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Hardrock-Café in Berlin: Der Sound des Dollars

Mit viel Krawumm hat das Hard Rock Café in Berlin seine neue Dependance eingeweiht. Doch der Krawumm kann nicht darüber hinwegtäuschen, worum es eigentlich geht: Fast-Food, Dollars und ein bisschen Nostalgie.

Von Theresa Breuer

Yeah, yeah, yeah! Da geht ja richtig die Post ab, direkt auf dem Kurfürstendamm! Evil Jared Hasselhoff, Bassist der Bloodhound Gang, schwingt eine Gitarre, holt aus, zertrümmert das Gerät, der Hals bricht ab, die Fetzen fliegen. Neben ihm Amy McDonald, auch sie prügelt eine Gitarre in Stücke, ein paar Zentimeter weiter zerstört Kellnerin Rita Gilligan ihr Instrument. Die Kameras klicken, Passanten bleiben stehen, eine Gewaltorgie am helllichten Tag, das ist selbst für 1-Mai-gestählte Berliner ungewöhnlich, zumal hier, auf dieser bürgerlichen Flaniermeile im alten Westen.

Aber… warum tragen der "böse" Hasselhoff, McDonald und Gilligan gelbe Bauarbeiterhelme? Natürlich: Verletzen soll sich bitte niemand.

Und die Gitarren? Es sind Instrumente mit Produktionsfehlern, die sowieso im Müll gelandet wären, beschwichtigt der Veranstalter. Außerdem soll für jede zerstörte Gitarre eine neuwertige an eine Berliner Musikschule gespendet werden.

So ist das mit dem Hard Rock im Jahr 2010: eine äußerst sozialverträgliche Inszenierung. Zweck der Übung sind ein paar Pressefotos, die auf den Umzug des Berliner Hard Rock Cafés hinweisen sollen. Es residiert seit vergangener Woche in einem Eckgebäude am Ku'damm 224, das im Bauhausstil gebaut wurde. Innen erwarten den Besucher cremefarbene Sofas, sanftes Licht und eine elegant geschwungene Bar. Das behagt auch Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen, die zur Eröffnung gekommen ist.

Wichtig: bummelnde Touristen

Knapp 130 Hard Rock Cafés sind mittlerweile über den Globus verstreut, in mehr als 54 Ländern ist die Kette vertreten. Die Zeiten, in denen sich Eric Clapton in der Londoner Filiale zwischen Whiskey-Flecken und Rauchschwaden am Tresen fest hielt, sind lange vorbei. "Unser Konzept ist es, Hard Rock Café für alle Menschen zugänglich zu machen, die gute Musik und eine gute Atmosphäre erleben wollen", sagt Konzernchef Hamish Dodds zu stern.de. Dodds, gebürtiger Schotte und Liebhaber des Golfsports, hat zuvor im Management von Pepsi gearbeitet. Nun muss er keine Krawatten mehr tragen, aber vielleicht ist das auch der einzige Unterschied.

Im Jahr 2009 hat die Kette nach eigenen Angaben 100 Millionen Dollar Gewinn erzielt, trotz globaler Finanz- und Wirtschaftskrise. Da die westliche Hemisphäre schon weitgehend mit Hard Rock Cafés ausstaffiert ist, will Dodds nun in Osteuropa und Asien expandieren. Wichtig sei vor allem der konkrete Standort, sagt er im Gespräch mit stern.de. Was das bedeutet, lässt sich in New York, Beirut, Bali oder Berlin leicht nachvollziehen: Die Cafés liegen an prominenten, stark frequentierten Einkaufsstraßen, wo massenweise Touristen bummeln. Diese Menschen werden mit dem you-know-what-you-get-Prinzip abgefischt - jeder weiß, dass es im Hard Rock Café Bier, Burger und Chicken-Wings gibt. Wer nach Bekanntem in der Fremde sucht, ist hier richtig.

Neben der Systemgastronomie betreibt der Hard-Rock-Konzern auch Konzerthallen, in jüngster Zeit wird verstärkt in Casinos und schicke Boutique-Hotels investiert. Das hat viel mit Geschäft und wenig mit Musik zu tun, aber die Besitzer sind auch keine historisch ausgewiesenen Rockfans: 2006 übernahm ein US-amerikanischer Indianerstamm, die Seminolen aus Florida, den Konzern. Die Seminolen, durch den Betrieb von Casinos reich geworden, legten einen Kaufpreis von 965 Millionen US-Dollar auf den Tisch. Zuvor war die Kette im Besitz des britischen Glücksspielkonzerns Rank Group.

Unwichtig: Hard Rock

Seine Ursprünge, die tatsächlich von viel Bier, Gitarren und kruden Gestalten handelt, hat das Hard Rock Café längst musealisiert. Die Kette besitze mehr als 72.000 Devotionalien aus der Rockwelt, erzählt Dodds. Darunter eine Hose von Jim Morrison, den Magical Mystery Tour Bus der Beatles oder auch die Gitarre von Eric Clapton, der sie der Legende folgend im Londoner Café deponiert hatte, um seinen Sitzplatz zu markieren. Dodds selbst ist stolz darauf, dass in seinem Büro eine Gitarre von Syd Barrett, dem Mitbegründer von Pink Floyd, hängt.

Die in Berlin ausgestellten Stücke lassen indes ahnen, dass selbst diese Tradition langsam aufgeweicht wird. Zu sehen sind unter anderem ein rotes Kleid von Shakira und das Affenkostüm des Berliner Künstlers Peter Fox. Hard Rock? Das war einmal.

Mitarbeit: lk
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