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Privatkredite: Nicht alle Kunden sind gleich

Immer öfter offerieren Banken ihre Kredite zu "Von-bis-Konditionen". Das heißt, manche Kunden bekommen sie zu günstigeren Konditionen als andere. Entscheident ist dabei ist die Bonität der Kunden.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen beobachtet beim Kundengebaren vieler Banken zunehmend den Trend, bei der Kreditvergabe mit variablen Zinsen zu arbeiten. Einigen Bankkunden wird das Darlehen allerdings auch verweigert, obwohl sie in der Vergangenheit ihre Kredite immer pünktlich abgezahlt hatten. Andere sollen teure Zusatzversicherungen für ihren Kredit zahlen, sonst bekommen sie ihn nicht. Warum das so ist und wovon die Entscheidung der Geldinstitute im Einzelnen abhängt, kann der Kunde nicht nachvollziehen.

Teure Kredite für "schlechte" Kunden

Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass Banken die Kreditvergabe zunehmend von der Bonität des Kunden abhängig machen. Damit wollen sie ihr Ausfallrisiko verringern. In der Praxis führt das dazu, dass Kunden mit einer geringeren Bonität höhere Zinsen für den gleichen Kredit zahlen müssen als besser Betuchte. Die Logik der Banken besagt, dass bei Ärmeren das Risiko größer ist, das Geld nicht zurückzahlen zu können.

Ärgerlich für den Kunden ist, dass sich die Banken allein vorbehalten zu entscheiden, in welche Bonitätsklasse er fällt. Es gibt nämlich keine einheitlichen Kriterien. Grundsätzlich zählen für die Kreditwürdigkeit Einkommen, Beruf, Sicherheiten und eventuelle andere Verbindlichkeiten. Aber jede Bank kann noch zusätzliche Angaben hinzuziehen, wie etwa Alter, Wohnort und Familienstand.

Senioren gehen oft leer aus

Aus diesen Informationen wird dann in einem automatischen Verfahren das individuelle Kreditrisiko des Kunden ermittelt. Dabei kommen in der Praxis absurde, unverständliche Kreditentscheidungen zustande. Kunden, die in einer sozial schwachen Gegend wohnen, sollen höhere Zinsen zahlen. Und das, obwohl sie vielleicht einen sicheren Arbeitsplatz mit gutem Einkommen haben. Es kommt auch vor, dass für Kreditnehmer ab 60 Jahren das Darlehen teurer oder ganz gestrichen wird. Auch Geschiedene haben nach Ansicht mancher Banken ein höheres finanzielles Risiko und werden deshalb stärker zur Kasse gebeten.

Widerspruch kann der Kunde nicht einlegen, weil er nicht weiß, wie die Bewertung zustande kam. Kritik kann für ihn sogar teuer werden. So wurden Kunden, die parallel Preisvergleiche bei verschiedenen Banken einholten, von Mal zu Mal schlechtere Konditionen angeboten.

Mehr Transparenz

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert mehr Transparenz für den Verbraucher. "Das ist ein statistischer Schnelltest, aber keine reale Bonitätsprüfung", so die Vorsitzende Edda Müller. Die Verbraucherzentralen wollen erreichen, dass in die Bonitätsprüfung keine unzulässigen und diskriminierenden Faktoren mehr einbezogen werden dürfen. Auch das Recht des Kunden auf Informationen zu Ablehnungsgründen und schlechter Bonitätsbewertung müsse in der EU-Verbraucherrichtlinie festgeschrieben werden.

Reiner Fischer/DDP / DDP