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Günstige Bauzinsen: Nüchtern bleiben

Bauherren profitieren momentan von traumhaften Finanzierungsbedingungen. Trotzdem warnen Experten vor zu leichtsinnigen Käufen.

Häuslebauer genießen zurzeit Finanzierungsbedingungen, die in den 80er und 90er Jahren nicht für möglich gehalten wurden. Sie sollten deshalb aber nicht leichtsinnig werden, warnen Finanzierungsexperten.

Laut Zinsstatistik der Frankfurter FMH-Finanzberatung lag der Zehn-Jahres-Effektivzins vor 15 Jahren nur wenig unter zehn Prozent. Auch wenn die Immobilienpreise damals günstiger waren, stiegen die Monatsbelastung und die Gesamtkosten des Wohneigentums durch die hohen Zinsen deutlich an. So kostete ein mit nominal 9,5 Prozent jährlich zu verzinsendes 100.000-Euro-Darlehen mit einprozentiger Anfangstilgung den Angaben zufolge seinerzeit monatlich 875 Euro. Aktuell kommen Bauherren dagegen fast zu einem Drittel der historischen Spitzensätze an ihr Geld. So ermittelten die FMH-Statistiker für den Monat August 2005 einen Zinsdurchschnitt von 3,79 Prozent effektiv.

Wer die Voraussetzungen für knapp kalkulierte Discount- und Direktbank-Angebote erfüllt, kann laut Finanzierungsexperten zusätzlich sparen. Die Auswirkungen auf die Belastung seien enorm: 100.000 Euro Baugeld kosteten etwa bei einem besonders günstigen Nominalzins von 3,6 Prozent und der Standardtilgung derzeit nur 383 Euro pro Monat und damit exakt 492 Euro weniger als vor 15 Jahren.

Die sich dadurch eröffnenden finanziellen Handlungsspielräume sollten aber nicht allein dazu genutzt werden, die eigenen vier Wände eine Nummer größer und damit teurer als geplant zu realisieren. Ansonsten drohe im Falle steigender Marktzinsen bei der Anschlussfinanzierung der Kollaps der Haushaltskasse, warnen die Experten.

Als Alternative schlagen sie vor, die Monatsbelastung durch eine höhere Anfangstilgung auf ein langfristig realistisches Niveau zu bringen. Würden im Beispielfall etwa drei statt ein Prozent Anfangstilgung gewählt, steige die Rate für den 100.000-Euro-Kredit von 383 Euro auf monatlich 550 Euro. Schon nach zehn Jahren stünden dann im Vergleich zur Standardfinanzierung über 24.000 Euro weniger Schulden auf dem Konto. (Restschuld bei einem Prozent Anfangstilgung: 87.984 Euro; bei drei Prozent: 63.953 Euro).

Wer die höhere Belastung nicht verkraften kann, dem raten die Experten, Sicherheit auf anderen Wegen zu suchen. Sie empfehlen eine Zinsfestschreibung von mindestens 15 oder 20 Jahren. Der aktuelle Langfrist-Zinsaufschlag von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten gegenüber Zehn-Jahres-Hypotheken sei "die Versicherungsprämie gegen böse Überraschungen".

Michael Wojtek/DDP / DDP