Die Stromrechnung flattert ins Haus und Sie starren auf die Summe. Wieder gestiegen. Damit sind Sie nicht allein. Deutschland hat einen der höchsten Strompreise in Europa, das hat Eurostat ermittelt. Rund 38 Cent pro Kilowattstunde zahlt ein durchschnittlicher Haushalt. Im Jahr 2000 waren es noch 14 Cent.
Die Gründe sind vielfältig. Eine zentrale Rolle spielt der Ausbau der erneuerbaren Energien. Die bestehenden Stromnetze wurden einst für zentrale Großkraftwerke gebaut, nicht für Tausende Windräder und Solaranlagen. Der Umbau kostet Milliarden Euro und die landen über die Netzentgelte auf der Stromrechnung der Verbraucher.
Hinzu kommen externe Schocks: Die Coronapandemie brachte Lieferketten durcheinander. Der russische Angriff auf die Ukraine ließ die Gaspreise explodieren. Weil Gaskraftwerke an der Börse oft den Strompreis bestimmen, stiegen die Beschaffungskosten der Energieversorger. Diese Kosten reichten viele Anbieter an ihre Kunden weiter.
Die Politik reagierte mit Entlastungen wie der Strompreisbremse und der Abschaffung der EEG-Umlage. Doch diese Maßnahmen dämpfen den Anstieg kurzfristig. Die strukturellen Kostentreiber bleiben.
Strompreis verstehen: Diese drei Bestandteile bestimmen Ihre Stromkosten
Der Strompreis ist komplex. In den rund 40 Cent pro Kilowattstunde steckt mehr als die reine Stromerzeugung. Hinzu kommen verschiedene Abgaben. Die Bundesnetzagentur unterteilt den Preis in drei Hauptbestandteile:
- Beschaffung, Vertrieb und Marge: Hier landen alle Kosten, die ein Stromanbieter für Produktion, Einkauf und Vertrieb hat – inklusive Gewinn. Dieser Posten macht im Schnitt rund 44 Prozent aus.
- Netzentgelte: Sie schlagen mit rund 32 Prozent zu Buche und decken den Transport des Stroms vom Kraftwerk bis zur Steckdose. Die Höhe schwankt regional. In ländlichen Gebieten mit langen Leitungen und wenigen Verbrauchern fallen die Entgelte oft höher aus als in Ballungsräumen.
- Steuern, Abgaben und Umlagen: Dieser Block umfasst Umsatzsteuer, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und weitere kleinere Posten. Mit rund 25 Prozent ist sein Anteil am geringsten. Ist aber kaum beeinflussbar.
Steuern, Abgaben und Umlagen: Was zusätzlich auf der Stromrechnung landet
Der Block „Steuern, Abgaben und Umlagen“ ist der kleinteiligste der drei Bestandteile. Acht Positionen wirken sich direkt auf den Endpreis aus. Einige werden pauschal erhoben, etwa die Konzessionsabgabe. Andere wie die Mehrwertsteuer fließen prozentual ein.
- EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz): Sie prägte den Strompreis bis Ende 2022 maßgeblich und finanzierte den Ökostrom-Ausbau über die Einspeisevergütung. Auf dem Höhepunkt machte sie fast sieben Cent pro Kilowattstunde aus. Seit 2023 zahlt der Bund die EEG-Vergütungen aus dem Bundeshaushalt, die Umlage entfiel. Das entlastete die Stromrechnung spürbar.
- KWK-G-Umlage (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz): Sie fördert Anlagen, die Strom und Wärme gleichzeitig erzeugen. Diese Kraft-Wärme-Kopplung gilt als besonders effizient und kommt dem Klimaschutz zugute.
- § 19 StromNEV-Umlage: Stromintensive Industriebetriebe zahlen reduzierte Netzentgelte. Die Differenz tragen die übrigen Verbraucher.
- Offshore-Netzumlage: Sie deckt Risiken ab, die beim Netzanschluss von Windparks auf hoher See entstehen.
- Konzessionsabgabe: Energieversorger zahlen sie an Städte und Gemeinden. Als Gegenleistung dafür, dass sie öffentliche Verkehrswege für ihre Strom- und Gasleitungen nutzen dürfen.
- Abschaltbare-Lasten-Verordnung: Sie wurde 1999 eingeführt und beträgt 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Das Geld fließt in den Bundeshaushalt und soll klimapolitische Ziele fördern.
