HOME

ANALYSE: Euro-Einfluss auf Devisenmärkte ungewiss

Psychologischer Positiv-Effekt der Einführung durchaus möglich, Spekulationen über eine Kursentwicklung sind aber in beide Richtungen möglich.

Seit dem Start des Euros als Buchgeld vor knapp drei Jahren hat die neue Währung gegenüber dem Dollar deutlich verloren. Und weil die D-Mark untrennbar mit dem Euro-Kurs verbunden ist, müssen reiselustige Deutsche beim Tausch in US-Dollar, Schweizer Franken oder Britische Pfund einiges hinblättern. Die praktischen Vorteile der gemeinsamen Währung - wie etwa das grenzüberschreitende Reisen ohne kostspieligen Geldumtausch im Euro-Raum - gibt es aber erst mit der Bargeldeinführung ab 1. Januar 2002.

Ob sich damit allerdings auch der Kurs des bei vielen Fachleuten als unterbewertet geltenden Euros erholt, ist nach Auskunft von Experten höchst ungewiss.

Psychologische Aufwertung

Nach Auffassung von Wolfgang Gerke, Professor am Lehrstuhl für Bank- und Börsenwesen, wird der Euro mit der Bargeldeinführung eine psychologische Aufwertung erfahren. Die neuen Scheine und Münzen in der Hand zu haben in dem Wissen, damit in zwölf Ländern umstandslos einkaufen zu können das dürfte schon »europaweit einen gewissen Stolz auf die Währung produzieren«.

Warten führt zu Unischerheit

Vorerst aber trägt das Warten auf das Bargeld eher zur Unsicherheit bei, gibt der Wissenschaftler zu bedenken. Er weist auch darauf hin, dass die nur noch befristete Geltungsdauer der D-Mark ein Umsteigen auf den Dollar in jenen Ländern befördert hat, in denen die D-Mark lange Zeit als übliche Zweitwährung anerkannt war - wie etwa in der Türkei oder in Russland oder sogar als gesetzliches Zahlmittel wie in Montenegro.

Bargeld kommt zurück

Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass nach Schätzungen der Bundesbank rund 30 Prozent des deutschen Bargeldumlaufs - entsprechend etwa 65 Milliarden D-Mark - im Ausland verwendet oder verwahrt wurden. Der bei der Bundesbank verzeichnete verstärkte Rückgang im Bargeldumlauf in 2001 ist ein Zeichen dafür, dass die deutschen Banknoten in diesen Monaten vermehrt aus dem Ausland zurückkommen.

Auslandsumtausch hat kaum Kurswirkung

Die Zentralbanker weisen allerdings die Vermutung zurück, dass der Auslandsumtausch von deutschem Bargeld in andere Währungen die Kursentwicklung des Euro wesentlich beeinflusst. Auch wenn die Summe in absoluten Zahlen beträchtlich erscheint, ist der Betrag im Verhältnis zu den Umsätzen an den Devisenmärkten minimal und eine Auswirkung auf die Kurse schon von daher unwahrscheinlich.

Urlaub ohne Kursrisiko

Nach Einschätzung des Commerzbank-Euro-Analysten Michael Schubert ist insgesamt eine verlässliche Aussage über die Kursentwicklung im Zusammenhang mit der Umstellung auf Euro-Bargeld derzeit praktisch unmöglich. Zwar hält auch Schubert den Euro an den Devisenmärkten für unterbewertet. Aber »ich würde nie auf eine schnelle Aufwertung spekulieren und auch kein Geld auf einen Kursanstieg durch die Bargeldeinführung setzen«, sagt er.

Keine Einschätzung möglich

Denn ebenso ist nach der Jahreswende eine negative Entwicklung denkbar, wenn beispielsweise die Wachstumszahlen schlechter ausfallen als erwartet oder es bei der Umstellung auf das neue Geld doch logistische Probleme gibt. Spekulationen sind in beide Richtungen möglich, aber ein Szenario für wahrscheinlicher zu erklären als ein anderes, entbehrt jeder Grundlage.

Ulrike Naumann