Bahn im Bau-Stress
Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin verzögert sich auf unbestimmte Zeit

Mit schwerer Technik wird auf einem Teilstück der Bahnstrecke Hamburg–Berlin die feste Fahrbahn aus Beton abgebaut
Mit schwerer Technik wird auf einem Teilstück der Bahnstrecke Hamburg–Berlin die feste Fahrbahn aus Beton abgebaut (Archivfoto)
© Jens Büttner / DPA
Die Sanierung der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin verzögert sich erneut. Eisige Bedingungen machen den Kabeltiefbau schwer. Pendler benötigen noch mehr Geduld.

Der Abschluss der umfassenden Sanierung der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin verzögert sich auf unbestimmte Zeit.

Aufgrund der Winterwitterung in den vergangenen Wochen sei der Fertigstellungstermin Ende April nicht zu halten, teilte die Deutsche Bahn mit. Kernproblem sei der Kabeltiefbau für die Signalanlagen, hieß es.

Die Strecke werde nicht wie geplant zum 30. April wieder in Betrieb gehen können, teilte die Deutsche Bahn am Montag mit. Konkretere Angaben will die Bahn am 13. März machen.

„Wir schauen gebannt jede Woche, was passiert“, sagte der Vorstand Infrastrukturplanung und -projekte bei der DB Infrago, Gerd-Dietrich Bolte. Er verwies auf zuletzt rund sechs Wochen starken Frost und Schnee, in denen die Arbeiten stark eingeschränkt gewesen seien. Der Boden sei teils 60 Zentimeter tief gefroren. Noch bis Ende Dezember seien die Arbeiten gut im Plan gewesen, doch „Januar und Mitte Februar haben uns aus der Bahn geworfen“, fügte er hinzu.

„Jetzt beginnt die Aufholjagd, wir hoffen jeden Tag auf besseres Wetter“, kündigte Bolte zusätzliche Anstrengungen an, um den Rückstand zumindest zu verringern. Das Ziel sei, „möglichst dicht an der geplanten Inbetriebnahme dranzubleiben“, die für den 1. Mai vorgesehen war.

Generalsanierung für Strecke Berlin–Hamburg dringend notwendig

Die Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist seit Anfang August 2025 für die Sanierung gesperrt – zunächst war mit neun Monaten Bauzeit geplant worden. Die 280 Kilometer lange Strecke führt durch fünf Bundesländer und ist eine der wichtigsten Pendlerstrecken in Deutschland mit täglich rund 30.000 Fahrgästen im Fernverkehr und insgesamt 470 Zügen pro Tag.

Die Generalsanierung wurde nach Bahn-Angaben dringend notwendig, da die wichtige Verbindung dem Verkehrsaufkommen kaum mehr standhalten kann.

Während der Sperrung wird der Fernverkehr über Stendal und Uelzen umgeleitet. Die Fahrtzeit verlängert sich dadurch im Schnitt um 45 Minuten. Statt zwei Verbindungen pro Stunde gibt es nur noch eine Verbindung pro Stunde. Die Halte Ludwigslust und Wittenberge entfallen komplett.

Bahn saniert wichtigste Korridore

Die Generalsanierung der Strecke Hamburg–Berlin ist Teil einer größeren Initiative: Die Bahn will bis 2036 mehr als 40 viel befahrene Schienenkorridore grundlegend modernisieren. Den Anfang machte 2024 die sogenannte Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Hamburg–Berlin gilt als besondere Herausforderung, da sie deutlich länger und komplexer ist als die Riedbahn.

Im Regionalverkehr fallen viele Verbindungen aus oder verkehren nur auf Teilstrecken. Für betroffene Pendlerinnen und Pendler wurde ein umfangreiches Ersatzverkehrskonzept mit Bussen eingerichtet. Die Fahrzeiten mit den Ersatzbussen sind deutlich länger. Eine Fahrt von Wittenberge nach Berlin dauert statt eineinhalb nun dreieinhalb Stunden, von Perleberg nach Berlin drei statt zwei Stunden.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Generalsanierungen liefen bis 2030. Nach dem zuletzt im vergangenen Jahr überarbeiteten Zeitplan der Bahn werden diese jedoch erst 2036 abgeschlossen. Dies wurde korrigiert.

AFP · DPA
rw

PRODUKTE & TIPPS

Kaufkosmos

Mehr zum Thema