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Pharma: Lipobay-Skandal kostete Bayer bisher 125 Mio. Dollar

Für außergerichtliche Einigungen im Zusammenhang mit dem Skandal um das cholesterinsenkende Mittel Lipobay/Baycol hat der Bayer-Konzern bisher rund 125 Millionen Dollar aufgewendet.

Wie der Chemie- und Pharmakonzern am Mittwoch mitteilte, betrafen die millionenschweren Einigungen etwa 450 Fälle in den USA. Die Gesamtzahl der Klagen liege derzeit bei rund 7.800. In Deutschland werde derzeit eine Sammelklage gegen den Konzern vorbereitet, um die Rechte deutscher Geschädigter zu sichern, berichtete die "Financial Times Deutschland" am Mittwoch.

Bayer sieht "Stimmungsmache"

Unterdessen wehrte sich das Unternehmen in einer Mitteilung gegen "Stimmungsmache". Man sei weiterhin fest davon überzeugt, im Fall Lipobay/Baycol "verantwortungsvoll, unverzüglich und angemessen" gehandelt zu haben, hieß es in der Bayer-Erklärung. Bayer bestätigte darin nochmals, dass Baycol ein gut erforschtes und umfassend getestetes Arzneimittel war. Es wurde weltweit über sechs Millionen Patienten verschrieben, davon über 700.000 allein in den USA. Bei der überwältigenden Mehrheit der behandelten Patienten habe es sich als sicher und wirksam erwiesen, ohne dass es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen gekommen sei.

"Angemessene Maßnahmen"

Nachdem es vermehrt Berichte über mögliche Wechselwirkungen des Bayer-Präparats mit anderen Medikamenten gab, hat das Unternehmen nach eigenen Angaben „angemessene Maßnahmen“ eingeleitet. So wurden Warnhinweise verschärft und umfassende wissenschaftliche Studien initiiert, um das Problem zu analysieren. Zusätzlich habe man die Aufklärungsmaßnahmen bei Vertretern der Heilberufe verstärkt und schließlich Mitte 2001 das Präparat freiwillig vom Markt genommen, hieß es in der Firmenmitteilung. Das Medikament wird weltweit mit rund 100 Todesfällen sowie 1.600 Fällen, bei denen als behördlich registrierte Nebenwirkung Muskelschwäche auftrat in Zusammenhang gebracht.

Mögliche Forderungen von fünf Mrd. Euro

Analysten von Merrill Lynch schätzten die möglichen Forderungen an Bayer, abhängig vom Ausgang der Gerichtsverfahren, auf bis zu fünf Milliarden Euro. Credit Suisse First Boston sieht im schlimmsten Fall sogar Zahlungen von bis zu zehn Milliarden Euro auf Bayer zukommen. Die Hauptfrage sei, ob Bayer ausreichend versichert sei, sagte Michael Butscher von der Bayerischen Landesbank. Ein Bayer-Sprecher betonte, Bayer sehe nach wie vor keine Notwendigkeit für Rückstellungen im Zusammenhang mit Lipobay. Der Konzern sei im industrieüblichen Umfang versichert.

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