. Doch wie ergeht es Menschen, bei denen das für so viele Selbstverständliche nicht funktioniert? – Die neue ZDF-Dokumentation "37°: Im Licht der Stille – Wenn blind taub liebt" begleitet die Schauspieler David, Cindy und Athena bei einem besonderen Filmprojekt. Gemeinsam arbeiten sie an einem Spielfilm, in den ihre eigenen Lebensgeschichten einfließen sollen. David lebt mit einer starken Sehbeeinträchtigung, Cindy und Athena sind gehörlos.
Die Dokumentation geht grundlegenden Fragen nach: Wie entsteht Nähe, wenn zentrale Sinne nicht uneingeschränkt zur Verfügung stehen? Gleichzeitig wird deutlich, dass die drei weit mehr sind als ihre Einschränkungen. Ihre persönlichen Geschichten stehen im Mittelpunkt und verbinden sich mit der offenen Frage, ob es ihnen gelingt, ihr Filmvorhaben erfolgreich umzusetzen.
Wer sind David, Cindy und Athena?
David etwa lebt mit einer fortschreitenden Augenerkrankung, die ihm nur noch ein sehr eingeschränktes Sehvermögen lässt. Früher war vieles für ihn selbstverständlich, vom Fahrradfahren bis zum Lesen. Heute ist das nicht mehr möglich. Dennoch ist seine Begeisterung für Filme ungebrochen. Ihn faszinieren Erzählungen, Stimmungen und die Vielfalt akustischer Eindrücke. Als er von einem Casting erfährt, nutzt er die Gelegenheit, obwohl ihm jede klassische Schauspielausbildung fehlt.
Cindy verfolgt eine klare Haltung. Sie setzt sich für mehr Diversität in der Filmbranche ein und fordert, dass gehörlose Rollen authentisch besetzt werden. Ihre Gehörlosigkeit wurde bereits in früher Kindheit festgestellt, ihre erste Sprache ist die Gebärdensprache. Obwohl sie ein Cochlea-Implantat trägt, betont sie, dass diese Entscheidung immer individuell bleiben muss und kein gesellschaftlicher Anspruch daraus entstehen darf. Ein Cochlea-Implantat (CI) ist eine elektronische Hörprothese. Das System wandelt Sprache und Geräusche in kodierte elektrische Pulse um.
Athena wiederum hat sich bewusst gegen ein solches Implantat entschieden. Nach mehreren Hörstürzen verlor sie in jungen Jahren ihr Gehör und fand ihren Platz in der gehörlosen Gemeinschaft. Sie kommuniziert über Gebärdensprache und versteht diese als festen Bestandteil ihrer Identität. Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin ist sie auch als Autorin tätig.
"37°: Im Licht der Stille – Wenn blind und taub lieben" zeigt eindrücklich, welche Bedeutung Inklusion in der Filmbranche hat, ohne deren Herausforderungen auszublenden. Vor allem aber erzählt die Dokumentation von drei Menschen, die ihren eigenen Weg gehen und ihren Traum vom Schauspiel mit Entschlossenheit verfolgen. Das Projekt von Cindy, Athena und David findet im Film "Als wäre es leicht" seine Vollendung. Das Drama wurde 2023 für den Deutschen Drehbuchpreis nominiert. Regie führte Milan Skrobanek.
Die Doku ist ab Dienstag, 21. April, auch in der ZDF-Mediathek verfügbar.
37°: Im Licht der Stille – Wenn blind taub liebt – Di. 07.04. – ZDF: 22.15 Uhr