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Börse: Fast so sicher wie ein Sparbuch

Wer die richtigen Aktien besitzt, bekommt einmal im Jahr eine Dividende. Allein deshalb lohnt sich der Kauf.

Dividende kommt vom lateinischen Wort "dividere" und heißt "teilen". In den Ohren von Geldanlegern ist das Musik. Geteilt werden nämlich Teile des Gewinns einer börsennotierten Firma unter ihren Eigentümern, den Aktionären. Dabei zeigt sich: Zum Aktionärsglück braucht es nicht immer nur Kursraketen. Es hilft auch die eher schnöde wirkende, im Idealfall alljährlich wiederkehrende Überweisung einer Dividende.

So kann sich die Ausschüttung

längerfristig bezahlt machen: Bei Siemens zum Beispiel gab es zuletzt 1,25 Euro je Aktie. Wer im Februar 1999 für 1000 Mark, also rund 500 Euro, zwölf Siemens-Aktien gekauft hat, verdiente allein durch Dividendenzahlungen des Münchner Technikkonzerns 111,54 Euro. Das entspricht einer Rendite von mehr als 22 Prozent aus sieben Geschäftsjahren, also gut drei Prozent jährlich - völlig unabhängig vom Auf und Ab beim Aktienkurs. Rechnet man die Kursentwicklung noch hinzu, beträgt der Depotwert der zwölf Siemens-Papiere, ohne Berücksichtigung von Bonusaktien, heute gut 700 Euro (annähernd 50 Prozent Plus). Die Gesamtrendite - Kursgewinn plus Dividenden - beläuft sich nach sieben Geschäftsjahren auf rund 70 Prozent. Macht im Schnitt zehn Prozent Plus pro Jahr.

Eine gute Entscheidungshilfe beim Aktienkauf ist daher die Dividendenrendite. Sie ergibt sich aus dem aktuellen Preis für eine Aktie und der zuletzt gezahlten oder schon versprochenen Dividende. Der Blick auf diese täglich mit dem Aktienwert schwankende Prozentzahl war während der Börseneuphorie um das Jahr 2000 fast verpönt. Heute ist sie für viele Börsenprofis wieder wichtig. Mehr als ein Dutzend Fonds und Zertifikate setzen ganz gezielt auf Erträge durch diese Ausschüttung. Mit Erfolg: Der auf Aktien aus der Eurozone spezialisierte Dividenden-Strategie-Fonds der Baden-Württembergischen Kapitalanlagegesellschaft (BWK) zählt seit Jahren zu den besten seiner Klasse.

Hohe Dividendenrendite

allein signalisiert aber noch keinen vielversprechenden Aktienkauf. Eine weitere Maßzahl, das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz "KGV" genannt, ist das Preisschild einer Aktie. Dabei gilt: je kleiner die Zahl, desto günstiger der aktuelle Preis im Verhältnis zum geschätzten, künftigen Gewinn des Unternehmens. Siemens hat bei einem Kurs um 60 Euro eine Dividendenrendite von rund zwei Prozent und ein geschätztes KGV von 15. Günstig oder schon zu teuer? Die Aktie des Düsseldorfer Industrie-Riesen Thyssen-Krupp gibt es derzeit für ein KGV von neun - und bietet als Dividendenrendite rund 3,6 Prozent. Also besser Thyssen statt Siemens ins Depot? Ganz so einfach ist es nicht. Denn neben KGV und Dividende bestimmen auch etliche Bilanzdaten, Branchenaussichten und Managerqualitäten die Rentierlichkeit einer Firmenbeteiligung per Aktie. Und nicht zu vergessen die Stimmung an der Börse.

Frank Donovitz / print
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