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Telekom: Unmoralisches Angebot

Die Telekom setzt den Aktionären ihrer Tochter T-Online die Pistole auf die Brust: Papiere verkaufen - oder gegen die T-Aktie tauschen! Was ist das kleinere Übel?

Es wird keine Gewinner oder Verlierer geben", beschwichtigte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke vorvergangene Woche per Hauspost die Mitarbeiter von T-Online - der Firma, die von der Börse geholt und mit der Telekom verschmolzen wird. Was die Mitarbeiter betrifft, muss sich noch zeigen, ob Ricke Recht behält. Verlierer gibt es bereits: die Aktionäre von T-Online. Viele werden kräftig Geld zusetzen.

Rund 1,5 Millionen Menschen haben ihr Geld in Papiere des größten europäischen Internetanbieters gesteckt und wissen nun nicht weiter. Sollen sie eine Bar-Offerte der Telekom annehmen und die Aktie zu 8,99 Euro an den Telekom-Riesen verkaufen? Das ist vor allem für die Anleger der ersten Stunde, die mit 27 Euro eingestiegen waren, eine bittere Pille. Oder ist es besser, die Anlage in T-Aktien zu tauschen? Das lässt sich seriös nicht beurteilen, denn das Wechselverhältnis wird nicht vor Jahresende feststehen. Oder sollte man sofort verkaufen? Die T-Online-Aktie notiert ein wenig über dem Angebotspreis der Telekom. Manche Anlageexperten raten sogar dazu, gegen die Verschmelzung zu klagen, um so die Telekom unter Druck zu setzen, die Prämie aufzubessern.

Am Ende bleibt

die Entscheidung ein Pokerspiel - doch immerhin eines mit ein paar Wahrscheinlichkeiten.

Die Aussicht, dass die T-Online-Aktie bis zum offiziellen Übernahmeangebot Ende November noch kräftig steigt, ist gering. Nicht wenige Analysten halten das Wertpapier aufgrund der wachsenden Konkurrenz im Breitbandinternet bereits für überbewertet. Gleichzeitig dürften nun einige Fonds, für die ein Tausch in T-Aktien nicht infrage kommt, T-Online-Papiere über den Markt verkaufen, solange dort der Kurs noch über der Bar-Offerte liegt. Allein die Fondsgesellschaft Union Investment hält 2,5 Millionen Aktien des Internetanbieters, von denen mindestens ein Drittel abgestoßen werden soll. Solche Aktionen belasten den Aktienkurs.

Der schnelle Verkauf ist für Privatanleger trotzdem nicht unbedingt ratsam - wegen der Bankgebühren. Wer heute ein Aktienpaket im Wert von 3000 Euro losschlagen will und auf rund 50 Euro Verkaufskosten kommt, der fährt erst ab einem Kurs von 9,15 Euro besser als mit der gebührenfreien Telekom-Offerte.

Beim Umtausch in T-Aktien ist ebenfalls Vorsicht geboten. Das Tauschverhältnis wird für T-Online-Aktionäre wohl ungünstiger ausfallen als heute suggeriert. Gemessen am Kurs war eine T-Online-Aktie am Tag der Ankündigung des Deals 0,59 T-Aktien wert. Doch das tatsächliche Tauschverhältnis wird anhand von Ertragsprognosen beider Unternehmen festgelegt. Ein vorläufiges Gutachten durch die Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG ergab, dass die Telekom dabei besser dasteht als die Online-Tochter. Das wird sich im Tauschverhältnis niederschlagen. Wenn nicht gleichzeitig der Kurs der T-Aktie steigt, wird der Tausch für T-OnlineAktionäre zum schlechten Geschäft.

Ihnen bleibt dann nur noch die Bar-Offerte, die bis Ende Januar besteht.

Johannes Röhrig / print
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