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Liechtenstein: Steuersünder stellen sich und zahlen

Unter deutschen Steuersündern geht die Angst um: In der Affäre um Steuerhinterziehung über Liechtensteiner Stiftungen hat es bislang 72 Selbstanzeigen gegeben. Insgesamt 91 Verdächtigte haben auch schon Abschlagszahlungen an die Steuerbehörden geleistet.

Die Staatsanwaltschaft Bochum hat im Rahmen einer der größten Ermittlungen gegen Steuersünder in der Geschichte der Bundesrepublik Wohnungen und Büros von rund 150 Beschuldigten durchsucht. Es seien Steuern in "immenser Höhe" hinterzogen worden, teilte die Staatsanwaltschaft, die bei den bundesweiten Ermittlungen die Federführung hat, mit. 91 Verdächtige hätten "den Sachverhalt eingeräumt und zum Teil bereits Abschlagszahlungen in Höhe von insgesamt 27,8 Millionen Euro geleistet". Die Summer erhöhe sich täglich. Auch seien 72 Selbstanzeigen eingegangen.

Kritik am Vorgehen der Behörden wies die Staatsanwaltschaft zurück. Der Bundesnachrichtendienst hatte die Daten über die Konten in Liechtenstein von einem Ex-Mitarbeiter gekauft. Die dänische Regierung etwa hatte diese Informationen als "Hehlerware" eingestuft.

Zumwinkel machte den Anfang

Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte am 14. Februar mit ihren Razzien begonnen. Damals durchsuchten die Fahnder auch das Haus des damaligen Post-Chefs Klaus Zumwinkel, der kurz darauf seinen Hut nahm.

Die Ermittler haben die meist sehr wohlhabenden Beschuldigten im Verdacht, über Liechtensteiner Stiftungen Gelder am Fiskus vorbei geschleust und so Steuern hinterzogen zu haben. Sie verfügt über Unterlagen, die die Geldanlagen mehrerer hundert Personen betreffen.

Ins Visier der Ermittler sind auch Mitarbeiter deutscher Geldhäuser geraten. Die Ermittlungen richteten sich gegen Kunden oder einzelne Angestellte, aber nicht gegen Banken in Deutschland selbst, hatte ein Sprecher bereits in der vergangenen Woche erklärt.

Zweite Bank im Visier

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft auch eine zweite in Liechtenstein tätige Bank ins Visier genommen. "Wir haben Querverbindungen zu einer zweiten Bank entdeckt und werden diese überprüfen", sagte Sprecher Eduard Güroff. Einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung", nach dem es sich bei dem Institut um die Vontobel Treuhand AG handeln soll, wollte er "weder bestätigen noch bestreiten". Bislang hatte es geheißen, nur eine Liechtensteiner Bank stehe im Fokus der Ermittler. Zu Namen von Banken gebe die Behörde generell keine Erklärungen ab, sagte der Sprecher.

Im Zuge der Ermittlungen waren auch Bankhäuser durchsucht worden, darunter eine Filiale der Dresdner Bank in München. Der Chef des Mutterkonzerns Allianz, Michael Diekmann, hatte indes beteuert, natürlich habe man nicht bei Steuerhinterziehung geholfen. Die Metzler-Bank hatte eingeräumt, dass die Staatsanwaltschaft Bochum gegen drei ihrer Mitarbeiter ermittelt. "Metzler hat weder für sich oder Dritte in Liechtenstein Stiftungen errichtet oder Kunden in diese Richtung beraten", erklärte das Institut weiter.

DPA/Reuters/msg / DPA / Reuters