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Abgeltungssteuer: Vorsicht beim Vorsorgen

Wer in Riester-Produkte, Lebens- oder Rentenversicherungen investiert, zahlt keine Abgeltungssteuer. Viele Finanzberater und Vertreter nutzen dies als Verkaufsargument für teure, wenig rentable Verträge. Hier lesen Sie, welche Sie meiden sollten.

Von Frank Donovitz und Joachim Reuter

Bislang gab es einen einfachen Weg, um privat für das Alter vorzusorgen: Monat für Monat Geld in einen Fondssparplan einzahlen. Das war flexibel und brachte auch ordentliche Renditen, sofern das Geld in einen Aktienfonds investiert wurde. Denn die Kursgewinne gab es nach einem Jahr steuerfrei. Durch die regelmäßige Anlage eines festen Betrages ließ sich das Auf und Ab der Börse gut ausgleichen. So waren langfristig Wertzuwächse von acht Prozent jährlich möglich.

Vorteil für Banksparpläne

Mit der neuen Abgeltungssteuer wird das Fondssparen jedoch deutlich unrentabler. Denn rund zwei Drittel des Anlageerfolgs stammen aus Kursgewinnen, von denen der Fiskus ab dem nächsten Jahr ein Viertel abschneidet. Damit schrumpft der Vorteil des Fondssparens gegenüber risikolosen Banksparplänen deutlich. Es gibt aber einen Ausweg: Fondssparen mit Riester.

Die gute Nachricht: Die staatlich geförderte Altersvorsorge ist von der Abgeltungssteuer befreit. Das betrifft nicht nur das Riester-Sparen, sondern auch Betriebsrenten und Lebensversicherungen. Für sie alle gelten die gerade in der Ansparzeit sehr günstigen Steuerregeln auch nach dem 1. Januar 2009 weiter.

Vorsicht vor hohen Provisionen

Die schlechte Nachricht: Gerade weil die neue Abgeltungssteuer für diese Anlageformen keine Rolle spielt, versuchen manche Finanz- und Versicherungsberater das Geld ihrer Kunden in solche Produkte umzulenken - oft mit zweifelhaftem Nutzen für die Verbraucher, dafür aber mit hohen Provisionen für den Verkäufer. Vorsicht ist geboten!

Riestern und Überzahlen

Erträge aus der staatlich geförderten Altersvorsorge, egal, ob es sich um Zinsen, Dividenden, Mieteinnahmen oder Kursgewinne handelt, werden in der Ansparzeit sofort wieder angelegt beziehungsweise gutgeschrieben - und zwar völlig steuerfrei. Auch am Ende der Sparzeit erfolgt vom angesparten Kapital kein einmaliger Steuerabzug. Zu versteuern sind lediglich die daraus gezahlten Renten (nachgelagerte Besteuerung). Die Steuerhöhe richtet sich nach den persönlichen Einkommensverhältnissen des Ruheständlers. In der Regel dürfte die Steuerbelastung dann niedriger sein als während des Berufslebens. Riester-Sparer machen also ein vergleichsweise faires Geschäft - zumindest mit dem Fiskus.

Teufel steckt im Detail

Riestern lässt sich auch mit Investmentfonds, insbesondere Aktienfonds. Eine naheliegende Werbung der Geldwirtschaft lautet daher: Wer abgeltungssteuerfrei in Aktien investieren will, macht dies einfach mit Riester - per monatlichem Sparplan oder durch die einmalige Einzahlung einer höheren Summe. Diese Botschaft ist grundsätzlich richtig, birgt aber Risiken im Detail.

Solche Anlagen bieten zum Beispiel der DWS (Deutsche Bank), der Deka (Sparkassen) und Union Investment (Volksbanken) an. Tipp: Am besten via Internet und Telefon direkt bei den Investmentgesellschaften danach fragen (siehe Tabelle oben). Die Banken selbst vertreiben an den Schaltern oft lieber Riester-Rentenversicherungen, die mehr Provision bringen.

Riester-Fonds gut für jüngere Sparer

Bis zu 2100 Euro jährlich können in Riester-Fonds gefördert angelegt werden. Eine gute Sache ist das besonders für jüngere Sparer, die auf die langfristigen Renditechancen von Aktien nicht verzichten und das Ersparte erst nach ihrem 60. Geburtstag antasten wollen. Zumal dann vom angesparten Guthaben knapp ein Drittel sofort abgehoben werden kann und im Todesfall die Erben auch etwas davon haben.

Die günstigen Steuerbedingungen fürs Riestern machen die Fondsgesellschaften kreativ. So wirbt die DWS für die "Überzahlung" von Riester-Verträgen. Anleger, so der Lockruf, könnten beliebig viel Geld in Riester-Fonds investieren, weit mehr jedenfalls, als der Staat fördert, und damit die Abgeltungssteuer umgehen. Das ist prinzipiell richtig, doch sind zwei Voraussetzungen zu beachten. Der Vertrag muss mindestens zwölf Jahre lang laufen, und das Geld aus der Überzahlung fließt erst ab dem Alter von 60 Jahren. Es zeigt sich: Die "Überzahlung" kann zwar die Abgeltungssteuer vermeiden, schränkt aber die Verfügungsmöglichkeiten ein. Und bei der Auszahlung müssen am Ende doch Steuern gezahlt werden - wenn auch nach den vergleichsweise günstigen Regeln für Kapitallebensversicherungen (siehe nächster Punkt).

