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Wem hilft die EZB-Geldschwemme? Nur Otto-Normalsparer ist der Dumme

Die EZB wirft die Gelddruckmaschine an - das nützt nicht allen
Die EZB wirft die Gelddruckmaschine an - das nützt nicht allen
© Colourbox.de
Mehr als eine Billion Euro pumpt die Europäische Zentralbank in die Märkte. Das ist gut für Unternehmen, Aktionäre und den Staat. Nur der durchschnittliche Kleinsparer zahlt leider drauf.
Von Daniel Bakir

Die Notenbanker von der EZB haben die Spendierhosen angezogen. Nachdem sie das Geld durch Nullzinsen schon gnadenlos günstig gemacht haben, werfen sie nun auch noch die Gelddruckmaschinen an. Von dem selbst gedruckten Geld kaufen die Währungshüter Staatsanleihen im Wert von 60 Milliarden Euro - und zwar jeden Monat von heute bis mindestens September 2016. Unglaubliche 1,1 Billionen Euro sollen so in den Wirtschaftskreislauf gelangen. Erklärtes Ziel ist es, eine Deflation, also eine Spirale fallender Preise, zu bekämpfen und die Wirtschaft im Euroraum ordentlich anzukurbeln.

Es gibt also Geld für alle, wer will sich da beschweren? Sie vielleicht? Möglicherweise hätten Sie gute Gründe, wissen es nur nicht. Hier ein kleiner Schnellcheck, ob Sie sich über die Geldflut der EZB freuen sollten oder nicht.

Sind Sie Chef einer Bank?

Herzlichen Glückwunsch! Dank des historisch niedrigen Leitzinses von 0,05 Prozent konnte sich Ihr Institut das Geld von der Zentralbank bereits zuvor zum Nulltarif leihen. Trotzdem haben Sie die Wirtschaft aus Sicht der Notenbanker bislang nicht ausreichend mit Krediten versorgt. Daher kauft Ihnen die EZB nun auch noch jede Menge Staatsanleihen ab. Damit Sie von nun an gar nicht mehr wissen, wohin mit der ganzen Kohle.

Besitzen sie ein Unternehmen?

Auch schön! Sie sollten nun leichter an derzeit ohnehin unschlagbar günstige Kredite kommen, um Investitionen zu finanzieren. Wenn Sie viel exportieren, können Sie sich doppelt freuen. Wegen der Geldschwemme wird der Euro immer weniger wert, sodass Sie für Ihre Waren im Ausland vergleichsweise mehr bekommen.

Sie sind am Aktienmarkt investiert?

Dann sind Sie auch bei den Gewinnern. Denn was gut für Unternehmen ist, ist auch gut für die Menschen, die Anteile daran halten. Der Dax ist seit der Ankündigung des Billionenprogramms Anfang des Jahres bereits kräftig gestiegen. Schön für alle, die genug Geld hatten, um sich frühzeitig einzukaufen.

Wollen Sie sich verschulden?

Schulden machen bleibt auch für Verbraucher günstig. Wenn Sie eine Immobilie finanzieren wollen, können Sie weiterhin von niedrigen Kreditzinsen profitieren. Wenn nur die Häuserpreise nicht so wahnsinnig gestiegen werden.

Sind Sie Finanzminister?

Wenn Sie Wolfgang Schäuble heißen oder Finanzminister eines anderen Euro-Landes sind, können Sie sich ebenfalls freuen. Dass die EZB Staatsanleihen kauft, heißt nämlich nichts anderes als dass sie in großem Stil staatliche Schulden finanziert. Schulden machen ist dann gar nicht mehr ganz so schlimm.

Sind Sie einfach nur ein ganz normaler Kleinsparer mit ein bisschen Geld auf der Bank?

Tja, in dem Fall haben Sie leider Pech gehabt. Irgendwer muss schließlich für die ganze Sause zahlen. Das tun die Kleinsparer, indem sie weiterhin auf Zinsen für ihr Sparbuchgeld verzichten. Die Anleihekäufe der EZB senken die Zinsen zwar nicht weiter, was faktisch sowieso kaum noch geht. Das EZB-Programm wird aber wohl dafür sorgen, dass die Spar-Situation sich in absehbarer Zeit auch nicht verbessert. Denn solange die Maßnahme läuft, geht man davon aus, dass der Leitzins im Keller bleibt. Auch die Lebensversicherungen sind gekniffen. Sie sind stark in Staatsanleihen investiert, deren Renditen wegen des EZB-Eingriffs weiter gedrückt werden dürften. Wer eine Lebensversicherung hat, sollte daher nur mit den garantierten Zinsen rechnen - und nicht mit mehr.


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