- Stromsteuer: Die 1999 eingeführte Stromsteuer liegt bei 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Sie dient der Förderung klimapolitischer Ziele und fließt in den Bundeshaushalt.
- Mehrwertsteuer (MwSt.): Die reguläre Umsatzsteuer beträgt 19 Prozent. Sie wird auf den gesamten Strompreis erhoben – also auch auf alle Umlagen, Abgaben und Steuern.
Warum fallende Börsenpreise selten beim Verbraucher ankommen
Strom wird wie jede andere Ware gehandelt. An der Strombörse treffen sich Produzenten und Stromanbieter. Der Börsenpreis schwankt dabei ständig. Wenn viel Wind- und Sonnenenergie ins Netz fließt, sinkt er manchmal sogar auf null Euro. Auf Ihrer Stromrechnung bekommen Sie davon nichts mit. Wie passt das zusammen?
Zum einen bildet der Börsenpreis nur die Beschaffungskosten ab. Netzentgelte, Umlagen und Steuern bleiben davon unberührt. Zum anderen kaufen Versorger Strom oft langfristig ein, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Sinken die Börsenpreise, kommt das deshalb erst mit Monaten Verzögerung in neuen Tarifen an.
Wer stärker von den Schwankungen profitieren will, kann zu einem dynamischen Stromtarif greifen. Anbieter wie Rabot Energy, Octopus Energy oder Tibber geben den Börsenpreis dann meist stündlich weiter.
Zum Nulltarif gibt es den Strom dennoch nicht: Neben einer Grundgebühr enthält der Arbeitspreis weiterhin Netzentgelt, Steuern und Umlagen. In manchen Regionen sind so Strompreise unter 20 Cent möglich. Das allerdings nur zu bestimmten Tageszeiten.
Wetter, Wind und Netzausbau: Diese Faktoren treiben die Stromkosten zusätzlich
Es gibt weitere Einflussfaktoren, allen voran das Wetter. An sonnenreichen Sommertagen und windigen Herbstwochen produzieren Solaranlagen und Windräder viel günstigen Strom. Das drückt die Börsenpreise. Reicht der Ökostrom nicht aus, springen teure Gaskraftwerke ein.
Sie setzen dann den Preis für alle Stromerzeuger, weshalb sich auch der restliche Wind- und Sonnenstrom verteuert. Fachleute nennen das Merit-Order-Prinzip. Rohstoffpreise spielen deshalb weiterhin eine große Rolle, auch wenn rund 60 Prozent des Strommix laut Destatis bereits aus erneuerbaren Energien stammen.
Auch zu viel Wind und Sonne können teuer werden. Liefern Windräder und Solarparks mehr Strom, als das Netz aufnehmen kann, droht eine Überlastung. Dann werden Anlagen abgeschaltet. Die Betreiber bekommen für ihren Verlust eine Entschädigung – das sogenannte Redispatch. Diese Kosten sind zwar gesunken, machten zuletzt aber immer noch rund 2,8 Milliarden Euro aus, wie die Bundesnetzagentur analysierte.
Bezahlen müssen das die Verbraucher über die Netzentgelte. Diese steigen neben den Beschaffungskosten am stärksten. Auch, weil der Netzausbau finanziert werden muss.
Hinzu kommt: Windräder und Solarparks belasten das Netz ungleichmäßig.
Neue Großverbraucher wie E-Autos und Wärmepumpen brauchen leistungsstarke Anschlüsse. Darin liegt aber auch eine Chance: Einer aktuellen Studie zufolge kann der Netzausbau langfristig für günstigere Strompreise sorgen.
Stromrechnung richtig lesen: Das verraten Grundpreis und Arbeitspreis
Die Strompreise bleiben hoch und das wird sich so schnell nicht ändern. Trotzdem gibt es Wege, die eigenen Stromkosten zu senken. Der erste Schritt: Werfen Sie einen Blick auf Ihre aktuelle Stromrechnung. Wer seinen Verbrauch kennt, kann gezielt den Anbieter wechseln. Zwei Posten entscheiden über die Höhe Ihrer Rechnung: der Grundpreis und der Arbeitspreis.
