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Währung: Es lebe die D-Mark

Nach der Euro-Einstellung mussten kiloweise D-Mark-Münzen und Scheine entsorgt werden. Die alte Währung ist jedoch nicht nur im Müll gelandet. Sie lebt in unserem Alltag weiter - auch im russischen Rubel.

Von Nicole Kohnert

Die Tage für die D-Mark sind noch nicht gezählt. Pro Tag bekommt die Bundesbank immer noch Millionen zurück. "Wir stellen immer wieder fest, dass vor allem bei Wohnungsauflösungen von alten Menschen die D-Mark wieder zum Vorschein kommt", sagt ein Sprecher. Die Bundesbank hat sich verpflichtet, die D-Mark unbefristet und kostenlos in Euro umzutauschen.

Nach wie vor horten die Deutschen Milliarden an D-Mark noch bei sich zuhause - bewusst oder sie haben die Währung in alten Kleidungsstücken schlichtweg vergessen. Allein 2006 wurden 7,17 Mrd. D-Mark an Münzen und 7,27 Mrd. in Scheinen zurückgegeben - und das, obwohl der Euro Anfang 2002 eingeführt wurde.

Im Akkord hatte die Bundesbank Ende 2001 die alte Währung eingesammelt, entwertet und zerstört. Große Maschinen hatten die Scheine stappelweise zerschreddert, die Münzen wurden in Entwertungsmaschinen, so genannten Decoiner, verformt und in Öfen eingeschmolzen.

Vorschläge, was mit der entwerteten D-Mark passieren sollte, gab es viele: Von Dämmmaterial für Häuser bis hin zu Ziegelsteinen, Briefpapier oder Schmuck. Doch so einfach war das Recycling letztlich doch nicht: Die alten Banknoten sind hauptsächlich aus Baumwolle und nicht wie Papier einfach zum wiederverwerten. "Tests ergaben, dass auch die Transportkosten zu hoch wären, die zahlreichen Scheine durch Deutschland zu fahren", sagt der Bundesbank-Sprecher. Das Recycling sei deshalb unwirtschaftlich gewesen - die meisten Banknoten wurden verbrannt.

Auf der alten D-Mark schreiben

Doch manche Scheine haben überlebt. Der Papierhersteller Classen hatte aus alten D-Mark-Scheinen die Papierserie "big money" und "small money" entwickelt. "Mit viel Phantasie konnte man die alten Banknoten noch erkennen", sagt Produkt-Manager Theo Sanders. Die Produktion wurde aber nach einiger Zeit wieder eingestellt. Die Dresdner Bank ließ sich anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens von dem Papierhersteller schon 1996 ihren Geschäftsbericht auf alten DM-Banknoten drucken. In rund 30.000 Exemplaren waren die Scheine in zerschreddeter Form versteckt. "Menschen sind es gewohnt, Geld nur als Zahlungsmittel zu verwenden", sagt eine Dresdner Bank-Sprecherin. "Dabei ist Geld ein fester Bestandteil unserer Kultur, ebenso wie Banken."

Der Ersatzbrennstoff-Hersteller GRE hatte die alten D-Mark-Noten sogar mit Zigarettenfiltern und Resten von Babywindeln vermischt, um aus dem Mix einen Brennstoff zu gewinnen. "In Hochzeiten der Euroumstellung haben wir Milliarden an D-Mark verbrannt. Heute verfeuern wir nur noch alte Euro-Scheine, die ausgemustert werden", sagt GRE-Geschäftsführer Stefan Henkefend. Der Brennstoff wird an Zement- und Kraftwerke weitergegeben, die diesen verbrennen. "Für uns sind die alten Geldscheine, die wir verbrennen, Material wie jedes andere", sagt Henkefend. "Man stumpft da einfach ab."

Die alten D-Mark-Münzen konnten nicht so einfach vernichtet werden. Nachdem sie in den Filialen der Bundesbank entwertet wurden, gingen sie weiter an die Vebeg, dem Verwertungsunternehmen des Bundes. Dort wurde der Münzschrott wie auch alte Dienstwagen, Panzer oder Flugzeuge weiter versteigert. "Wie geriffelte Mohrrübenscheiben sehen die Münzen aus, wenn sie bei uns ankommen", sagt Volkmar Kunert von der Vebeg. "Jeder kann da mit bieten, der Münzschrott ist für alle da."

Im Jahr 2002 zum Zeitpunkt der Euro-Umstellung habe die Vebeg insgesamt 23.000 Tonnen D-Mark-Münzen versteigert. Das Interesse war groß: Künstler, Sammler, Metallhändler, und auch Käufer aus den USA und Korea hatten damals den Münzschrott ersteigert. Im November 2006 hat die Vebeg jedoch nur noch 450 Tonnen DM-Münzen versteigert. Die Mengen sind rückläufig, so ein Sprecher. Über 6000 Euro pro Tonne D-Mark-Schrott zahlen Metallhändler und Unternehmen noch bis heute.

D-Mark in Handys

Ein Käufer ist auch die Norddeutsche Affinerie, sie verarbeitet die alten Pfennig-Stücke und gewinnt daraus Kupfer. Der Vorteil: Die Pfennigstücke müssen nicht deformiert werden, sondern können direkt in den Ofen eingeschmolzen werden. "Wir haben ja keine Kupferquellen in Deutschland, deshalb ist das Recycling für uns wichtig", sagt Dieter Birkholz von der Norddeutschen Affinerie. Das gewonnene Kupfer lande als Draht in Handys, in größeren Elektrogeräten oder würde von Unternehmen zu Wasserrohren oder Dächern für Kirchen verarbeitet. "Mittlerweile läuft das Geschäft mit den Pfennigstücken langsam aus", sagt Birkholz. Die Norddeutsche Affinerie würde nur noch geringe Mengen ersteigern.

Das Nickel in den D-Mark-Münzen wiederum wurde bei der Vebeg von Unternehmen ersteigert und findet sich in CDs, Nickelgestellen für Brillen oder Schmuck wieder. Und nicht nur in Alltags-Produkten versteckt sich die D-Mark - auch in manchen Währungen könnte sie gelandet sein. Neben den Euro-Münzen, in den auch Teile aus Kupfer und Nickel sind, könnten sich auch Metalle der D-Mark in außereuropäischen Münzen finden. "Wir vermuten, dass manches D-Mark-Stück auch im Rubel gelandet ist", sagt Claus Richter, Rohstoff-Experte bei Vebeg. Die alte D-Mark sei noch vielseitig einsetzbar.

FTD
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