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Zehn Jahre Euro: Der große Teuro-Test

Der Euro hat alles teurer gemacht! Oder? Der stern hat bei 88 Produkten und Dienstleistungen genauer hingeschaut. Mit überraschenden Ergebnissen.

Der Euro treibt die Preise in die Höhe. Das galt als ausgemacht, als die Einheitswährung vor zehn Jahren zum Zahlungsmittel wurde. Bei der Währungsumstellung wurden die Preise aufgerundet, und seitdem geht es nur nach oben. Jedenfalls in der Wahrnehmung vieler Bürger.

Doch was ist dran am Ruf des Euros, ein Teuro zu sein? Welche Produkte haben sich verteuert? Und was ist billiger geworden? Der stern hat nachgeforscht und in seiner aktuellen Ausgabe die Preise von 88 Produkten und Dienstleistungen verglichen: Was kosteten sie nach der Euroeinführung und was heute? Das Ergebnis fällt durchaus unterschiedlich aus.

Verteuert hat sich vor allem die Energie: Benzin kostet heute 59 Prozent mehr als vor zehn Jahren, Diesel gar über 80 Prozent. Auch die Kilowattstunde Strom kostet heute knapp 80 Prozent mehr als 2001. Heizöl hat sich gar um 131 Prozent verteuert. Die Preise für etliche Lebensmittel, wie Reis, Kartoffeln, Fruchtsaft oder Tee, sind dagegen gefallen.

Zwei von drei Produkten sind teurer geworden

Bei Gebühren und Abgaben wurde in den vergangenen zehn Jahren kräftig hingelangt. Egal ob bei Parkplatzgebühren, Rundfunkgebühren, Fahrkarten oder der Jahresgebühr für die örtliche Bücherei - die Zuwächse sind beachtlich. Alle Preisanstiege finden Sie im aktuellen Heft. Auf Platz eins des stern-Rankings landete der Flughafen Hamburg: Der Preis für eine Stunde Parken hat sich auf dem Gelände des Flughafens mehr als verdoppelt - von 1,53 auf vier Euro.

Unterm Strich sind zwei Drittel der getesteten Produkte teurer geworden. Aber: Immerhin 22 Produkte haben heute einen niedrigeren Preis als vor zehn Jahren. Im Schnitt haben sich Produkte und Dienstleistungen seit der Einführung der Gemeinschaftswährung um 18 Prozent verteuert. Doch Statistiker geben dem Euro nicht die Schuld daran: Die Inflation liegt unter zwei Prozent - weniger als zu DM-Zeiten.

Was heute anders ist als früher: Die Preise steigen, ohne dass die Löhne und Gehälter nennenswert wachsen. Lohnzuschläge von zehn Prozent und mehr, wie es sie noch in den 1970er Jahren gab, sind heute nicht mehr vorstellbar. Das Ergebnis: Die Bürger haben weniger im Geldbeutel als früher und müssen den Gürtel deshalb enger schnallen. "Sehr viele Menschen sind nicht nur gefühlt, sondern real ärmer geworden", sagt der Leiter des Weltwirtschaftsinstituts in Hamburg, Thomas Straubhaar, dem stern. Nur der Euro kann dafür recht wenig.

pen
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