Lebensversicherungen

Kapitalbildende Lebensversicherungen gehören zu den Gewinnern der Steinbrück'schen Reform. Erträge werden in der Ansparzeit steuerfrei wieder angelegt, und bei Auszahlung des Ersparten ist nur die Hälfte der Erträge (Auszahlsumme minus eingezahlte Beiträge) mit dem persönlichen Steuersatz des Sparers zu versteuern. Daraus ergibt sich gegenüber der Auszahlung von abgeltungssteuerpflichtigen Gewinnen aus Wertpapieren ein Steuervorteil. Der Spitzensteuersatz müsste von heute bis zu 45 Prozent auf mehr als 50 Prozent steigen, damit die Abgeltung günstiger wird. Doch den Steuervorteil knüpft der Staat an Bedingungen: Der Vertrag muss mindestens zwölf Jahre bestanden haben und darf erst nach dem 60. Geburtstag ausgezahlt werden.

Betriebsrenten

Wie die Lebensversicherung ist auch die Betriebsrente von der Abgeltungssteuer nicht betroffen. Hier steckt der Arbeitgeber vom Bruttogehalt des Beschäftigten monatlich einen bestimmten Betrag in die Altersvorsorge, zum Beispiel in einen Pensionsfonds oder eine Pensionskasse. Die Einzahlungen und die Erträge während der Ansparzeit bleiben komplett steuerfrei. Der Staat greift erst bei der Auszahlung zu - dann aber mit dem persönlichen Steuersatz, der im Ruhestand meist niedriger ist.

Rürup-Rente

Einige Fondsgesellschaften bieten mittlerweile Rürup-Sparverträge mit Investmentfonds an. Das Geld wird allerdings in Dachfonds gesteckt, die vergleichsweise teuer und wenig transparent sind. Die Einzahlungen können teilweise von der Steuer abgesetzt und die Erträge ohne Abzug von Abgeltungssteuer wieder angelegt werden. Die individuelle Besteuerung erfolgt dann bei der Auszahlung. Die Rürup-Rente kann ein Steuersparmodell für Besserverdienende sein, doch sie ist keine flexible Geldanlage: Die Auszahlung ist nur als lebenslange Rente möglich - nicht als Einmalbetrag. Das angesammelte Kapital ist nach dem Tod des Sparers nicht vererbbar. Daraus folgt: Die Rürup-Rente taugt zur Altersvorsorge und nicht zum Austricksen der neuen Steuerregel. Finger weg!

Fondsversicherungen

Fondsgebundene Rentenversicherungen sind zum liebsten Kind der Finanzvermittler geworden - weil sie die höchsten Provisionen bringen. Peer Steinbrücks Abgeltungssteuer verschafft ihnen neue Verkaufsargumente. Die Berater locken damit, dass die Versicherung das ganze Depot ersetze. Gleichsam unter dem Schutz des Versicherungsmantels könne abgeltungssteuerfrei in die unterschiedlichsten Fonds investiert werden. Hier gilt: Höchste Alarmstufe für Verbraucher!

Für die Altersvorsorge existiert kaum ein teureres Produkt als die fondsgebundene Versicherung. Aus den Spargeldern werden die Provision des Verkäufers, die Verwaltungskosten der Versicherung und die Absicherung des Todesfallrisikos bezahlt. Obendrein verlangen auch die Fondsanbieter Gebühren, teilweise zuzüglich Provisionen. Analysten ermitteln für Fondspolicen einen Kostenanteil von mehr als 20 Prozent. Bei so vielen geöffneten Händen lässt sich nicht viel Rendite erwirtschaften. Zu vertretbaren Konditionen werden solche Fondspolicen allenfalls von Direktanbietern wie Cosmos angeboten.

Inzwischen haben auch Peer Steinbrücks Beamte erkannt, dass die Fondspolice zum Steuerschlupfloch gemacht werden soll. Das Bundesfinanzministerium stellt nun strikte Anforderungen: Ohne ausreichenden Risikoschutz gibt es keine Steuervergünstigung. Rentenpolicen müssen dem Kunden die Auszahlungen bis zum Tode garantieren.

Fazit

Weil die Abgeltungssteuer die bisher üblichen Fondssparpläne trifft, wird Vorsorgesparen mit Riester-Fonds noch empfehlenswerter. Fondsgestützte Rürup- Sparverträge sind mit Vorsicht zu genießen und allenfalls für Selbstständige bedenkenswert. Fondsgebundene Versicherungen bleiben eines der schlechtesten Finanzgeschäfte: teuer, undurchsichtig und nur begrenzt steuerbegünstigt. Klassische Lebens- und Rentenversicherungen unterliegen nicht der Abgeltungssteuer und können weiterhin ein vernünftiger Baustein für die Altersvorsorge sein - wenn sie von seit Jahren sehr gut bewerteten Anbietern kommen.

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Von:

Joachim Reuter und Frank Donovitz