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Börsenhype: Steigt der Dax auf 9000 Punkte?

Nie standen die deutschen Aktien so hoch: Punkt 09:03 Uhr schoss der Dax, der die Kursentwicklung der 30 größten heimischen Börsenwerte widerspiegelt, auf 8151 Punkte - ein Allzeithoch. Es ist der 13. Juli 2007, ein Freitag.

Von Frank Donovitz

Seit Wochen wabert das Börsenbarmeter nun schon um die scheinbar magische Marke von 8000, die Anlegerschaft in Angst vor der eigenen Courage - oder nur ausgestattet mit einem schlechten Gedächtnis? Wir erinnern uns: Schon einmal, am 7. März 2000 stand der Dax so hoch, schloss auf 8136 Punkten. Jubel, Trubel, nie mehr Arbeiten. Einen Tag später begann die rasanteste Börsentalfahrt der Neuzeit, runter bis auf 2202 Pünktchen, erreicht im März 2003. Entsetzen, Weltuntergang, nie wieder Aktien.

Keine verstandsfreie Blase

Die seitdem erreichte Punktzahl hat mit derselben vor gut sieben Jahren nichts gemein - ausgenommen ihre psychotische Wirkung. Für die T-Aktie berappten Anleger damals das 78-fache des geschätzten Jahresgewinns des Unternehmens, Papiere der Softwarefirma SAP gingen sogar für das Hundertfache weg. Heute gibt es beide Aktien etwa zum 23-fachen des geschätzten Gewinns - nicht billig, aber noch verstandsmäßig erklärbar. Im Schnitt sind die Dax-Werte noch weit günstiger, knapp das 15-fache der Gewinne liegt derzeit auf dem Tisch, pardon, auf dem Parkett. Von einer verstandsfreien "Blase", wie sie sich im Frühjahr 2000 aufgepummt hatte, kann heute keine Rede sein. Jedenfalls nicht beim Gros der Dax-Aktien. Wohl aber in Teilen Asiens, und teils auch an den amerikanischen Börsen.

Und wie weiter beim Dax?

Börsianer am Scheideweg

Entweder noch deutlich weiter nach oben, oder mindestens genauso deutlich nach unten, heißt es in Frankfurt. Die Börsianer wähnen sich am Scheideweg. Für einen Absturz sprechen steigende Zinsen, schwelende Kreditklemmen, ein überteuerter Euro respektive ein weiterer Dollar-Verfall, nicht gerade unwahrscheinliche Börsenbeben in Asien und/oder den USA. Für einen Dax-Durchbruch auf 8500 Punkte, wie ihn beispielsweise die Deutsche Bank bis Jahresende erwartet, spricht die gute Verfassung vieler Dax-Firmen, die der Weltwirtschaft und die der Kassenlage internationaler Investoren.

Rein, raus? Wir haben die Wahl.

Entspannt: Investmentfonds-Sparer

Für (Wieder-)Einsteiger: Discount-Zertifikat, geeignet für Skeptiker, die es gleichwohl nicht lassen können (wollen). Die dürfen sich erst dann ärgern, wenn der Dax kommendes Frühjahr vielleicht Richtung 9000 marschiert. Für Dabeigebliebene: Hälfte stehen lassen, andere Hälfte verkaufen, zu immerhin fast vier Prozent sicher anlegen. Dieses Spielchen lässt sich beliebig lange fortsetzen - je nach persönlicher Gier oder Angst. Psychotisch eben. Völlig entspannt können Investmentfonds-Sparer sein. Ihre Strategie, langfristig mit kleinen Monatsbeträgen in Aktien anzulegen, geht fast immer auf. Sogar, wenn man damit am 7. März 2000 begonnen hätte. Ein Dienstag.

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