- Der Grundpreis ist ein monatlicher Fixbetrag, zumeist zwischen 10 und 20 Euro. Er deckt die Bereitstellung des Anschlusses, die Abrechnung und den Kundenservice. Dieser Posten fällt unabhängig von Ihrem Verbrauch an. Wenn Sie allein leben und wenig Strom verbrauchen, macht der Grundpreis prozentual einen größeren Teil Ihrer Rechnung aus. Bei hohem Verbrauch verliert er an Gewicht.
- Der Arbeitspreis wird pro verbrauchter Kilowattstunde berechnet und liegt aktuell zwischen 24 und 45 Cent. Da die Spanne recht groß ist, bietet sich hier ein Vergleich besonders an.
Auf manchen Rechnungen tauchen die Abkürzungen HT und NT auf. Sie stehen für Hoch- und Niedertarif. Beide gibt es nur, wenn Sie einen Zweitarifzähler besitzen. Manchmal sogar, ohne dass Sie ihn brauchen.
Mit dem Zähler lassen sich zwei verschiedene Stromtarife nutzen. Der Niedertarif gilt nachts zwischen 22 und 6 Uhr und ist meist günstiger, weil die Netzauslastung geringer ist. Das Modell lohnt sich vor allem für elektrische Nachtspeicherheizungen. Wärmepumpen können es ebenfalls nutzen – häufig sind aber spezielle Wärmestrom-Tarife günstiger, die über den ganzen Tag laufen.
Auf der Rechnung stehen außerdem Ihre Zählernummer und Ihr Jahresverbrauch in Kilowattstunden. Diese Zahl ist die Grundlage für jeden Vergleich. Notieren Sie sie genau – nur so lassen sich Angebote realistisch gegenüberstellen.
Mit diesen Daten können Sie sich direkt auf der Website eines Stromanbieters ein Angebot erstellen lassen. Alternativ können Sie Vergleichsportale wie Verivox oder Check24 nutzen und so Ihre Stromkosten senken.
Haushaltsfaktoren: Wo zu Hause wirklich Strom verschwindet
Die Stromkosten eines Haushalts hängen von vielen Faktoren ab, die sich gegenseitig verstärken. Den größten Einfluss hat der Stromverbrauch selbst. Und der schwankt stark – je nachdem, wie viele Personen im Haushalt leben und wie sie ihren Alltag gestalten.
Wer lange Licht brennen lässt, oft wäscht oder ausgiebig kocht, zahlt mehr. Hier gibt es jedoch Spielraum: Schalten Sie Geräte aus, statt sie nur in den Stand-by-Betrieb zu schicken. Drehen Sie das Licht ab, sobald Sie den Raum verlassen. Solche Routinen senken den Stromverbrauch spürbar.
Auch Art und Anzahl der Elektrogeräte zählen. Energieeffiziente Modelle senken den Verbrauch, während alte oder dauerhaft laufende Geräte wie Kühlschränke und Gefriertruhen Strom regelrecht verschlingen. Der Austausch kostet zunächst Geld, rechnet sich aber langfristig.
Ein Kühlschrank aus den 1990er-Jahren verbraucht laut Öko-Test rund 400 Kilowattstunden im Jahr, ein modernes Gerät nur noch 120. Bei Waschmaschinen, Trocknern und Geschirrspülern ist es ähnlich.
Auch Durchlauferhitzer für Warmwasser sind echte Stromfresser. Wer Duschen und Warmwasser komplett elektrisch erledigt, kommt schnell auf 1000 zusätzliche Kilowattstunden pro Jahr. Mieter können den Durchlauferhitzer zwar selten austauschen, aber viele Modelle lassen sich herunterregeln. Häufig sind die werkseitig eingestellten Temperaturen ohnehin unnötig hoch.
Eigentümer haben mehr Spielraum: Sie können den Durchlauferhitzer durch eine Wärmepumpe ersetzen. Diese arbeitet zwar ebenfalls mit Strom, aber drei- bis fünfmal effizienter. Eine Wärmepumpe heizt zudem das gesamte Haus. Das spart langfristig die immer teureren Gas- und Ölrechnungen.
Wie Sie Ihre Stromkosten dauerhaft niedrig halten
Um Ihre Stromkosten dauerhaft niedrig zu halten, ist der regelmäßige Anbietervergleich der wichtigste Hebel. Prüfen Sie Ihren aktuellen Tarif am besten einmal im Jahr und vergleichen Sie ihn mit anderen Angeboten. Dabei helfen Vergleichsportale wie Verivox oder Check24, die Hunderte Tarife parallel durchrechnen und nach Preis sortieren.
