HOME

Zoll: Die falsche Luxusuhr in der Souvenirbude

Billige Mitbringsel aus dem Urlaub können ganz schön teuer werden, denn Kauf und Import bergen Risiken. Kleine Hintertür: für den Eigengebrauch und als Geschenk sind sie nicht strafbar.

"Lolex?", fragt der Chinese in der Verkaufsbude in Schanghai, in der es eigentlich folkloristische Souvenirs gibt: Stempel mit chinesischen Tierkreiszeichen, kunstvoll bedruckte Tücher und Schachteln jeder Art, Drachenmasken und so weiter. "Omega?", fragt der Mann weiter. Blickt der Tourist auch nur halbwegs interessiert, kramt der Verkäufer aus der Jackentasche eine funkelnde Uhr in einer billigen Plastiktüte.

Alles Fälschungen

Es ist eine Omega-Fälschung. Im Original ist die Seamaster eine Automatik, hier in Schanghai ist sie mit einem Billig-Quarzwerk ausgestattet, was bei genauerem Hinsehen an dem sich ruckartig vorwärts bewegenden Sekundenzeiger zu erkennen ist. Normalerweise lässt der Verkäufer den Kunden in einem abgegriffenen Katalog blättern. Findet sich darin die Wunschuhr des Interessenten, so lädt der Chinese ihn in sein Lager zur Begutachtung der Prachtexemplare ein. Lehnt der Kunde dies ab - und das ist aus Sicherheitsgründen zu empfehlen -, so holt der Verkäufer eine kleine Auswahl.

Es gibt nichts, was es nicht gibt

Der Tourist kann sich beispielsweise für eine Rolex Submariner entscheiden, eine solide, sportliche Herrenuhr aus Edelstahl. Ein echtes Stück dieser Gattung schlägt mit mehreren tausend Euro zu Buche, inklusive weltweiter Garantie, exzellenter Betreuung und Beratung sowie der Gewissheit, etwas für die Sicherheit der Arbeitsplätze der Schweizer Uhrenindustrie getan zu haben. Und es wird mit großer Wahrscheinlichkeit bis ans Lebensende des Benutzers ohne Probleme und ziemlich genau die Zeit anzeigen.

Preis ist Verhandlungssache

Das alles ist bei der Fälschung nicht garantiert. Dafür ist der Preis anders. Der Verkäufer bietet "seine" Submariner - immerhin eine Automatik-Uhr - für 780 Yüan (75 Euro) an, indem er die entsprechenden Ziffern in einen Taschenrechner eintippt und dem Kunden zeigt. Fachleute sagen, wenn man ein Drittel des zuerst genannten Preises erzielt, ist man nicht übers Ohr gehauen worden.

Einfuhr nur bis zu bestimmtem Wert

Der nächste Akt kann während der Rückreise beim Zoll kommen. Es ist erlaubt, die Uhr einzuführen. Aber nur bis zu einem Wert von 175 Euro bei Einreise per Flugzeug, sonst 125 Euro. Und es muss sicher gestellt sein, dass sie hier zu Lande nicht in den Warenwirtschaftskreislauf eingebracht wird. Ob dazu eine Versteigerung der als Falsifikat kenntlich gemachten Uhr im Internet zählt, darüber ist noch nicht endgültig geurteilt.

Erforderlichenfalls ein Sachverständiger

Wie beweist man dem Beamten, dass die scheinbar so wertvolle Uhr spottbillig war? "Wenn überhaupt kein Hinweis auf eine Wertangabe vorliegt wie Quittung, Rechnung, Kassenbon, wird der Wert der Waren geschätzt", sagt Roland Koller von der zuständigen Oberfinanzdirektion München. Die Schätzung könne "erforderlichenfalls bis zur Hinzuziehung eines Sachverständigen gehen". Zwar werde der Zöllner die Verhältnismäßigkeit berücksichtigen, aber er werde immer im Einzelfall entscheiden.

Manchmal wird Uhr konfisziert

Hat er Zweifel daran, dass es sich um ein persönliches Mitbringsel oder ein Geschenk handelt, so wird er laut Koller die Uhr einziehen und den geschädigten Hersteller benachrichtigen. "Jeder Einzelfall ist für sich selbst zu betrachten. Sofern sich Verdachtsmomente ergeben, dass es sich um eine Mustersendung handeln könnte, die potenzielle Käufer anlocken soll, wird auch bei einem einzelnen Exemplar von einem kommerziellen Hintergrund ausgegangen."

Reparatur kann abgelehnt werden

Wer aber durch den Zoll gekommen ist, kann seine Uhr vom rechtlichen Standpunkt her problemlos am Arm tragen. Es ist auch nicht verboten, sie reparieren zu lassen. Doch kann jeder Uhrmacher die Reparatur ablehnen. Auch ist während des ganzen Produktionsprozesses vermutlich niemand für die Frage zuständig gewesen, ob die verwendeten Materialien - etwa das Leuchtmittel für die phosphoreszierenden Ziffern - gesundheitlich unbedenklich sind.

Themen in diesem Artikel