Geben Sie dabei unbedingt Ihren tatsächlichen Jahresverbrauch an, den Sie Ihrer letzten Jahresabrechnung entnehmen. Die Vergleichsportale verwenden sonst Durchschnittswerte, die in der Regel zu hoch oder zu niedrig ausfallen. Das kann bei der nächsten Jahresabrechnung zu einer bösen Überraschung führen.
Achten Sie auch auf versteckte Kosten. Manche Tarife locken mit Neukundenboni, die nur im ersten Jahr gelten. Im zweiten Jahr steigt der Preis dann deutlich. Andere Anbieter verlangen lange Vertragslaufzeiten oder setzen Vorkasse voraus. Beides birgt Risiken. Geht der Anbieter pleite, sehen Sie Ihr Geld möglicherweise nicht wieder.
Große, etablierte Versorger wie EnBW, E.ON oder Mainova bieten dagegen oft solidere Tarife mit kürzeren Laufzeiten und transparenten Konditionen. Sie reagieren zwar träger auf Preissenkungen, sind in Krisenzeiten aber stabiler.
Neue Anbieter wie Octopus Energy oder rabot.energy punkten dagegen mit dynamischen Tarifen, die den Börsenstrompreis widerspiegeln. Bei gutem Wetter profitieren Sie von günstigen Strompreisen, in Dunkelflauten steigen diese jedoch.
Ökostrom-Tarife liegen preislich oft auf einem ähnlichen Niveau wie konventionelle Angebote – oder sind sogar günstiger. Anbieter wie LichtBlick oder Green Planet Energy garantieren, dass Ihr Geld in erneuerbare Energien fließt. Damit senken Sie nicht nur Ihre Kosten, sondern treiben auch die Energiewende voran.
Redaktionelles Fazit
Die Zusammensetzung des Strompreises ist komplex – Netzentgelte und Umlagen müssen Sie als Verbraucher hinnehmen.
Bei den Beschaffungskosten haben Anbieter aber Spielraum und können günstigere Tarife anbieten. Nehmen Sie sich daher einmal im Jahr eine halbe Stunde Zeit für einen Stromanbietervergleich. Das kann sich mit mehreren hundert Euro pro Jahr auszahlen.
FAQ: Stromkosten
Wie setzen sich die Stromkosten zusammen?
Der Strompreis besteht aus drei Hauptbestandteilen: Beschaffung, Vertrieb und Marge des Anbieters (rund 44 Prozent), Netzentgelte für den Stromtransport (rund 32 Prozent) sowie Steuern, Abgaben und Umlagen (rund 25 Prozent). Zu Letzteren zählen unter anderem Mehrwertsteuer, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Offshore-Netzumlage.
Wie kann ich meine Stromkosten senken?
Der wichtigste Hebel ist der jährliche Wechsel des Stromanbieters. Vergleichsportale wie Verivox oder Check24 zeigen passende Tarife. Außerdem helfen energieeffiziente Geräte, der konsequente Verzicht auf den Stand-by-Betrieb und ein bewusster Umgang mit Beleuchtung, Waschmaschine und Kochen.
Was kostet eine Kilowattstunde Strom?
Im deutschen Durchschnitt zahlen Haushalte rund 38 Cent pro Kilowattstunde. Die Spanne reicht je nach Anbieter und Tarif von etwa 24 bis 45 Cent. Ein Vergleich lohnt sich daher fast immer.
Lohnt sich ein Wechsel des Stromanbieters?
In den meisten Fällen ja. Wer regelmäßig vergleicht, kann mehrere hundert Euro im Jahr sparen. Der Wechsel selbst dauert online nur wenige Minuten und wird vom neuen Anbieter abgewickelt. Achten Sie auf kurze Vertragslaufzeiten und transparente Bonusregelungen.
Was ist ein dynamischer Stromtarif?
Dynamische Tarife geben den Strompreis an der Börse meist stündlich an die Verbraucher weiter. Bei viel Wind und Sonne sinken die Kosten – in Dunkelflauten steigen sie. Anbieter wie Rabot Energy, Octopus Energy oder Tibber bieten solche Tarife an. Sinnvoll sind sie vor allem für Haushalte, die ihren Verbrauch flexibel steuern können – etwa mit Wärmepumpe, E-Auto oder Smart Home.